Die Flüchtlingskinder Simona (l.) und Denita in der Sternsinger-Grundschule in Köln
Die Flüchtlingskinder Simona (l.) und Denita in der Sternsinger-Grundschule in Köln

28.12.2015

In Köln sind auch Flüchtlingskinder Sternsinger Überbringer der weihnachtlichen Botschaft

In den nächsten Tagen machen sich im Erzbistum tausende Sternsinger auf den Weg, um für Kinder in Lateinamerika zu sammeln. In der Bibel kamen die drei Weisen aus dem Morgenland. In Köln-Longerich kommen sie auch aus dem Flüchtlingsheim.

Eine Krone aus Papier, ein paar aufgeklebte Glassteinchen, ein bunter Umhang - und Flüchtlingsmädchen Anisa ist König. Eigentlich ja Königin. Aber in der Bibel waren es die Weisen aus dem Morgenland, die zur Krippe Jesu kamen. Und das waren eben Männer. Anisa kommt auch nicht aus dem Morgenland, sondern aus Serbien. Sie ist Muslimin. Im Januar ist sie beim Sternsingen dabei. Schließlich macht die ganze Schule mit - die heißt sogar Sternsingerschule.

Die Sternsingeraktion 2016 wird am Dienstag in Fulda bundesweit eröffnet. Im Januar werden dann 200 kleine Könige der Sternsingerschule in Köln-Longerich ausschwärmen, singen, Spenden sammeln und den Segensgruß "20+C+M+B+16" für "Christus segne dieses Haus" mit Kreide an die Häuser schreiben. An die Häuser? "Schimpfen die Leute denn nicht?" hatte ein Flüchtlingskind Lehrerin Leonie Selke erstaunt gefragt.

Nächstenliebe - unabhängig von der Religion

Viele Pfarrgemeinden sind in der Flüchtlingshilfe aktiv. Kinder haben sich mit Flüchtlingskindern angefreundet und irgendwann stand dann die Frage im Raum: Dürfen die Flüchtlingskinder mitmachen? Auch wenn sie vielleicht muslimisch sind? Der Präsident des Kindermissionswerkes Klaus Krämer sagt ja, aber: Es soll niemand vereinnahmt werden, die Eltern sollten zustimmen, wenn sie das aus ihrer religiösen Grundhaltung können. Die Sternsingeraktion sei mehr als nur Brauchtum und Hilfsaktion. "Wesentlicher Inhalt des Sternsingens ist es, dass der weihnachtliche Segen und damit die weihnachtliche Botschaft von der Menschwerdung Gottes und dem Heil für alle Menschen in die Häuser getragen wird."

"Das ist ein toller Anspruch, aber hoch", sagt Regina Merkl, eine Frau von der Basis. Als Kind ist sie selbst mitgegangen, dann mit ihren beiden Kindern, und jetzt als Schulleiterin mit der ganzen Sternsingerschule. "Dass alle Kinder diesen Anspruch haben, stelle ich in Zweifel", sagte sie und meint damit die Kinder aus den Pfarrgemeinden. "Es geht doch um das Gefühl der Nächstenliebe, unabhängig von der Religion." Sie weiß, wie sensibel das Thema Religion sein kann.

Sie erzählt von einem muslimischen Vater aus einer Flüchtlingsunterkunft, der sich die zugewiesene Schule für sein Kind anschaute - und dann richtig verärgert war, als er das Kreuz an der Wand sah. Das sah für ihn nach Missionierung aus. Aber die nächste nicht-konfessionelle Grundschule ist deutlich weiter weg von der Flüchtlingsunterkunft. Es begann ein Prozess der Auseinandersetzung. Beim St. Martins-Fest war alles bereinigt: "Da trug er beim Umzug die Laterne für die Flüchtlingsklasse."

Kamelle und Kamele

Kurz vor den Schulferien in der Sternsingerschule: "Was siehst Du auf dem Bild?", fragt Lehrerin Selke. "Drei Kamelle und drei Jungen, die gehen zu Jesus Christus. Der Stern hat ganz viel Licht gemacht", erzählt die zehnjährige Simona. Der kleine Fehler macht nichts: Was "Kamelle" sind, kann sie noch lernen, wenn die beim Karneval geworfen werden.

Endlich werden die Kronen gebastelt: goldfarbene Kartons, funkelnde Glassteinchen - viel schöner als Edelsteine. Die Kinder sind gefangen. Im Hintergrund läuft aus einem Lautsprecher das Sternsingerlied. Einige Kinder singen den Refrain mit. Andere summen. Wenn die muslimischen Familien im Sommer das Fastenbrechen feiern, dann bringen ihre Kinder Gebäck in die Schule mit, sagt Schulleiterin Merkl. Und am Tag der großen Feier dürfen sie zu Hause bleiben.

Elke Silberer
(dpa)

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