Vollversammlung des Diözesanrates
Vollversammlung des Diözesanrates

11.06.2016

Vollversammlung des Diözesanrates Aufbrüche statt Geschäftsordnung

Der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Köln trifft sich zur Vollversammlung - und beginnt mit einer sehr persönlichen Bibelarbeit. Für Kardinal Woelki ein guter Start: Für ihn geht es um Aufbrüche statt Geschäftsordnungen.

Ungewöhnlicher Auftakt der Vollversammlung des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Köln: Die Sitzung beginnt, und das hat es noch nie gegeben, mit einer Bibelarbeit. Das Tagesevangelium wird gelesen – und dann fordert Vera Krause die Sitzungsteilnehmer auf, ans Mikro zu treten. 

Die neue Leiterin der Diözesanstelle für den pastoralen Zukunftsweg möchte, dass einzelne Deligierte von einem aktuellen Glaubenserlebnis erzählen und die "kleinen Kostbarkeiten des Glaubens" mit allen teilen. Da der Bekenntnismotor am Morgen noch etwas stottert, springt Generalvikar Dominik Meiering ein und zeigt, wie es geht. "Öffne unsere Herzen, für dein Wort, dass du zu uns sprechen wirst", sagt er.

Geteilte Meiungen

In den Kleingruppen sprechen die Teilnehmer über das Tagesevangelium. Die Idee, die Sitzung mit einer Bibelarbeit zu beginnen, wird dankbar aufgegriffen, ein gelungener Ausflug aus dem Sitzungsprozedere, der allen als christliche Selbstvergewisserung willkommen ist.

Hier und da äußern Delegierte Kritik an der Aufforderung, im große Sitzungssaal ans Mikro zu treten. Der Saal als persönliche Bekenntnisbühne für ein intimes Glaubenszeugnis sei nicht angemessen und der Glaube wirke hier doch allzu ausgestellt. Andere Teilnehmer sagen: "Wir machen das bei unseren Treffen immer so, und ich habe mich gewundert, warum wir hier – in der Vollversammlung des Diözesanrates – nicht mit einer Bibelarbeit beginnen."

Innere Aufbrüche

Dann spricht Kardinal Woelki. "Ich bin froh, dass wir unsere Sitzung so beginnen konnten", sagt er und wünscht sich, dass es zukünftig weniger um Geschäftsordnungen und Strukturfragen gehe, sondern um die inneren Aufbrüche, die unsere Kirche dringend nötig habe. "Geht und verkündet, das ist unser Auftrag", sagt er weiter, "und es gibt keinen Lebensbereich, der davon ausgenommen ist, denn das Himmelreich ist nahe, hier mitten unter uns, es existiert. Und deshalb möchte ich immer wieder einladen, dass wir uns vom Herrn geführt wissen, egal wo wir und wie wir uns treffen".

Kardinal Woelki blickt dann auf die neu eingerichteten Gremien im Erzbistum. "Geteilte Verantwortung und breite Partizipation sind die Bausteine der Zukunft", sagt er und hebt als "Herzstück der neuen Struktur" den Diözesanpastoralrat hervor. Hier beraten Vertreter aller katholischen Gruppen im Erzbistum Köln den Erzbischof.

Darüber hinaus denken

Aber der Kardinal verschweigt nicht, dass sich alles neue erst fügen muß und ihm auch erste Schwierigkeiten aufgefallen seien, wenn es zum Beispiel darum gehe, gewohnte Zugehörigkeiten zu bestimmten Gruppen aufzubrechen und in ein neues Miteinander zu finden. „Jeder der da sitzt, soll doch nicht Lobbyarbeit für seinen Verband machen, sondern darüber hinaus denken“, sagt er.

Überaus wichtig ist es dem Kardinal, sich beim Diözesanrat zu bedanken, besonders auch für die leidenschaftliche Mitarbeit bei der Flüchtlingshilfe. Ihm habe ein führender Politiker kürzlich bestätigt, dass die Herausforderung der Flüchtlingskrise ohne die beiden Kirchen nicht zu bewältigen sei. Kardinal Woelki freut sich sehr darüber, dass die Hilfsbereitschaft und der Einsatz für die Flüchtlinge in den Gemeinden nicht nachgelassen hat. "Unsere Gemeinden stehen wie eine Eins", sagt der Erzbischof.

" Wir sind seine Glieder"

Am Ende betont Kardinal Woelki, dass der Glaube im Erzbistum Köln ohne den Diözesanrat nicht lebendig wäre. "Wir müssen immer wieder und mehr lernen aus einer Christusfreundschaft zu leben", sagt er, "Wir müssen uns immer wieder bewusst machen, dass er, der Herr, seine Kirche baut – und wir seine Glieder sind."

Beraten und fördern

Wichtige Entscheidungen stehen an diesem Tag noch an. So soll die Vollversammlung nach eigener Aussage "schlagkräftiger und flexibler" werden; der Vorstand soll geschlechterparitätisch besetzt sein.

Der Diözesanrat setzt sich aus Vertretern katholischer Verbände, Organisationen und Klerikern zusammen. Auf Initiative von mehreren Katholikenausschüssen in den größeren Städten des Erzbistums Köln bildete sich 1946 das Diözesankomitee, aus dem dann 1968 der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Köln hervorging.

Der Diözesanrat berät nach eigenen Angaben den Erzbischof, fördert die Arbeit der Dekanatsräte, berät katholische Verbände und Organisationen und vertritt die Anliegen der Katholiken in der Öffentlichkeit.

 

Johannes Schröer
(DR)

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