Journalistischer Blick: Die Kirchenzeitung des Erzbistums wird 70 Jahre alt
Journalistischer Blick: Die Kirchenzeitung des Erzbistums wird 70 Jahre alt

29.09.2016

70 Jahre Kirchenzeitung des Erzbistums Köln "Guter Journalismus mit klarer Ausrichtung"

Seit 70 Jahren gibt es im Erzbistum Köln die Kirchenzeitung. Chefredakteur Robert Boecker blickt im domradio.de-Interview auf persönliche Highlights, Diskussionen und die sich verändernde Rolle der Kirche.

domradio.de: Gehen wir zurück zum Ursprung - 1946, die erste Ausgabe. Es war Zeit für einen Neuanfang. Das kann man so sagen, oder?

Robert Boecker (Chefredakteur der Kirchenzeitung): Die Kirchenzeitung hat es natürlich auch schon vor 1946 gegeben. In der Nazizeit musste sich der damalige Kardinal Schulte entscheiden, eine Kirchenzeitung herauszugeben. Damals 1936 hat er die Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln ins Leben gerufen und darin verschiedene selbständige Zeitungen zusammengefasst.

Bis 1941 ist diese Zeitung dann auch erschienen. Dann haben die Machthaber die Zeitung eingestellt, mit der Begründung, es gebe kein Papier mehr. Und dann hat es eben fünf Jahre gedauert, bis die britischen Besatzer dem Bachem-Verlag die Lizenz erteilt haben, die Zeitung neu zu verlegen, immer in der Herausgeberschaft des Erzbischofs von Köln.

domradio.de: Sie werden sich bestimmt in den letzten Tagen durch viele Ausgaben geblättert haben. Ich vermute, anfangs ist auch viel mit dem erhobenen Zeigefinger oder missionarisch geschrieben worden...

Boecker: Ja, klar. Man muss sich vorstellen: Als die Kirchenzeitung gegründet wurde, hatte die Kirche in unserer Gesellschaft eine viel stärkere Bedeutung als heute. Wir hatten Kirchen-Besucherzahlen von 50 Prozent. Und da gab es schon auch Bemühungen, die Kirchenzeitungen weniger unter dem Gesichtspunkt der journalistischen Information zu positionieren. Vielmehr hatte sie erstmal einen starken katechetisch-missionarischen Auftrag.

Das hat sich im Laufe der Zeit erweitert. Einen gewissen katechetischen Auftrag haben wir immer noch - zur Vermittlung von Glaubenswissen. Aber wir stehen schon ganz klar in einer journalistischen Tradition, mit einer journalistischen Aufgabenstellung. Das ist unsere Herausforderung. 

domradio.de: Gab es in den vergangenen 70 Jahren mal so etwas wie ein gewagtes Titelbild oder irgendetwas anderes, was irgendwie Proteste hervorgerufen hat.

Boecker: Bei den Titelbildern hat es eigentlich relativ wenig Protest gegeben. Ich erinnere mich an eine Geschichte, die mal für ziemlichen Wirbel gesorgt hat: Wir haben einmal durch ein Versehen eine Heiratsanzeige veröffentlicht, in der eine ausgetretene Nonne einen Ehemann suchte. Das hat schon für ziemlichen Wirbel gesorgt. Damals musste sich der Geschäftsführer beim Erzbischof entschuldigen - das war noch Kardinal Meisner. Also, das ist nicht toleriert worden.

Aber auf der anderen Seite muss ich ganz klar sagen: In den Jahren, in denen ich bei der Kirchenzeitung bin, konnten wir immer sehr frei arbeiten. Die Vorstellung, dass die Zeitung dem Erzbischof zur Zensur vorgelegt worden ist, ist falsch. Da muss ich ganz klar widersprechen. Das hat es noch nie gegeben. Wir haben zwar im Nachhinein oft Ärger bekommen für Dinge, die wir geschrieben haben. Das ist ok, damit können wir leben. Aber, dass wir im Vorfeld irgendetwas haben absegnen lassen müssen, das hat es nicht gegeben.

domradio.de: Seit 1988 sind Sie dabei, haben Ihr Volontariat bei der Kirchenzeitung gemacht. Was waren Ihre Highlights?

Boecker: Eins der Highlights war für mich das Domjubiläum 1998. Das ist eine Sache, die ich nie vergessen werde. Das ganze Jahr hat mich unheimlich geprägt. Wenn ich an den Festgottesdienst denke, bei dem auch Michail Gorbatschow war, zu dem viele Persönlichkeiten aus der Welt nach Köln gekommen sind, viele Bischöfe - wo die Welt hier in Köln zu Gast war. Das fand ich faszinierend! 

Und natürlich denke ich an den Besuch Papst Benedikts XVI. beim Weltjugendtag 2005. Auch diese Zeit war für mich so faszinierend, dass ich eigentlich heute immer noch davon zehre. Wenn ich mir die Fotos anschaue, die ich damals habe machen können, kommt diese Begeisterung wieder zurück. Denn das war ein Leben hier in Köln und eine Offenheit, wie diese Stadt sie eigentlich bisher ganz selten erlebt hat.

domradio.de: Wenn wir über 70 Jahre Kirchenzeitung sprechen, müsen wir auch über die sinkende Zahl der Abonenten reden. Kardinal Frings hatte damals zu Beginn geschrieben, in jeden katholischen Haushalt gehöre eine Kirchenzeitung. Die Zeiten sind vorbei, oder?

Boecker: Ja. Ich würde mir natürlich wünschen, die Auflage würde weiter steigen und in jedem katholischen Haushalt wäre die Zeitung. Aber diesen Anspruch kann man nicht mehr haben. Im Zuge der Recherchen zum Jubiläum habe ich mir nochmal die alten Ausgaben durchgelesen und fand einen Satz in der ersten Ausgabe sehr bezeichnend. Damals hat der Bachem-Verlag nicht genug Papier zugeteilt bekommen, um den tatsächlichen Bedarf an Zeitungen zu erfüllen. Daraufhin stand in der Zeitung der Hinweis: Bitte geben Sie die Zeitung an andere weiter.

Von diesem Zustand sind wir leider weit entfernt. Ich muss immer wieder feststellen: Wenn Menschen gestorben sind, bestellen die Angehörigen die Zeitung ab und nutzen sie nicht weiter. Das tut weh, weil wir uns bemühen, ein journalistisch gutes Produkt zu machen, natürlich mit einer ganz klaren Ausrichtung: Wir sind eine Zeitung der Kirche und die bleiben wir auch. Aber trotzdem verstehen wir uns als Journalisten, die ihrer Informationspflicht versuchen, gut nachzukommen. 

Das Interview führte Tobias Fricke. 

(DR)

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