Zeit für ein Gebet
Menschen im Gebet

16.07.2018

Warum Kirche trotz negativer Statistik zuversichtlich sein kann "Neue Sehnsucht nach Einheit unter den Christen"

Angesichts von Priestermangel und weniger werdenden Kirchenmitgliedern, sehen viele Gläubige Schwarz. Dazu gebe es keinen Anlass, meint Pfarrvikar Sebastian Hannig. Er sieht an der Basis im Erzbistum Köln überaus positive Entwicklungen. 

DOMRADIO.DE: Sie möchten bei der Schwarzseherei nicht mitmachen. Warum nicht?

Sebastian Hannig (Pfarrvikar in der Pfarrei St. Lambertus in Mettmann): Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich natürlich auch manches sehe, was mir Sorgen bereitet und vielleicht auch in der vergangenen Zeit, wo ich auch gemerkt habe: Jetzt ist die Spannung fast schon zum zerreißen da in unserer Kirche. Aber es kommt eben darauf an, wie man mit dieser Situation umgeht.

Ich erlebe auch viele Dinge, die mich wirklich positiv und zuversichtlich stimmen. Und da stimme ich mit unserem Erzbischof, Kardinal Woelki, überein.

DOMRADIO.DE: Nennen Sie mal ein Beispiel. Was stimmt Sie denn positiv in der aktuellen Situation?

Hannig: Zunächst einmal etwas, wo man auch über unseren eigenen katholischen oder deutsch-katholischen Rand schauen darf. Ich erlebe in der Welt einen Aufbruch, eine neue Sehnsucht nach wirklich leidenschaftlichem Gebet, wie zum Beispiel das 24-Stunden-Gebet oder die Gebetshaus-Bewegungen oder auch Gemeinden – und das nicht nur in Deutschland, sondern auch gerade in anderen Ländern.

Oder auch katholische Pfarreien, die einen Aufschwung erleben, indem sie missionarisch werden, die sich an den Grundauftrag der Kirche erinnern, nach außen zu gehen und die Frohe Botschaft zu verkünden. Und was ich auch ganz faszinierend finde, ist eine neue Sehnsucht nach Einheit unter den Christen. Vielleicht gerade deswegen, weil gerade auch die Spannungen so stark sind. Da ist der Wunsch nochmal stärker, wieder zusammen gehören.

DOMRADIO.DE: Sie haben einen Leserbrief geschrieben, in dem Sie von einer "sich selbst erfüllenden Prophezeiung" sprechen – also davon, dass etwas genauso kommt, wie man es sich ausgemalt hat, wenn man negativ herangeht. Wie ist denn die Stimmung an der Basis, in Ihrer Gemeinde?

Hannig: Zunächst musste man erst den "Pastoralen Zukunftsweg" erklären. Ich fand den Brief, den unser Erzbischof Woelki geschrieben hat, überraschend und unerwartet. Ich fand es richtig toll, dass er seinen Gemeinden nicht mit einer Pressemitteilung, sondern in einem persönlichen Brief mitgeteilt hat, wie er im Moment denkt und dass er bei allem Schwierigen, einen Aufbruch sieht und neue Zuversicht hat.

Und das habe ich versucht, den Gemeindemitgliedern deutlich zu machen. Da spüre ich schon eine Bereitschaft, ein neues Umdenken: Wenn sich etwas verändern soll, dann müssen wir anfangen uns zu verändern.

DOMRADIO.DE: Was sagen Sie der älteren Dame, die nicht mehr in ihre Heimatpfarrei gehen kann, sondern in Zukunft in den nächsten Ort fahren muss? Da wird man mit schönen Worten nicht wirklich weiterkommen, wenn man vor diesem konkreten Problem steht, oder?

Hannig: Ich habe in anderen Gemeinden, auch im Ausland, erlebt, dass man sich eher auf die jungen Leute und junge Familien konzentriert. Wenn man Programme für Senioren anbietet, spricht das meist nur Senioren an. Wenn man Programme für junge Familien anbietet, fühlen sich nicht nur Kinder und Jugendliche wohl, sondern auch Ältere.

Ich denke, wenn wir uns mehr auf junge Familien konzentrieren, erfahren auch ältere Menschen wieder eine neue Art von Heimat in der Kirche. Dann bilden sich kleine Gemeinschaften in den Pfarreien, die aufeinander aufpassen, unabhängig vom Alter oder der Generation.

DOMRADIO.DE: Sie wollen quasi die Kirche öffnen für alle möglichen Schichten und Generationen?

Hannig: Das kommt, denke ich, auf jeden Fall, wenn man gerade jungen Menschen stärker Möglichkeiten anbietet, den Glauben zu leben.

DOMRADIO.DE: Die Statistiken zeigen, die Zahl der Gläubigen und der Priester geht zurück. Was denken Sie, wo steht die Kirche in zehn Jahren?

Hannig: Ich will es mal zuversichtlich und hoffnungsvoll ausdrücken: Wir werden in einer Situation sein, die wir uns im Moment gar nicht vorstellen können – was auch immer sich dahinter verbirgt. Aber ich schöpfe meine Zuversicht gerade jetzt aus dem, was ich fast jeden Sonntag in der Bibel höre: Dass Gott mit seinem Volk schon häufig in solchen und schlimmeren Situationen war. Wo das Volk Gottes voller Angst in die Zukunft geschaut hat, aber Gott antwortete: Ich gehe mit euch den Weg. Es wird eine Zeit kommen, die wird anders sein. Aber ihr dürft darauf vertrauen, ich gehe mit euch.

Und so, denke ich, dürfen wir auch in die Zukunft schauen und müssen nicht Schwarz malen. Bei allem Sorgenvollen und aller Kritik, die es gibt und die wir auch nicht verschweigen dürfen, darf nicht vergessen werden, dass wir einen großartigen Gott haben, der mit uns durch die Zeit geht - in die Zukunft hinein.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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