Beisetzung Kardinal Meisners
Beisetzung Kardinal Meisners
KNA-Chefredakteur Ludwig Ring-Eifel
KNA-Chefredakteur Ludwig Ring-Eifel
Der Kölner Erzbischof leitet den Gottesdienst zu Ehren des verstorbenen Kardinals Joachim Meisner
Der Kölner Erzbischof leitet den Gottesdienst zu Ehren des verstorbenen Kardinals Joachim Meisner

15.07.2017

KNA-Chefredakteur zu den Trauerfeierlichkeiten für Kardinal Meisner "Das hat einfach bewegt"

An diesem Samstag ist Kardinal Meisner, der frühere Erzbischof von Köln, im Kölner Dom beigesetzt worden. Ludwig Ring-Eifel, Chefredakteur der Katholischen Nachrichtenagentur, war im Dom dabei und berichtet von bewegenden Momenten der Trauerfeier.

domradio.de: Was wäre eine angemessene Überschrift für die Beisetzung von Kardinal Meisner für Sie?

Ludwig Ring-Eifel (Chefredakteur der Katholischen Nachrichtenagentur): Ich glaube, ich würde das etwas abgegriffene Wort "bewegend" nehmen, weil es in vielerlei Hinsicht zutreffend ist. Die Trauerfeier war bewegend, weil sie die ganze Persönlichkeit des Verstorbenen in den Blick gerückt hat. Sie war bewegend, weil Köln auf seine ganz besondere Weise teilgenommen hat, also mit Karnevalsvereinen und allem, was dazugehört. Und sie war bewegend, weil diese wunderbare Liturgie der Grablegung eines Bischofs aufgeführt wurde in diesem Rahmen, im Kölner Dom. Das hat einfach - man kann es nicht anders beschreiben - bewegt.

domradio.de: Es gab auch eine Prozession heute. Das sind die Kölner von Fronleichnam gewohnt. Wie haben Sie heute am ersten Feriensamstag auf die Prozession reagiert ?

Ring-Eifel: Ich bin die ganze Prozession mitgegangen, ein bisschen vor und auch zurück gelaufen. Es war ganz spannend. Es gab Menschen, die mit gefalteten Händen am Rand gestanden sind und mitgebetet haben. Es wurde ja der Rosenkranz gebetet, den Kardinal Meisner so geschätzt hat. Andere haben einfach Fotos gemacht, haben die Promis fotografiert, insbesondere die Bischöfe, Kardinäle und den Ministerpräsidenten. Und es gab Menschen, die verdutzt geguckt haben, die nicht so viel damit anfangen konnten. Ich habe eine sehr schöne Szene gesehen, wie der Weihrauch so in eine Dönerbude hineinwaberte. Da haben sich dann die Gerüche vermischt - es war wirklich Köln mulikulti.

domradio.de: Die Trauerzeremonie sollte denen seiner Vorgänger, Frings und Höffner, ähneln und zugleich Meisners Handschrift tragen. War das so?

Ring-Eifel: Ich war bei der Beerdigung von Kardinal Höffner nicht dabei. Ich kenne sie sozusagen nur aus der Literatur. Die Beerdigung heute war auf jeden Fall von Kardinal Meisner geprägt, sowohl von den Gebeten als auch von den Gesängen her. Es waren Elemente, die er besonders schätzte. Sie trug seine Handschrift.

domradio.de: Die Beisetzung eines Kölner Erzbischofs ist ja ein aufwändiges liturgisches Geschehen. Was hat Sie später im Dom beeindruckt?

Ring-Eifel: Das waren vor allem zwei Dinge: Das Eine war die Grablegung. Das ist allein Bischöfen vorbehalten, dass sie in der Kathedrale zu Grabe gelegt werden. Da tut sich ein Loch auf und der Sarg wird hinuntergelassen. Das zu erleben, war etwas Besonderes. Und das Zweite war dieses Grußwort vom emeritierten Papst Benedikt XVI, das sein Privatsekretär Georg Gänswein verlesen hat. Das war inhaltlich sehr aufregend. 

domradio.de: Inwiefern?

Ring-Eifel: Benedikt lebt ja seit Jahren zurückgezogen im Vatikan und hat sehr selten Gelegenheit sich öffentlich zu äußern. Und das hier war jetzt eine Möglichkeit, sich vor ziemlich großem Publikum, vor den vielen tausend Menschen im Kölner Dom, indirekt über das verlesene Grußwort zu äußern. Und Benedikt hat das natürlich wieder genutzt. Es war faszinierend, es war wirklich der alte Ratzinger, der alte Benedikt. Er hat eine liturgisch-theologische Auseinandersetzung geführt über den Sinn der eucharistischen Anbetung, dann hat er kirchenpolitisch eine Spitze reingepackt, indem er den Zustand der Kirche mit einem Boot verglichen hat, das beinahe zu kentern droht. Und er hat natürlich seine persönliche Verbundenheit mit dem Verstorbenen, Kardinal Meisner, zum Ausdruck gebracht.

domradio.de: Die beiden waren gut befreundet und die Worte von Benedikt waren da sehr gefühlvoll.

Ring-Eifel: Benedikt hat auch als einziger erwähnt, dass Kardinal Meisners letzte Reise noch kurz vor seinem Tod nach Litauen ging, wo er an einer Seligsprechung teilgenommen hat. Die besondere Verbindung, die Meisner mit Osteuropa hatte, wurde von vielen erwähnt, aber diese letzte Reise wurde nur von Benedikt in seinem Grußwort erwähnt.

domradio.de: Nun ist die Beisetzung im Kölner Dom beendet. Viele Kardinäle, Erzbischöfe, Priester, der Ministerpräsident von NRW und viele andere Gäste waren dabei. Und unsereins kennt nach der Beerdigung das gemeinsame Kaffeetrinken, das Beisammensein im Anschluss. Gibt es das jetzt auch?

Ring-Eifel: Das gibt es auch in diesem Fall. Man geht jetzt ins Maternushaus, sitzt dort noch bei Essen und Trinken beieinander und wird sicher diese bewegenden Stunden Revue passieren lassen.

Das Gespräch führte Susanne Becker-Huberti.

(dr)

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