Symbolbild: Eine Monstranz und ein Kruzifix auf einer Prozession
Symbolbild: Eine Monstranz und ein Kruzifix auf einer Prozession
Bonner Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher
Bonner Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher
Diskussion um Karnevalsorden
Diskussion um Karnevalsorden

18.01.2018

Bonner Stadtdechant zur Diskussion um Monstranz-Orden "Die Wirkung ist verheerend"

Im Karneval ist vieles erlaubt. Allerdings nicht alles, meint der Bonner Stadtdechant Winfried Schumacher. Der Orden der Bonner Karnevalsgesellschaft "Durschlöscher" stellt in diesem Jahr eine Monstranz dar – mit Kölschglas statt Hostie.

DOMRADIO.DE: Warum überschreitet dieser Karnevalsorden Ihrer Ansicht nach die Grenze des guten Geschmacks? 

Monsignore Wilfried Schumacher (Bonner Stadtdechant): Wenn wir daran denken, dass die Monstranz mit der Hostie für uns Katholiken sozusagen das Allerheiligste zeigt, das wir anbeten und verehren, dann ist das für mich schon geschmacklos, wenn man ein solches liturgisches Gefäß nimmt und die Hostie durch ein Kölschglas ersetzt. Das beleidigt meine religiösen Gefühle und sicherlich auch die vieler Katholikinnen und Katholiken in unserer Stadt. Deshalb habe ich dagegen Position bezogen.

DOMRADIO.DE: Glauben Sie denn, dass der Karnevalsverein sich bei der Auswahl des Motivs darüber im Klaren war, was eine Monstranz ist, wofür sie steht und welche religiösen Gefühle man tatsächlich damit verletzen kann? 

Schumacher: Ich glaube nicht, dass das bedacht oder beabsichtigt war. Das habe ich dem Vorsitzenden des Vereins auch geschrieben. Es ist nur nicht bis zu Ende gedacht. Wenn man so etwas macht, muss man sich Gedanken machen. Das ist eine klare Monstranz in Kreuzesform. Wenn man ein solches Motiv wählt, muss man schon ein bisschen weiter denken und gucken: Was könnte das auslösen bei anderen Menschen? Ich will denen keine böse Absicht unterstellen. Nur, ich finde die Wirkung verheerend.

DOMRADIO.DE: Dass der Verein jetzt mitten in der Session seinen Orden ändert, ist nicht so wahrscheinlich, oder? 

Schumacher: Das glaube ich nicht. Die Karnevalsgesellschaft hat ihre große Sitzung schon am letzten Wochenende hinter sich gebracht. Das war ja auch der Anlass, dass dieser Orden in der Zeitung erschien und nicht nur mich, sondern - wie ich weiß - auch viele andere Menschen gestört hat. Das heißt, für den Verein ist der wichtigste Termin schon einmal vorbei.

Aber, ich denke mir, wir müssen als Christen auch in solchen Situationen Position beziehen. Wir müssen einfach sagen: Es gibt Grenzen, die man unserer Meinung nach nicht überschreiten darf, weil sie das, was uns heilig - sogar allerheilig ist - negativ berühren.

Die andere Frage ist: Was ist das Zeichen? Wenn man ein Kölschglas anbetet, vor einem Kölschglas die Knie beugt, macht mich das schon sehr nachdenklich, angesichts vieler alkoholkranker Menschen in unserer Gesellschaft. Für mich führt das dann zu der Frage: Was ist Menschen in unserer Gesellschaft überhaupt heilig? Darüber kann man ja mal nachdenken. Das wäre dann aber ein Thema für Aschermittwoch. 

DOMRADIO.DE: Angenommen, der Verein oder auch andere Leute sagen: Das ist Karneval. Da darf man sich über alles lustig machen. Das würden Sie nicht gelten lassen?

Schumacher: Ich bin selber von Kindesbeinen an mit dem Karneval großgeworden. Für mich ist es unvorstellbar, dass ich religiöse Symbole im Karneval so missbrauche. Mich stört auch, wenn Menschen sich als Nonne oder als Papst oder Bischof verkleiden und mit einem großen Kreuz durch die Säle tanzen.

Denn ich glaube, da fehlt es an Respekt vor dem, was anderen Menschen heilig ist. Karneval heißt nicht, dass ich alles darf. Karneval ist keine Erlaubnis, alles sagen und machen zu dürfen. Das wäre in meinen Augen eine Fehleinschätzung.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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