Vor fünf Jahren begann der Eucharistische Kongress in Köln

Lebhaftes Glaubensfest in der Domstadt

Den Weltjugendtag 2005 noch in lebhafter Erinnerung, wurde Köln im Jahr 2013 erneut Schauplatz eines großen katholischen Glaubensfestes. Der "Eucharistische Kongress" zog viele Gläubige in den Bann. Was ist geblieben - fünf Jahre danach?

"Eucharistischer Kongress" 2013 in Köln (dpa)
"Eucharistischer Kongress" 2013 in Köln / ( dpa )

DOMRADIO.DE: "Eucharistischer Kongress". Das klingt erst einmal ein bisschen sperrig für alle, die es nicht kennen. Was steckt dahinter?

Hermann-Josef Johanns (Geschäftsführer von DOMRADIO.DE und Projektleiter beim "Eucharistischen Kongress" 2013): Einen "Eucharistischen Kongress" gibt es auf nationaler und auf internationaler Ebene. Der Begriff ist wirklich sperrig. Das haben wir auch bei den Anmeldungen damals gemerkt. Das lief alles sehr schleppend, weil die Leute dachten, da finde irgendeine Bildungsveranstaltung statt. Wir haben dann auch versucht, im Vatikan den Begriff in Richtung eucharistisches Glaubensfest oder überhaupt Glaubensfest zu ändern. Dazu war der Vatikan aber nicht bereit, weil sie argumentierten, das werde international gefeiert und müsse auch international ein Begriff bleiben. Also hatten wir keine Chance.

Letztendlich soll es ein fröhliches Glaubensfest sein, wo gebetet wird, wo die Eucharistie häufig gefeiert wird, wo es die Stundengebete gibt, wo es theologische Gespräche und Glaubenszeugnisse gibt. Das kann man insgesamt unter einem Eucharistischen Kongress verstehen.

DOMRADIO.DE: Glaubensfest klingt auf jeden Fall einladender als Kongress. Kongress klingt nach sehr viel Arbeit. Wie sind Sie da dran gekommen? Wer kam auf Sie zu und hat gesagt: "Machen Sie das"?

Johanns: Das war eine ganz lustige Geschichte. Ich hatte nach dem Weltjugendtag – als Papst Benedikt in Deutschland war – noch einmal die Chance, ihn als Projektleiter durch Deutschland zu führen: nach Berlin, Erfurt und Freiburg.

Bei der Verabschiedung des Papstes am Flughafen hielt Kardinal Meisner meine Hand fest und fragte: "Kann mein Generalvikar in den nächsten Tagen mal mit Ihnen telefonieren?" Ich war da noch ziemlich im Stress und habe gar nicht gefragt, warum und weshalb. Ich habe nur "Ja" gesagt und bin dann gegangen. 14 Tage später kam dann der Anruf und die Frage, ob ich mir vorstellen könne nochmal als Projektleiter den "Eucharistischen Kongress" hier in Köln zu machen.

DOMRADIO.DE: Dann ging es am 5. Juni los hier in Köln. Was waren Ihre Kongress-Höhepunkte?

Johanns: Für mich gab es mehrere Höhepunkte. Es gab vor allen Dingen eine ganz lustige Begebenheit: Die Kölner wissen, wenn man eine Veranstaltung am Tanzbrunnen macht, dass ab 22 Uhr keine Musik mehr über den Rhein klingen darf, weil gegenüber am Rheinufer Menschen wohnen, die sich gestört fühlen, Anzeige erstatten und den Veranstalter verklagen könnten.

Wir hatten am vorletzten Abend, einem Samstagabend, dort eine Vesper mit dem damaligen Erzbischof von Berlin und unserem heutigen Kardinal Woelki gefeiert. Diese Vesper dauerte länger als 22 Uhr und war von Musik begleitet. Die Musik wurde aber gar nicht von Verstärkern unterstützt. Deshalb habe ich gefragt, ob es nicht ausnahmsweise mit der Musik auch über 22 Uhr hinausginge. Die Antwort war, dass dies alles nicht gehe, das höre man auf der anderen Seite.

