Pfarrer Markus Herzberg
Pfarrer Markus Herzberg

26.07.2018

Gemeinde-Pfarrer zum Fund der ältesten Bibliothek Deutschlands auf eigenem Grund "Zwei Herzen in der Bauherrenbrust"

Archäologen haben bei Bauarbeiten für ein neues evangelisches Citykirchenzentrum in Köln einen außergewöhnlichen Fund gemacht: Sie entdeckten die älteste Bibliothek Deutschlands. Für den dortigen Pfarrer Freude und Schock zugleich.

DOMRADIO.DE: Wer in der über 2000 Jahre alten Stadt Köln ein Bauprojekt angeht, muss immer mit Funden aus längst vergangenen Zeiten rechnen. Für Bauherren nicht immer ein Grund zur Freude, schließlich kann das erst mal zum Baustopp und dann zu Mehrkosten führen. Wie war das bei Ihnen? Haben Sie erst mal gedacht: "Nein, bitte nicht!"?

Markus Herzberg (Pfarrer der Kölner Antonitercitykirche): Ganz klar, wenn man in Köln gräbt, dann weiß man, man findet auf jeden Fall innerhalb der Stadtmauern auch irgendwie etwas. Daher haben wir vorher Probeschürfe gemacht, also ein Stück offen gelegt und geguckt, was man denn da findet.

Wir haben mit Sonden geguckt: Wo sind Gegenstände im Boden, wo wird es massiv? Trotzdem haben wir diese große Mauer im Vorfeld nicht gefunden. Dass das nachher ein ganzes Gebäude und Fundament ist, das haben wir nicht geahnt.

DOMRADIO.DE: Tatsächlich bauen Sie auch auf äußerst geschichtsträchtigem Boden. Dass die Forscher fündig wurden, haben Sie selbst gesagt, ist keine Überraschung. Die Ausgrabungen haben aber trotzdem alle Erwartungen übertroffen, oder?

Herzberg: Wenn man jetzt Köln mit Ephesus und Rom in einem Satz nennen kann, freut das natürlich jedes kölsche Herz. Auch dass die Ausgrabung unter dem neuen Citykirchenzentrum eine Bibliothek ist, finde ich natürlich grandios.

Das ist ja schließlich ein Ort der Wissensbildung und wo Menschen sprachfähig werden. Das passt auch wunderbar zur Kirche. Das Christentum ist eine Schrift-Religion und hat natürlich ein großes Herz für Schrift und Bücher.

DOMRADIO.DE: Trotzdem hat das alle Pläne, die Sie bislang hatten, doch über Bord geworfen, oder?

Herzberg: Nicht ganz über Bord. Wir müssen jetzt halt gucken, was wir nun machen. Was den Archäologen freut, freut den Bauherren nicht immer auf Anhieb. Schließlich kann man nicht mehr alles so machen, wie man das geplant hat.

DOMRADIO.DE: Können Sie da ein Beispiel nennen?

Herzberg: Zum Beispiel müssen wir hier in Köln erdbebensicher bauen. Das heißt, es gibt Zerrbalken, die Erschütterungen abfedern. Die kann man nicht beliebig einfach an eine andere Stelle bauen. Wenn der jetzt genau da liegt, wo römische Fundamente sind, dann müssen wir Wege finden, sodass man ganz viel erhält, aber auch ein bisschen beseitigt, damit man da den Zerrbalken hin bauen kann.

DOMRADIO.DE: Wie werden Sie die Mauerreste künftig präsentieren?

Herzberg: Es gibt verschiedene Ansätze. Es gibt einen Teil, den wir von der Substanz so erhalten, wie er war. Es gibt eine Ecke, die ganz spannend ist. Da gibt es ein Mauerwerk, das damals im alten römischen Köln eine Außenwand war. Und da bleibt ein großes Stück in der Tiefgarage stehen.

Aber zum Beispiel da, wo die Rampe hinunter führen wird, da kann natürlich keine Mauer stehen. Dort ist sie ein Stück abgenommen. Da ist aber der Bodenbelag kenntlich gemacht, wie wir das in Berlin von der Berliner Mauer kennen.

Wir können dann erkennen: Ah, hier geht dieses Gebäude unter der Erde weiter. Wir wollen das schön gestalten und nicht so stiefmütterlich, wie das an manchen Orten hier in Köln mit den Überresten der Geschichte so passiert.

DOMRADIO.DE: Auch, wenn Sie sicherlich auf diesen Fund sehr stolz sind. Das ist ja auch ein teurer Spaß. Haben Sie schon eine Ahnung, wie das alles finanziert werden soll? Ist die Finanzierung schon gestemmt?

Herzberg: Als Bauherr hat man immer zwei Herzen. Die eine Herzkammer freut sich über den archäologisch tollen Fund. Das andere Herz weint ein bisschen, weil das natürlich teuer ist.

Dieses Gebäude ist so geplant, dass es sich aus sich selbst heraus finanziert und sich trägt. Und wenn Sie dann so eine große Summe aufbringen müssen, um Planungen umzuschmeißen zu können, dann muss man natürlich gucken: Wie kann das gehen, ohne dass dieses Projekt gefährdet ist? Wir haben natürlich Reserven für Unvorhersehbares. Für so große unvorhersehbare Änderungen vielleicht nicht unbedingt. Aber da gibt es dann auch Wege und Möglichkeiten.

Das Interview führte Aurelia Rütters.

(DR)

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