"Landshut"-Geiseln zurück in Deutschland (1977)
"Landshut"-Geiseln zurück in Deutschland (1977)
Weihbischof em. Melzer mit dem päpstlichen Telegramm
Weihbischof em. Melzer mit dem päpstlichen Telegramm
Telegramm belegt die Bereitschaft Papst Pauls VI. zum Geiselaustausch
Telegramm belegt die Bereitschaft Papst Pauls VI. zum Geiselaustausch

11.10.2017

"Deutscher Herbst" im Archiv des Erzbistums Köln Papst Paul VI. bot sich als Geisel an

Eine besondere Erinnerung an den Terror der Roten Armee Fraktion vor 40 Jahren bewahrt das Historische Archiv des Erzbistums Köln auf. Demnach bot sich Papst Paul VI. als Geisel im Austausch für die Insassen der entführten "Landshut" an.

An diesem Mittwoch präsentierte die zuständige Mitarbeiterin Lena Wormans das Original-Telegramm, mit dem Papst Paul VI. am 17. Oktober 1977 den Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) den Vorschlag zum Geiselaustausch mit den Passagieren der entführten Lufthansa-Maschine unterbreitete.

Kein symbolisches Angebot

"Wir gehen davon aus, dass dieses bemerkenswerte Angebot nicht nur symbolisch gemeint war", sagte Wormans und fügte hinzu: "Es zeigt deutlich die politisch-moralische Autorität von Papst Paul VI." Das Telegramm gehöre mit seiner Bedeutung für die deutsche Geschichte zu den wertvollsten Stücken im Archiv, so Wormans. Eigentümerin des Original-Telegramms ist die Deutsche Bischofskonferenz, die seit 2001 ihre historischen Unterlagen in Köln aufbewahren lässt.

Die "Landshut" wurde am 13. Oktober 1977 auf ihrem Flug von Palma de Mallorca nach Frankfurt von palästinensischen Terroristen entführt. Ein Ziel der Aktion war es, die in Stuttgart-Stammheim inhaftierte Führungsriege der RAF freizupressen. Der Vorfall gilt als einer der Schlüsselereignisse im sogenannten "Deutschen Herbst", in dessen Verlauf der Terror der RAF seinen Höhepunkt erreichte.

Die Terroristen erschossen während eines mehrtägigen Irrflugs den Piloten Jürgen Schumann. In der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober befreiten GSG-9-Männer die Geiseln. Bei der Aktion im somalischen Mogadischu wurden drei der vier Geiselnehmer getötet. Das Telegramm des Papstes an die Deutsche Bischofskonferenz traf wenige Stunden vorher ein.

Kölner Kardinal Höffner und Weihbischof Melzer in Rom

Der damalige Vorsitzende, der Kölner Kardinal Joseph Höffner, hielt sich zu diesem Zeitpunkt in Rom auf und schickte seinen Sekretär, den späteren Weihbischof Manfred Melzer, in den Vatikan, um das Telegramm abzuholen. Beide Kirchenleute telefonierten anschließend mit dem Krisenstab in Bonn und gaben den Inhalt des Textes durch. "Der Papst hatte ein Empfinden dafür, dass man hier helfen muss", erinnerte sich Melzer.

"Landshut" zurück in Deutschland

Die "Landshut" kehrte vor knapp drei Wochen nach Deutschland zurück.

Die Maschine, die zuletzt im brasilianischen Fortaleza stand, soll auf Betreiben der Bundesregierung restauriert und im Dornier-Museum in Friedrichshafen ausgestellt werden. Die Künstlerin Gabriele von Lutzau, die 1977 als Stewardess auf der "Landshut" arbeitete und in den Medien als "Engel von Mogadischu" gefeiert wurde, zeigte sich in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) erfreut über die Rückkehr des Flugzeugs.

Ähnlich äußerte sich der damalige Co-Pilot Jürgen Vietor. Zugleich übte er in der "Heilbronner Stimme" (Mittwoch) scharfe Kritik am Umgang mit der RAF-Geschichte. "Es gibt meterweise Literatur über Täter, aber kaum etwas über Opfer", beklagte Vietor. "Unter Opfern verstehe ich die Witwen und die Halbwaisen, die insgesamt 33 durch die RAF Ermordeten wie Polizisten, Leibwächter und Bankiers."

Telegrammtext im Wortlaut

Die Katholische Nachrichten-Agentur dokumentiert den kompletten Wortlaut des Telegramms an den damaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Joseph Höffner - sowie die Antwort des Kölner Erzbischofs vom 18. Oktober 1977.

Telegramm von Papst Paul VI. vom 17. Oktober 1977:

Mit Bestürzung und großem Schmerz verfolgen wir die durch die tragische Flugzeugentführung der deutschen Lufthansa-Maschine so vielen unschuldigen Menschen verursachten schrecklichen Leiden und Ängste. Die Nachricht von der Ermordung des Piloten erfüllte uns mit tiefer Trauer. Wir bitten Eure Eminenz, den trauernden Angehörigen unsere aufrichtige Anteilnahme zu übermitteln und sie unseres Gebetes zu versichern. Wäre es von Nutzen, so würden wir sogar unsere Person für die Befreiung der Geiseln anbieten. Wir appellieren an das Gewissen der Entführer, von ihrem grausamen Unternehmen abzulassen, das so viele Menschen, sogar unschuldige Kinder, in Schmerz und Unglück zu stürzen droht. Zugleich rufen wir alle Verantwortlichen auf, alles Menschenmögliche zu tun, um noch weiteres unschuldiges Blutvergießen zu vermeiden.

Papst Paul

Antwort von Kardinal Joseph Höffner vom 18. Oktober 1977

Seiner Heiligkeit Papst Paul VI

Hl. Vater, tief gerührt danke ich eurer Heiligkeit im Namen der Deutschen Bischofskonferenz für das väterliche Mitgefühl mit den unschuldigen Opfern barbarischer Unmenschlichkeit.

Den Passagieren der Lufthansa-Maschine, besonders den unschuldigen Kindern, die tagelang Schrecken und Todesangst ausstehen mußten, ist Ihr Gebet ein Trost gewesen.

Ihre Bereitschaft, Ihr Leben für die Befreiung der Geiseln zu opfern, ergreift und erschüttert mich. Wir alle atmeten auf, als die Nachricht von der Befreiung der Geiseln eintraf. Gebe Gott, daß auch Hanns Martin Schleyer bald befreit wird [Anm.: der von der RAF entführte Arbeitgeberpräsident wurde am selben Tag ermordet].

Den Hinterbliebenen des ermordeten Piloten habe ich Ihre Anteilnahme übermittelt.

Zusammen mit Eurer Heiligkeit appellieren wir Bischöfe an das Gewissen der Terroristen und ihrer Helfershelfer, zur Menschlichkeit zurückzukehren.

Joseph Kardinal Höffner

Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

(KNA)

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