Dann habe ich mich bei der Stadt mal schlau gemacht, wie das gemessen wird. Auf den Häusern der anderen Rheinseite gibt es entsprechende Gerätschaften. Dort wird gemessen, ob man über bestimmte Lautstärken hinausgeht. Als ich mir die Messgeräte angeguckt habe, habe ich den Fachmann gefragt: "Wie ist das eigentlich, wenn hier ein Lkw vorbeifährt? Der rappelt ja auf der Rheinuferstraße." "Dann setzen die Gerätschaften aus. Dann hört man von drüben natürlich auch nichts", bekam ich als Antwort. Mit dieser Aussage habe ich mir dann überlegt, wie man jetzt die Situation problemlos regeln könnte.

DOMRADIO.DE: Sie haben aber nicht 100 Lkw gemietet, oder?

Johanns: Nein. Ich habe mir überlegt, welche Kirche in der Nähe ist und das ist Sankt Kunibert. Dann hab ich mit dem Pfarrer gesprochen, ob er um 22 Uhr die Glocken läuten könnte. Wir haben so lange die Glocken läuten lassen bis die Vesper und der Gesang zu Ende waren.

Das war eine lustige Geschichte und erinnerte mich an Camillo und Peppone. Wir haben uns köstlich amüsiert.

DOMRADIO.DE: Natürlich hat der Dom beim Eucharistischen Kongress auch eine Rolle gespielt, oder?

Johanns: Der Dom war sicher für uns der Mittelpunkt. Wir sind ja gleich nach dem Eröffnungsgottesdienst mit einer Prozession in den Dom rüber gezogen. Wir hatten jeden Abend die Lux Eucharistica da, also Lichtspiele mit Orgelbegleitung und Choralgesängen.

Das Problem war immer, dass 10.000 Menschen vor dem Dom standen. Aber 10.000 Personen passen leider nicht in den Dom. Gut die Hälfte konnte man reinlassen. Wir haben da auch mit Sicherheitskräften arbeiten müssen.

Alle großen Veranstaltungen haben natürlich im Dom stattgefunden, wie die Schüler-Katechese, wohin 6.500 Schüler in Köln kamen oder eben auch der ökumenische Gottesdienst mit den evangelischen Christen, die Stundengebete morgens und am Mittag. Der Dom war und ist schon der Mittelpunkt, da kommen auch die Touristen hin.

DOMRADIO.DE: Wie ist das fünf Jahre nach dem Kongress – Was ist für Sie geblieben?

Johanns: Für mich sind es vor allem schöne Erinnerungen und dass man Probleme lösen konnte. Am Anfang lief alles sehr schleppend an. Dass man letztendlich gut 40.000 Gäste in Köln hatte, die das Stadtbild geprägt haben, dass viele städtische Institutionen mitgemacht haben, das fand ich ganz, ganz toll für so ein katholisches Fest.

Geblieben ist auch im Maternushaus die "Ewige Anbetung". Das war damals ein Gedanke von Kardinal Meisner, dies entsprechend zu installieren. Wir haben auch die Katechesen als Buch aufgelegt. Gerade am Anfang ist das sehr nachgefragt worden, um auch vor Ort die Dinge entsprechend so zu gestalten wie es beim "Eucharistischen Kongress" stattgefunden hat.


Hermann-Josef Johanns / © dr (DR)
Hermann-Josef Johanns / © dr ( DR )

2013: Eucharistischer Kongress in Köln (dpa)
2013: Eucharistischer Kongress in Köln / ( dpa )

"lux eucharistica" im Kölner Dom  / © Weißinger/Förster, Tübingen
"lux eucharistica" im Kölner Dom / © Weißinger/Förster, Tübingen

Prozession zum Dom (dpa)
Prozession zum Dom / ( dpa )

"Herr, zu wem sollen wir gehen?" (dpa)
"Herr, zu wem sollen wir gehen?" / ( dpa )
Quelle:
DR