Kölner Dom
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Dreikönigenschrein
Dreikönigenschrein
Fünf Jahre Richter-Fenster
Richter-Fenster
Kölner Dom
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29.05.2015

Kölner Domführer: Im Dom ist alles im Kontext Der Brückenbauer

Seit seiner Kindheit übt der Kölner Dom eine Faszination auf Carsten Schmalstieg auf. Seit 20 Jahren arbeitet der Kunsthistoriker nun als Domführer und versucht das Kölner Wahrzeichen mit seiner tiefen Mystik zu erklären.

domradio.de: Brauchen Sie nicht Nerven wie Drahtseile, wenn Sie inmitten dieses Trubels den roten Faden Ihrer Führung nicht verlieren wollen?

Carsten Schmalstieg (Kunsthistoriker und Domführer): Ja, die braucht man ganz gewiss. In den letzten zwanzig Jahren ist das aber immer besser geworden, die Nerven sind stabiler geworden.

domradio.de: Wie können Sie trotz Dauer-Betriebs im Dom den Leuten etwas von dessen Spiritualität vermitteln?

Schmalstieg: Ja, das ist in der Tat nicht einfach. An manchen Tagen, gerade im Sommer sind im Dom gleichzeitig tausende von Menschen. Es ist sehr laut, dann wird vielleicht noch irgendwo gebaut oder die Orgel spielt an Stellen, wo sie nicht spielen sollte. Man muss dann erst einmal selber zur Ruhe kommen und versuchen das so ein bisschen auch an die Gruppe zu vermitteln. Dann kann man versuchen im Dom eine ruhige Ecke zu finden, der Dom hat ja 6000 Quadratmeter Grundfläche. Man kann sich relativ frei bewegen, das gelingt aber auch nicht immer. Wenn sich jemand am Ende der Führung darüber beklagt, dass es im Dom so laut sei, dann verweise ich immer auch gerne auf die Möglichkeit, den Gottesdienst zu besuchen oder das Mittagsgebet, weil man dort wirklich die Möglichkeit hat, einmal den Dom quasi "bei der Arbeit", bei der Liturgie zu erleben. Dann hat man eine ganz wunderbare Stimmung, eine ganz wunderbare Atmosphäre - jenseits der Massenströme.

domradio.de: Ein Dom-Besucher hat uns im Interview gesagt, dass der Dom angefüllt sei mit Kunstwerken. Da haben Sie gesagt, ganz so einfach ist das nicht.

Schmalstieg: Es sind natürlich herausragende Kunstwerke, also nicht nur der Dreikönigenschrein, aber diese Kunstwerke sind in Benutzung, es sind Gebrauchsgegenstände, dadurch leben sie. Das merkt man besonders, wenn man mit Kindern im Dom unterwegs ist. Sie merken sofort, es ist hier kein Museum, sondern man kann immer sagen "es ist" oder "wir machen". Man muss nicht die Vergangenheitsform benutzen. Im Museum stehen die Dinge herum, man hat früher etwas mit ihnen getan, sie sind aus dem Zusammenhang gerissen... Im Dom ist alles im Kontext.

domradio.de: Was ist Ihre Erfahrung: Was interessiert die Besucher am meisten?

Schmalstieg: Das ist ganz unterschiedlich. Das geht von "Wo ist die Toilette" bis "Wo sind die Heiligen Drei Könige". In den letzten Jahren kommt häufig die Frage nach dem neuen Fenster. Dann zeige ich natürlich das Fenster von Gerhard Richter auch.

domradio.de: Wie sieht es bei nicht-christlichen Besuchern aus. Ist es besonders schwer, denen den Dom näher zu bringen?

Schmalstieg: Es ist anders, sie stellen andere Fragen. Es ist immer eine Herausforderung, ich muss natürlich dann auch selber vorbereitet sein. Ich sollte etwas wissen über andere Religionen, über den Islam, das Judentum, Buddhismus. Wir hatten auch schon buddhistische Mönche im Dom und dann ist das immer sehr gut, wenn man ein bisschen vergleichend arbeiten kann.

domradio.de: Was erstaunt sie besonders? Worüber stolpert vielleicht zum Beispiel eine muslimische Gruppe?

Schmalstieg: Ja, die meisten stolpern natürlich über die Größe oder über die verschiedenen religiösen Vollzüge, die sich abspielen im Dom. Da muss man dann oft ein bisschen ausholen, aber das kann man alles erklären. Dann gibt es aber wieder Dinge, die sind in vielen Religionsgemeinschaften ja gemeinsames Gut. Manche abstrakte Fenster sagen auch einem gläubigen Muslim oder einem Juden etwas, weil dort in Moscheen oder Synagogen auch keine bildlichen Darstellungen zugelassen sind. Man kann immer Brücken bauen.

domradio.de: Was ist mit Schulklassen oder Jugendgruppen? Die haben oft gar keinen Bock, wollen lieber shoppen gehen auf der Schildergasse, schaffen Sie es trotzdem, sie zu begeistern?

Schmalstieg: Ja, das will ich auch. Man muss aber von vorneherein davon ausgehen und darf nicht enttäuscht sein, wenn man nicht 100 Prozent der Jugendlichen erreicht. Das ist glaube ich in dem Alter gar nicht möglich. Selbst wenn nur ein oder zwei sich im Extremfall interessieren sollten, war das für mich schon eine gute Führung. Vielen sieht man das Interesse auch nicht an, viele können das geschickt verbergen, die werden dann aber wahrscheinlich in fünf oder zehn Jahren noch einmal wieder kommen und sich erinnern. Da gehe ich fest von aus.

domradio.de: Haben Sie denn Tricks, wie man die jungen Leute "kriegt"?

Schmalstieg: Ja, also zunächst einmal ist es wichtig, die Sprache von heute zu benutzen, dass man nicht die Führung in Fachbegriffen ertränkt, sondern das Kind beim Namen nennt oder auch ein bisschen die mittelalterliche Gesellschaft zum Leben erweckt. Das kommt ganz gut an bei den Gruppen.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(dr)

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