Gerettete Flüchtlinge in Wärmedecken
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Pfarrer Regamy Thillainathan in Schutzkleidung
Pfarrer Regamy Thillainathan in Schutzkleidung
Pfarrer Regamy Thillainathan auf dem Schiff der MOAS
Pfarrer Regamy Thillainathan auf dem Schiff der MOAS

24.04.2017

Kölner Pfarrer resümiert Flüchtlingshilfseinsatz auf dem Mittelmeer "Das hat mich eiskalt erwischt"

Der Kölner Pfarrer Regamy Thillainathan wollte über Ostern Flüchtlingshelfer auf einem Schiff unterstützen und Gottesdienste feiern. Dann kam aber alles anders. Wie er die Zeit auf dem Flüchtlingsschiff erlebt hat, erklärt er im Interview.

domradio.de: Wir haben uns vor Ihrer Reise schon getroffen und gesprochen. Jetzt sind Sie wieder da. Haben Sie das, was sie erlebt haben, so erwartet?

Pfarrer Regamy Thillainathan (Erzbistum Köln): Nein, ich hatte es so nicht erwartet. Geplant war ein ganz normaler Einsatz. Ich sollte für einige Tage dort vor Ort mithelfen und zu Ostern Gottesdienste feiern. Dass wir dann aber dort vor Ort die schlimmste Situation seit drei Jahren erlebt haben und so viele Tote zu beklagen hatten, das habe ich so nicht erwartet. Das hat mich eiskalt erwischt. Im Nachhinein denke ich, dass es auch ganz gut war, dass ich gar nicht wusste, was mich dort erwartet.

domradio.de: Hatten Sie auch eine besondere Stellung an Bord? Gerade, wenn so viele Tote beklagt werden, wenn dann noch ein Pfarrer mit an Bord ist? Hat das etwas geändert?

Pfarrer Regamy: Ich habe gemerkt, dass die Menschen und die Mitarbeiter mir einen enormen Vertrauensvorschuss entgegengebracht haben. Ich habe als Priester auch ganz normal vor Ort mitgeholfen und mich nicht nur auf die geistigen Werke konzentriert. Aber zusätzlich hatte ich bis zum Schluss auch viele gute Gespräche mit dem ein- oder anderen, wo ich auch ein wenig seelsorgerisch einwirken konnte.

domradio.de: Ich erinnere mich noch an unser Gespräch, bevor Sie aufgebrochen sind. Da war vieles noch nicht so ganz klar. Dann haben wir verfolgt, was Sie gemacht haben. Sie haben uns per Tagebuch auf dem aktuellen Stand gehalten. Und Sie waren permanent im Einsatz, oder? Gab es noch Schlaf?

Pfarrer Regamy: Wir waren tatsächlich an Ostern 72 Stunden im Einsatz. Schlaf würde ich das, was wir da hatten, nicht nennen. Aber es gab Momente in den Pausen, wo wir auf der Couch eingedöst sind, weil einfach die Müdigkeit so stark war. Aber ich habe mich zum Beispiel auch nie getraut mich hinzulegen, um erst gar nicht in Versuchung zu kommen, dann nicht mehr aufstehen zu können. Das ging den anderen Helfern auch so. Gerade auf der Rettungsstation, wo ich eben mithelfen durfte, waren wir eigentlich permanent im Einsatz - vor allem die Kolleginnen und Kollegen im medizinischen Bereich. Da ziehe ich wirklich den Hut.

domradio.de:  Gibt es irgendeine Situation, wo Sie sagen, die habe ich immer noch vor Augen, das war unglaublich?

Pfarrer Regamy: Ich würde sagen, dass mir immer noch einige Bilder der Toten nachgehen – vor allem kann ich mich noch recht gut an das Bild eines kleinen Jungen erinnern, der verstorben ist. Ich glaube, dass einige Zeit vergehen wird, bis dieses Bild verblasst.

domradio.de:  Wie haben Sie denn die Helfer vor Ort erlebt?

Pfarrer Regamy:  Ich habe in diesen Tagen viele Heldinnen und Helden erlebt - auch wenn das etwas pathetisch klingt. Auch das sind Menschen mit ihren eigenen Lebensgeschichten – sie haben zu Hause Familien, aber fühlen sich berufen, getrennt von ihnen Menschen zu helfen. Eine Person möchte ich noch besonders erwähnen: Das war einer der Rettungsschwimmer, der wirklich die ganze Zeit im Wasser war. Seine Haut war aufgedunsen vor lauter Wasser. Aber es war für ihn selbstverständlich, in so einer Notlage eben zu helfen.

domradio.de:  Mit welchen Gefühlen sind Sie von Bord gegangen?

Pfarrer Regamy: Ich habe die Not gesehen und das Team hat auch gesagt, dass sie die Hilfe brauchen können. Mein erstes Gefühl war: Eigentlich müsste ich hier bleiben. Dieser Einsatz hat mich noch mal klar daran erinnert, warum ich eigentlich Priester geworden bin. Ich werde noch einige Tage brauchen, um meine Gedanken und Gefühle zu sortieren.

domradio.de:  Hier in Köln haben Menschen auch ihre Probleme, aber im Vergleich zum Ertrinken wirken die Probleme noch recht klein. Wie war das, in diese "heile Welt" zurückzukommen?

Pfarrer Regamy: Ich fand es im Flugzeug von München nach Köln unglaublich laut. Ich habe jetzt wieder normale Termine, wo ich mich manchmal dabei erwische, die Gedanken zu haben, wie unwichtig und bedeutungslos diese Termine doch sind. Aber sie gehören auch zum Leben dazu. Ich muss jetzt nur für mich erst Mal alles sortieren und vielleicht mal mutig sein und sagen: Ich lass einfach auch mal Dinge weg, weil sie nicht so wichtig sind.

Das Interview führte Silvia Ochlast.

(DR)

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