Fassade der Ermekeilkaserne in Bonn
Fassade der Ermekeilkaserne in Bonn

30.07.2015

In die Bonner Ermekeilkaserne ziehen Flüchtlinge ein "Die Dichtungen und der Putz trocknen noch"

Ab Samstag ziehen in die Bonner Ermekeilkaserne bis zu 300 Flüchtlinge ein. Betreut werden sie vom Deutschen Roten Kreuz. Die Unterkunft werde gerade rechtzeitig fertig, erzählt Klaus Kösler vom DRK-Migrationsdienst im Gespräch mit domradio.de.

domradio.de: Verköstigung und Betreuung der Flüchtlinge in der Ermekeilkaserne werden Aufgabe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sein. Wie bekommt man einen solchen Auftrag?

Klaus Kösler (Migrationsdienst des DRK-Kreisverbandes Bonn): Die Bezirksregierung Köln ist an uns herangetreten, weil wir in der Unterbringung von Flüchtlingen Erfahrung haben. Wir betreiben schon eine Flüchtlingsunterkunft in Bonn. Die Bonner haben eine enorme Hilfsbereitschaft und ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis zu den Flüchtlingen, sodass die Bezirksregierung abermals auf uns zugekommen ist. Enorm viele Flüchtlinge sind schon und werden auf uns in Deutschland noch zukommen. Da ist es natürlich naheliegend, dass man die Flüchtlinge in Städten und Regionen verteilt und Organisationen mit der Betreuung beauftragt, die damit Erfahrung haben.

domradio.de: Sie wirken entspannt, wenn Sie davon erzählen. Sie sprechen von Routine. Aber 300 Flüchtlinge versorgen zu müssen, ist doch eine Ausnahmesituation und nicht Kernaufgabe des Deutschen Roten Kreuzes, oder?

Kösler: Nein, es ist nicht die Kernaufgabe. Aber die eigentliche Herausforderung für uns ist, dass es so schnell geht. Gut einen Monat früher als geplant sollen die Flüchtlinge am Wochenende zu uns kommen. Die Bauarbeiter und die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Helfer des Deutschen Roten Kreuzes haben sich derartig ins Zeug gelegt, um menschenwürdige Unterkünfte zu schaffen. Es trocknen gerade noch die Dichtungen der Wasserleitungen und der Putz. Es wird gerade rechtzeitig fertig - in einer enormen Kraftanstrengung. Das ist das Besondere daran.   

domradio.de: Wie sieht es jetzt in der Kaserne aus?

Kösler: Es sieht wohnlich aus. Natürlich nicht wie bei uns im Wohnzimmer. Es gibt familiengerechte Zimmer, es gibt aber auch Räume mit mehr Betten. Es ist eine Aufnahmeeinrichtung, in der die Leute nicht sehr lange bleiben. Nach einigen Wochen sollen sie umverteilt werden. Es ist zwar keine Erstaufnahmeeinrichtung, aber ein Übergangsheim. 

domradio.de: Welche Erfahrungen haben Sie schon in der Versorgung von Flüchtlingen gesammelt, die Ihnen jetzt helfen können? 

Kösler: Der DRK-Kreisverband in Bonn ist in dieser Hinsicht sehr erfahren. Wir bieten schon immer Sprachkurse für Migranten an, helfen Illegalen und allen, die zu uns kommen. Wir sind in der Stadt sehr gut vernetzt. Wir haben beste Kontakte zu Kirchen und Vereinen. Das Rote Kreuz rekrutiert sich ja aus Ehrenamtlichen und das sind ganz tolle Leute, die ihre Arbeitskraft den Flüchtlingen zugute kommen lassen und darin sehr erfahren sind.

domradio.de: Woraus wird ab Samstag, wenn die Flüchtlinge kommen, vor allem Ihre Arbeit bestehen? 

Kösler: Die Arbeit am Samstag besteht darin, die Flüchtlinge zu empfangen und in die einzelnen Räume zu bringen. Am Wochenende werden rund 100 Flüchtlinge erwartet, das ist eine ganze Menge. Für die muss Essen gekocht werden, sie müssen mit Kleidern ausgestattet werden. Es sind Kinder dabei - die bekommen Spielzeug. Ärzte werden da sein, um die Flüchtlinge betreuen zu können, wenn es notwendig ist. Außerdem wird Betreuungspersonal da sein, um die Leute liebevoll zu empfangen, damit sie sich zuhause fühlen. 

domradio.de: Heute Abend gibt es in der Nachbarschaft der Ermekeilkaserne eine Bürgerversammlung. Sie sprechen von vielen Unterstützern, die Sie haben. Ich nehme aber an, es gibt auch andere Stimmen - sonst wäre ja keine Bürgerversammlung notwendig?

Kösler: Es gibt andere Stimmen, aber das Rheinland kennt seit tausenden von Jahren Fremde. Der Rhein ist die historische Autobahn, wo Fremde immer gestrandet sind. Die Bonner sind sehr liberal. Es ist eine Veranstaltung, um die Nachbarschaft einzubinden und sie zu informieren. Natürlich auch, um Vorbehalte und Ängste zu nehmen. Das steht aber nicht im Vordergrund. Es ist einfach nur, um unsere Arbeit den Nachbarn zu erklären. Grundsätzlich sind die Nachbarn sehr hilfsbereit und haben uns auch schon viele Sachen für die Flüchtlinge gebracht.

 

Das Gespräch führte Daniel Hauser.

(DR)

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