Bischöfin Ilse Junkermann: Zum menschlichen Maß finden
"Gutmensch" war Unwort des Jahres 2015.
Dominik Paszkiet von der Kampagne "zusammen gut"
Dominik Paszkiet von der Kampagne "zusammen gut"

30.07.2017

Gutmenschen am Tag der Freundschaft "Freundschaft ist etwas ganz Universales"

Ist "Gutmensch" ein Schimpfwort oder ein Kompliment? Dominik Paszkiet hat davon genaue Vorstellungen. Er gehört zu den Menschen, die im Rahmen der Aktion des Erzbistums Köln und des Diözesan-Caritasverbandes "zusammen gut" vorgestellt werden.

domradio.de: Ins Leben gerufen hat die Kampagne das Erzbistum Köln in Kooperation mit dem Diözesan-Caritasverbandes. Sie sind Teil der "zusammen gut"-Kampagne. Das heißt, man findet Sie auf Plakaten in der Stadt oder wie muss man sich das vorstellen?

Dominik Paszkiet (Ehrenamtskampagne "zusammen gut" vom Erzbistum Köln und dem Diözesan-Caritasverband): Man findet mich auch bei uns in der Gemeinde, in der Musikgruppe. Ich glaube, dass man dieses Attribut "Gutmenschen" nicht als Auszeichnung sehen sollte. Ich finde es einfach schön, dass es von der Caritas und dem Erzbistum Köln eine Plattform gibt, auf der verschiedene Jugendliche und auch ältere Menschen ihr Engagement vorstellen können. So zeigen sie nämlich, wie vielfältig das Engagement im Bistum sein kann.

domradio.de: Was ist Ihr Engagement?

Paszkiet: Das findet bei mir in der Gemeinde statt. Ich bin in der Liebfrauengemeinde in Hennef aktiv. Dort spiele ich mit einigen Freunden in einer Band, mache Musik, begleite Jugendgottesdienste und leite Firmstunden.

domradio.de: "Homebodies on Stage" heißt diese Gruppe. Sie machen das unentgeltlich, ehrenamtlich. Sind Sie ein Gutmensch?

Paszkiet: Es ist immer schwer, sich selbst zu bezeichnen. Ich finde, man kann sich eher durch die Rückmeldung von anderen als Gutmensch definieren. Ich lasse die Entscheidung also den anderen Menschen und freue mich über Feedback.

domradio.de: Es hat immer wieder Anfeindungen gegen die Kampagne gegeben. Hatten Sie Sorge, sich als Gutmensch-Beispiel zur Verfügung zu stellen?

Paszkiet: Für mich selbst hatte der Begriff "Gutmensch" keine negative Bedeutung. Mir ist das erst aufgefallen, als das Video über die Arbeit in der Gemeinde gepostet wurde und ich meinen ersten Hasskommentar bekommen habe. Eine Frau hat sich darüber aufgeregt, dass wir versuchen würden, den Begriff "Gutmensch" wieder positiv zu besetzten. Ich glaube, das zeigt, dass man mit der Kampagne eine gute Arbeit leistet und ich finde es schön, das Attribut des Naiven vom Gutmenschen wieder loszukriegen.

domradio.de: Was glauben Sie, warum sich andere Menschen darüber ärgern?

Paszkiet: Ich glaube, dass es durch die ganzen Entwicklungen, die es in den vergangen Jahren gab, zum Beispiel durch die Flüchtlingsbewegung, dieser Begriff mit einer gewissen Naivität zusammengezogen wurde und so zur Beschimpfung verkommen ist. Ich finde es aber sehr schade, Menschen, die sich für andere einsetzten, als "Gutmenschen" zu beschimpfen, obwohl die sich doch für andere Menschen einsetzten. Engagement kann ja auch ein Hobby sein. Mich haben viele Menschen gefragt, ob das Musikmachen in der Kirche nicht eher ein Hobby ist ubnd kein Engagement. Ich würde sagen, dass es beides ist.

domradio.de: Welche Erfahrung haben sie denn in Sachen Freundschaft mit den kambodschanischen Schülern gemacht?

Paszkiet: Ich habe erfahren, dass Freundschaft etwas ganz Universales ist. Das Besondere in Kambodscha war, dass ich die Schüler an dieser Schule aus ganz verschiedenen Perspektiven kennengelernt habe: einmal als Freund, einmal als Lehrer, als Lagerfeuermusikant, als Clown oder großer Bruder. Dadurch habe ich die Schüler noch intensiver kennengelernt und noch intensivere Freundschaft geschlossen.

domradio.de: Erwarten die Menschen in Kambodscha von Freunden etwas anderes, als die Menschen in Deutschland?

Paszkiet: Ich würde nicht sagen, dass sie etwas anderes erwarten. Aber in Kambodscha verbringt man gerne viel Zeit miteinander und redet auch sehr viel miteinander, man tanzt viel, macht gerne Musik und so weiter. Man ist also immer irgendwie offen für eine gemeinsame Aktion.

domradio.de: Auch in Kambodscha haben Sie die Wellen erreicht, die die Aufnahme der Flüchtlinge in Deutschland ausgelöst hat. Von außen wurde der Einsatz der "Gutmenschen" positiv bewertet. Stimmt das?

Paszkiet: Das stimmt. Ich war zur Zeit der Flüchtlingsbewegung in Kambodscha und dann kam eine australische Volontärin, die mit mir im Projekt war, zu mir und hat mir auf ihrem Handy die Bilder von den vielen Menschen an den Bahnhöfen mit den Schildern gezeigt. Sie hat zu mir gesagt: "Dominik du kannst wirklich stolz auf Dein Land sein." Das fand ich schon beeindruckend, als Deutscher so ein Kompliment zu bekommen.

domradio.de: Wenn Sie einen Aufruf zum Thema "Gutmensch" starten sollten, wie würde der lauten?

Paszkiet: Ich würde sagen: Probiert es aus, wie man bei unserer Kampagne sieht, gibt es ja unglaublich viele Möglichkeiten sich einzusetzen. Und das tolle daran ist, das man mindestens genauso viel zurückbekommt, wie man in das Projekt investiert.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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