Das AKO-Schulgebäude in Bonn
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Aloisiuskolleg in Bonn
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15.05.2018

Bonner Aloisiuskolleg schließt Internat Im Sommer ist Schluss

Das Bonner Aloisiuskolleg schließt zum Sommer sein Internat und wird danach allein als Gymnasium weitergeführt. Die Entscheidung spiegele einen deutschlandweiten Trend wider, so die Schul- und Internatsleitung.

"In den vergangenen zehn Jahren musste ein Drittel aller Internate den Betrieb einstellen. Während große Einrichtungen wie das Jesuitenkolleg St. Blasien sich gut entwickeln, stehen die mittleren und kleinen Einrichtungen sehr unter Druck", erläuterte Rektor Pater Martin Löwenstein die Entscheidung auf der Homepage des über 100-jährigen Jesuitenkollegs.

"Deutlich zurückgegangenen Nachfrage"

Neben der Einführung von G8 und der Ausweitung des schulischen Ganztagsangebots habe zu Beschleunigung dieses Prozesses auch beigetragen, dass an immer mehr Orten private Schulen zugänglich sind, nannte der Pater weitere Gründe für die Internatsschließung noch in diesem Jahr. Das Kolleg trage mit seiner Entscheidung der deutlich zurückgegangenen Nachfrage Rechnung.

Diese Entwicklung habe auch die Eröffnung des Mädcheninternats 2006 nicht dauerhaft verbessern können. Von 1927 bis 2005 war die Bonner Einrichtung im Stadtteil Bad Godesberg ein reines Jungeninternat gewesen, mit Ausnahme der Jahre 1938 bis 1945, als das Kolleg von den Nationalsozialisten geschlossen wurde.

Plätze für 40 Mädchen und 60 Jungen

"Das Aloisiuskolleg und sein Internat waren seit der Gründung dadurch geprägt, dass hier nicht nur Schule war, sondern junge Menschen, im Guten wie im Schweren, Jahre ihres Lebens verbracht haben", erläuterte Pater Löwenstein. Zuletzt hielt das Kolleg Internatsplätze für bis zu 40 Mädchen und 60 Jungen vor. 2016 war der langjährige Internatsleiter Christopher Haep in die Abteilung Schule und Hochschule im Erzbischöflichen Generalvikariat Hamburg gewechselt. Haep war auch Vorsitzender des Verbands Katholischer Internate in Deutschland gewesen.

"Wir wissen, dass die Schließung vor allem die derzeitigen internen Schülerinnen und Schüler und ihre Familien trifft. Mit jeder Familie wird deshalb im persönlichen Gespräch nach einer Lösung für das kommende Schuljahr gesucht", erläuterte Internatsleiter Torsten Liebscher. Ab dem neuen Schuljahr werde man auf dem Kollegsgelände eine eigene Wohngemeinschaft für bis zu 25 Schüler einrichten. "Das Kolleg wird allen derzeitigen internen Oberstufenschülern den Übergang ermöglichen, damit sie ihr Abitur machen können", erklärte der Rektor.

Bekannte Internatsschüler und dutzende Missbrauchsfälle

Ab 2010 wurde auch das Internat des Aloisiuskollegs vom bundesweiten Missbrauchsskandal erfasst. In den Jahrzehnten ab 1950 bis 2005 sollen laut Aufklärungsberichten unabhängiger Kommissionen Dutzende Betroffene in Internatsräumlichkeiten Macht- und sexualisierten Missbrauch durch Patres und andere Mitarbeiter erlebt haben. Die Opfergruppe "Eckiger Tisch Bonn" erklärte, mit dem Internat schließe ein "Ort des Missbrauchs". Die Einrichtung habe nun "den Platz in der Geschichte, den sie verdient".

Über Jahrzehnte besuchten die Söhne bekannter Familien wie Alexander Graf Lambsdorff, heute stellvertretender FDP-Fraktionsvorsitzender, oder Constantin Heereman von Zuydtwyck, langjähriger Präsident des deutschen Bauernverbands, die Einrichtung. Auch der Schriftsteller Thomas Melle, der Fernsehmoderator Stefan Raab und der Jazzmusiker Till Brönner gehörten zu den heute bekannten Internatsschülern.

(epd, KNA)

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