Geldscheine im Geldbeutel
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06.07.2018

Finanzexperte erklärt Prinzip des "Impact Investing" Mit gutem Gewissen investieren

Lässt sich mit gutem Gewissen Geld verdienen? Es gibt einen Ansatz, der das verspricht. Dieser nennt sich "Impact Investment". Dazu beraten ab Samstag Finanzexperten in Rom. Doch wie könnte diese Art der Geldanlage funktionieren?

DOMRADIO.DE: "Impact Investing" – was ist das genau?

Winfried Hinzen (Finanzberater und Ex-Vorstand der Pax Bank): Das Wort ist sperrig. Im Grunde genommen haben wir gerade in Deutschland zwei Ideen, die in die Finanzwirtschaft hineinragen. Das eine ist die Idee von Raiffeisen: Wir investieren und geben unser Geld eben nicht fürs Allgemeine aus, sondern so, dass wir zum Beispiel Landmaschinen für alle im Dorf finanzieren.

Das andere ist die Idee der Sparkassen. Sie haben ursprünglich die Einlagen in der Stadt, in der Gemeinde und in dem Kreis investiert, damit daraus wieder Arbeitsplätze und eine neue Wirtschaftskraft entstehen konnte. Nichts anderes ist Impact Investing.

Es geht also erstens um die Idee: Wie investieren wir so, dass der Anleger eine angemessene Verzinsung bekommt? Zweitens: Wie entstehen aus diesen Investitionen Dinge, die die Menschheit braucht? Ich sage es bewusst so überschwänglich, weil es um große Themen wie den Klimawandel, die Gesundheit geht und wie wir mit Flüchtlingen heutzutage umgehen.

Kann man diese Themen so angehen, dass man damit nicht nur soziale Werke tut, sondern so, dass große Investoren wie zum Beispiel eine Gemeinschaft aus erfolgreichen Unternehmern bereit ist, nicht nur 100.000 Euro zu investieren, sondern Millionen?

DOMRADIO.DE: Papst Franziskus ist ein großer Anhänger von Impact Investment. In was investiert denn die Weltkirche?

Hinzen: Die Weltkirche ist da noch genauso "zurück" wie der Rest der Gesellschaft. Auf der Teilnehmerliste dieser Konferenz stehen 150 Namen. Einige sind prominenter als andere. An sich ist zum Beispiel die Caritas recht stark vertreten. Bezeichnenderweise ist die deutsche Caritas nicht dabei – dafür aber die Länder USA, Frankreich, Italien. Zudem sind auch einige Ordensgemeinschaften und Universitäten unter den Teilnehmern.

Aber in der Kirche Gottes ist das Thema noch keineswegs in der Breite angekommen, weil es so sperrig klingt. Und es ist natürlich im Grunde genommen für viele Kirchenleute die Quadratur des Kreises. Wie kann ich Gutes tun und zugleich damit Geld verdienen? Als Finanzexperte kann ich nur sagen: Das ist ein ganz spannendes Thema und holt die Ordensleute und die Caritas genau da ab, wo sie stehen. Das Geld dient den Menschen.

DOMRADIO.DE: Haben Sie ein konkretes Beispiel – was wäre denn so ein Investment?

Hinzen: Das bekannteste, mit dem wahrscheinlich alles etwas anfangen können, ist der Klimawandel. Man kann natürlich in Windkraftanlagen oder in Solaranlagen investieren. Man kann in die Solarzellen auf dem eigenen Haus investieren, indem man sich an einem Windpark beteiligt.

Damit will man natürlich zunächst einmal eine Rendite erwirtschaften. Vielleicht nicht die 0,5 Prozent wie bei der Bank, sondern lieber 3,4 oder 5 Prozent. Aber gleichzeitig tut man es auch aus dem Gefühl heraus, weil man die Umweltzerstörung stoppen möchte. Man selbst trägt zum Stopp bei, indem solche Energie auch produziert wird.

DOMRADIO.DE: Sie haben gesagt, im Bereich Klima ist man am weitesten. Im Vatikan wird auch über Jugendarbeitslosigkeit gesprochen. Wie könnte da Impact Investment aussehen?

Hinzen: Jugendarbeitslosigkeit oder auch Flüchtlingsarbeit geht in dieselbe Richtung. Man überlegt, wie man Arbeitsplätze schaffen kann. Ich will es mal am Beispiel der Flüchtlinge erklären. Diese sind momentan in aller Munde, nicht nur dank Herrn Seehofer und Frau Merkel.

Viele Menschen kommen mit viel Wissen hierher, dieses Wissen liegt völlig brach. Die werden bei uns angestellt, oft in höchst unterqualifizierten Tätigkeiten. Aus dem einem Grund heraus, weil sie der Sprache nicht so mächtig sind und die Kultur nicht so kennen, wie Sie und ich. Die ganzen Kompetenzen liegen brach und da muss man anfangen zu überlegen.

Ich weiß, dass die ausländischen Ordern in Deutschland überlegen: "Können wir nicht als Menschen mit Migrationshintergrund für andere Menschen mit Migrationshintergrund selbst Kindergärten einrichten? Oder können wir nicht Gewerbebetriebe aufbauen, wo wir unsere Kompetenz, unsere Erfahrungen mit einbringen und damit Geld verdienen?" Damit schafft man Arbeitsplätze für Flüchtlinge, damit schafft man Arbeitsplätze für junge Menschen.

Man schafft Rendite, wenn man es vernünftig macht und man erreicht Menschen – da ist wieder der Impact – Flüchtlinge hier in unserem Land, um die sich die einheimische Wirtschaft in der Konzentration nicht kümmern kann. 

DOMRADIO.DE: Am Samstag werden 150 Leute aus der freien Wirtschaft, von Nichtregierungsorganisationen, Medien und Universitäten dabei sein. Was erwarten Sie sich von diesem Kongress?

Hinzen: Ich erwarte sehr spannende inhaltliche Impulse für die Caritas-Arbeit. Ich möchte gerne Ideen aus dem Engagement der Caritas für Migranten und Flüchtlinge mitnehmen. Wir sollten also nicht nur wie bisher Geld in diese Menschen investieren, das dann weg ist, sondern Projekte starten, die sich selbst tragen und die dementsprechend natürlich viel mehr Menschen im Laufe der Zeit erreichen können.

Ich bin sehr glücklich darüber, dass der Vatikan jetzt schon die dritte Konferenz dieser Art macht. Denn das Thema ist immer noch ein wirkliches Nischenthema. Man fängt an drüber nachzudenken, aber es bewegt sich in den großen Breiten der Wirtschaft bis heute viel zu wenig.

Wir werden auf der Konferenz anhand von Erfahrungsberichten auch darüber diskutieren, wie man die Impulse in die Praxis umsetzen kann. Das möchte ich gerne mitnehmen und dann zurückkommen und sagen: "Lieber Orden, liebe Caritas, liebes Erzbistum Köln, hier gibt es ganz praktische Beispiele von höchst professionellen Investoren mit einem riesen Know-How, wie etwa einer Georgetown University, die nicht nur sagt, dass man es machen könnte, sondern es macht."

Das Gespräch führte Heike Sicconi.

(DR)

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