Pausenraum in einer Schule
Vorwürfe gegen Erzieherinnen einer katholischen Kita
Neuer Präventionsbeauftragter: Oliver Vogt
Interventionsbeauftragter im Erzbistum Köln: Oliver Vogt

20.06.2018

Erzbistum Köln reagiert auf Vorwürfe gegen Kita-Erzieherinnen "Licht ins Dunkel bringen"

Wurden Kinder in einem katholischen Kindergarten zur Strafe weggesperrt? Das sind Vorwürfe, die Eltern in Köln erheben. Es gehe nun darum, aufzuklären und Vertrauen wieder herzustellen, sagt der Interventionsbeauftragte des Erzbistums.

DOMRADIO.DE: Sie haben die Erzieherinnen und Erzieher der Kita Sankt Theresia in Köln-Buchheim kurzfristig freigestellt. Wie genau lauten denn die Vorwürfe gegen die Mitarbeiter?

Oliver Vogt (Interventionsbeauftragter im Erzbistum Köln): Die Vorwürfe, die uns bisher bekannt sind, lauten, dass Kinder in der Turnhalle eingesperrt gewesen sein sollen und dass es dabei möglicherweise zu Verletzungen an der Hand eines Kindes gekommen sein soll, weil es die Hand in der Tür eingeklemmt hat. Das sind die Informationen, die uns vorliegen. Mehr kann uns die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit auch noch nicht sagen.

DOMRADIO.DE: Das heißt, Stand der Dinge ist, die Polizei ermittelt in diesem Fall.

Vogt: Die Polizei ist von Eltern eingeschaltet worden. Es sind Strafanzeigen von Eltern bei der Kriminalpolizei in Köln gegen alle Erzieherinnen dieser Einrichtung erstattet worden. Jetzt muss die Polizei den Sachverhalt ermitteln und versuchen, Licht in das Dunkel zu kriegen.

DOMRADIO.DE: Was passiert denn mit den Kindern oder mit den Eltern, die sich gemeldet haben? Gibt es eine Form von psychologischer Betreuung? Wie läuft das ab?

Vogt: Die Eltern haben von uns heute morgen in einer schriftlichen Eltern-Informationen zum einen die Informationen über das weitere Vorgehen in der Einrichtung bekommen. Zum anderen haben die Eltern dort konkrete Ansprechpersonen, die sowohl psychologisch als auch juristisch geschult und ausgebildet sind und den Eltern bei Sorgen und Ängsten zur Verfügung stehen, genannt bekommen. Da können die Eltern sehr unproblematisch direkt Kontakt aufnehmen und werden entsprechend beraten und unterstützt.

DOMRADIO.DE: Eine große Frage ist natürlich: Wo werden die Kinder in der Zeit untergebracht? Werden die weiter betreut?

Vogt: Die Kinder werden weiter betreut. Wir haben gestern sehr schnell mit dem Landesjugendamt und dem örtlichen Jugendamt hier in Köln eine Lösung entwickelt, die so aussieht, dass wir zum heutigen Tag leider einen Tag die Einrichtung schließen müssen, weil das vom Träger organisiert werden muss und für den Rest dieser Woche mit Notgruppen arbeiten, wo das Personal aus anderen Einrichtungen eingesetzt wird. Ab kommender Woche wird der Betrieb wieder mehr oder weniger regulär laufen - ebenfalls mit anderem Personal aus anderen Einrichtungen.

DOMRADIO.DE: Wie gehen Sie grundsätzlich als Interventionsbeauftragter in solchen Fällen vor? Kinder die drei oder vier Jahre alt sind, könnten ja auch ein bisschen was dazu erfunden haben. Wie schwierig ist das, solche Aussagen auf Glaubwürdigkeit zu prüfen - rauszufinden, was nun wirklich passiert ist?

Vogt: Die Aussagen von Kindern sind in der Tat mit das Problematischste, was wir haben. Wir versuchen das gar nicht selber, sondern wir bedienen uns - wenn wir in die Situation kommen, dass wir Kinder befragen müssen - geschulter und ausgebildeter Aussagepsychologen, die explizit darauf vorbereitet sind, mit Kindern solche Gespräche zu führen. Es kann nicht jeder mit Kindern einfach über so einen Vorfall sprechen, sondern da muss sehr genau geguckt werden, da müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden und das geben wir grundsätzlich an externe Psychologen ab, die dafür speziell geschult sind.

DOMRADIO.DE: Gibt es denn eine Art Qualitätskontrolle in den katholischen Erziehungs- und Bildungseinrichtungen?

Vogt: Es gibt natürlich Standards, die gesetzt sind und nach denen auch in der Regel alle unsere Kitas arbeiten, was sowohl pädagogische Standards als auch den Umgang mit Kindern und Jugendlichen angeht. Infolge der aufkommenden Missbrauchsvorwürfe in katholischen Einrichtungen aus dem Jahr 2010, erstellen alle Einrichtungen ein Schutzkonzept, in dem nochmal Standards, Umgehens- und Verhaltenskodizes festgelegt werden, wie die Mitarbeiter mit den Kindern umgehen. Sodass es eine relativ breite Fülle von Maßnahmen gibt, um sicherzustellen dass es den Kindern in den katholischen Kindertagesstätten gut geht.

DOMRADIO.DE: Wie geht es im konkreten Fall weiter? Es muss ja auch neues Vertrauen aufgebaut werden, auch mit neuem Personal.

Vogt: Wir werden jetzt zunächst die Ermittlungen der Polizei abwarten müssen, um herauszubekommen, was an den Vorwürfen dran ist. Dabei ist natürlich immer auch deutlich zu sagen: Bis da nicht das Gegenteil bewiesen ist, gelten auch die Erzieherinnen nach deutschem Recht als unschuldig. Wir haben auch eine Fürsorgepflicht für die uns anvertrauten und bei uns tätigen Erzieherinnen. Das werden wir natürlich auch mit berücksichtigen. Wir werden die Eltern am Freitag umfänglich nochmal über die weiteren Schritte informieren. Dann wird man natürlich sehr genau prüfen müssen: Wie kann das Vertrauen mit neuem Personal in dieser Einrichtung wieder aufgebaut werden, um den Kindern dann wieder die gewohnte Umgebung zu geben?

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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