02.01.2018 - 00:00

Warum ein 24-Jähriger Priester werden möchte Eine der wenigen Ausnahmen

In Deutschland gibt es 23 Millionen Katholiken, aber kaum jemanden, der Priester werden will. Eine der wenigen Ausnahmen ist Henrik Land. Er ist 24 Jahre alt und geht seiner Berufung nach.

Noch könnte er zurück. Aber das wird er nicht tun. Man merkt ganz deutlich, dass Henrik Land sich verpflichten lassen will. Auf Lebenszeit. Er wird Priester.

Früher hat man sowas "Berufung" genannt. Wobei Henrik Land sofort klarstellt: "Mir ist keiner erschienen, mir hat keiner was geflüstert." Ganz unspektakulär sei der Beschluss in ihm gereift. Die Stationen: katholisch getauft, mit neun Jahren zur Kommunion gegangen, immer viel Spaß bei den Messdienern gehabt. Irgendwann kam die Frage vom Pfarrer: "Sag mal, ist dir je der Gedanke gekommen...?"

Priesterseminar des Erzbistums Köln

Henrik Land wirkt ganz normal. Und er sagt auch von sich selbst, dass er das ist. Schräg will er auf keinen Fall rüberkommen. Aber kann man wirklich normal sein, wenn man sich heutzutage mit 24 Jahren dazu verpflichtet, fortan "zölibatär" zu leben, was bedeutet: keine Partner, keine Kinder? Es gibt nicht mehr viele junge Deutsche, die sich sowas vorstellen können. 2016 lag die Zahl der Priesterweihen bei 77. Und das bei 23 Millionen Katholiken.

Henrik Land läuft durch das Priesterseminar des Erzbistums Köln. Lange Gänge, viele Türen. Aber sein Jahrgang zählt gerade mal acht Leute. Und das ist nicht alles. In der Wirtschaft würde man sagen, dass er dabei ist, in eine Branche einzusteigen, die sich im strukturellen Niedergang befindet. So fiel die Zahl der Kirchenmitglieder im größten deutschen Bistum Köln kürzlich erstmals unter die Zwei-Millionen-Marke.

"Überleg's dir gut!"

Man kann Henrik Land mit all diesen deprimierenden Fakten konfrontieren, aber es scheint ihn nicht anzufechten. Er lächelt - kein entrücktes Heiligenlächeln, sondern das Lächeln eines Menschen, der sich seiner Sache sicher ist. Ja, da werde sich wohl so einiges verändern, aber das sei ja gerade das Interessante, sagt er. Da könne man gestalten. Seine Hauptmotivation: "Ich will das weitergeben, was ich in meiner Heimatgemeinde selbst erfahren habe. Den gelebten Glauben, die Gemeinschaft."

Schon vor dem Abitur hat er kein Geheimnis daraus gemacht, dass er sich vorstellen könnte, Priester zu werden. Die Reaktionen waren dementsprechend. "Überleg's dir gut!", warnte ihn sein älterer Bruder. Bei Partys wurde er regelmäßig angesprochen: "Du willst wirklich nie 'ne Frau haben?" Aber, so sagt er: "Wenn wir dann drüber geredet haben, hat eigentlich nie einer blöd reagiert. Natürlich haben viele Leute gesagt: "Also, für mich wär' das nichts!" Aber Ablehnung hab' ich nie erfahren."

2019 folgt die Priesterweihe

Und ja, bevor einer fragt: "Ich hatte auch mal eine Freundin. Natürlich war ich schon verliebt." Aber er hat sich dann anders entschieden. "Die Ehe ist ja auch Verzicht. Wenn Sie verheiratet sind, haben Sie zu einer Frau Ja gesagt und zu zehntausend anderen Frauen, denen Sie auch hätten begegnen können, Nein." Dieses Jahr wird Henrik Land zum Diakon geweiht, 2019 folgt die Priesterweihe. Anschließend will er als Kaplan seine ersten priesterlichen Erfahrungen in verschiedenen Gemeinden sammeln.

Keine Angst vor Einsamkeit? "Auch in der Ehe kann man sehr einsam sein." Er ist entschlossen, seine bisherigen Freundschaften aufrecht zu erhalten. "Darunter sind mehrere Leute, die mit der Kirche nichts am Hut haben. Mit denen will ich auch als Priester abends noch einen trinken gehen." Ob er Glaubenszweifel fürchte? "Zweifeln gehört zum Glauben. Wenn ein Kind stirbt, dann fragt man: Was soll das? Solche Zweifel muss man zulassen."

Vorbild: der Pfarrer in seiner Heimatgemeinde

Vielleicht war der wichtigste Faktor im Entscheidungsprozess von Henrik Land das Vorbild des Pfarrers in seiner Düsseldorfer Heimatgemeinde. Dieser Mensch habe ihn beeindruckt, sagt er. War es die Art, wie er gepredigt hat? Natürlich nicht. Viel normaler: "Das ist einer, mit dem kann man lachen. Mit dem kann man reden. Ich habe meinen Pfarrer immer als jemanden erlebt, von dem ich dachte: Der ist eigentlich viel zu normal, um Priester zu sein."

Christoph Driessen
(dpa)

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