St. Angela-Schule in Königstein im August 1968. Die Mädchenschule wird heute noch von den Ursulinen geführt.
St. Angela-Schule in Königstein im August 1968. Die Mädchenschule wird heute noch von den Ursulinen geführt.
Erzbischöfliche Ursulinenschule Köln
Erzbischöfliche Ursulinenschule Köln

11.10.2018

Weltmädchentag: Warum die Kölner Ursulinenschule nur für Mädchen ist Jungs als "Entwicklungshindernis"?

Geschlechtertrennung im Unterricht: Hilfe für die Gleichberechtigung oder Förderung von Diskriminierung? Die Rektorin der Ursulinenschule in Köln findet: An Mädchenschulen können sich junge Frauen besser entwickeln.

DOMRADIO.DE: Sie sind die einzige Schule in Köln, die dem Trend in den 1960er bis 1980er Jahren des gemeinsamen Unterrichts für Mädchen und Jungen nicht gefolgt ist. Warum?

Monika Burbaum (Schulleiterin Erzbischöfliche Ursulinenschule in Köln): Wir denken, dass auch in der heutigen Zeit eine Mädchenschule ihren Platz in unserer Gesellschaft hat. Mädchen-Förderung ist gerade in bestimmten Bereichen wie zum Beispiel "Mint" – also dem naturwissenschaftlichen Bereich – immer noch ein großes Thema. Und deshalb sind wir bis heute ein Mädchengymnasium. 

DOMRADIO.DE: Das heißt, Sie glauben tatsächlich, Mädchenschulen können helfen, die Benachteiligung von Mädchen ganz allgemein zu verringern?

Burbaum: Vielleicht. Sagen wir so: Vielleicht verringern Mädchenschulen nicht die Benachteiligung, aber sie können Mädchen ganz gezielt fördern; gerade im naturwissenschaftlichen Bereich. Das gilt aber auch für andere Bereiche, in denen Mädchen ohnehin schon viele Fähigkeiten haben. 

DOMRADIO.DE: Welchen konkreten Einfluss hat das Lernen rein unter Mädchen denn auf ihre Entwicklung? 

Burbaum: Es hat den Vorteil, dass die Mädchen sich mehr zutrauen. Wir haben die Beobachtung gemacht, dass bei gemischten Gruppen Jungs häufig ein bisschen mutiger sind. Mädchen sind dagegen sehr vorsichtig, wollen alles richtig machen – gerade in den naturwissenschaftlichen Fächern. Wenn dann kein Junge da ist, der sagt: "Ich kann das gut!" und die Mädchen erst einmal Zeit haben, sich zu entwickeln, dann entwickeln sie sich wirklich klasse! Wir haben viele Mädchen, die hinterher Maschinenbau studieren, Elektrotechnik oder auch andere Fächer. 

DOMRADIO.DE: Ist es nicht sinnvoller wenn Mädchen von klein auf lernen, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen – also sich auch Jungs gegenüber durchzusetzen?

Burbaum: Na ja, wir sind ja hier nicht irgendwo isoliert. Wir sind mitten in Köln und von daher haben unsere Mädchen natürlich ganz viele Berührungen mit Jungen. Die Realschule hat eine Jungenklasse. Unsere Mädchen haben Freundeskreise. Wir haben eine Kooperation mit einem anderen Erzbischöflichen Gymnasium. Es geht uns nicht darum, dass Mädchen und Jungen sich hier nicht begegnen, sondern dass sie gerade in bestimmten Fächern, wie der Technik- oder Computer- oder Robotik-AG unter sich sind, um ihre Fähigkeiten entfalten zu können.

DOMRADIO.DE: Dass Mädchen mehr leisten, wenn sie nur unter sich lernen, ist gut nachzuvollziehen. Aber Sie schreiben auf Ihrer Internetseite, auch Jungen profitieren davon. Inwiefern?

Burbaum: Ich denke, dass wir gerade im naturwissenschaftlichen Bereich Frauen brauchen. Wir brauchen Frauen, die später in Führungspositionen gehen. Denn dann wird die Welt eine andere. Das ist ja gerade unser Anliegen: Dass Frauen und Männer gemeinsam Verantwortung in unserer Welt übernehmen. Und von daher haben sicherlich auch die Jungen was davon. Wenn die Frauen mit dabei sind – zumal sie manchmal ganz andere Ansätze haben und ganz anders Dinge betrachten – dann ist das eine Bereicherung. 

DOMRADIO.DE: Wollen wir auch mal auf die Vorurteile gegenüber reinen Mädchenschulen schauen, wie es handele sich dabei um elitären Unterricht, es sei langweilig ohne Jungs und dass dort Zickenalarm herrsche. Ich gehe mal davon aus, dem werden Sie jetzt widersprechen, oder?

Burbaum: Nein, so langweilig ist es bei uns nie. Zickenalarm gibt es. Ich glaube aber, das ist ganz normal. An anderen Schulen gibt es dann andere Dinge, über die es Auseinandersetzungen gibt. Aber langweilig ist es nie. Es ist super spannend.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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