Familiäre Fürsorge im Pflegeheim
Familiäre Fürsorge im Pflegeheim

05.03.2015

Altenheimseelsorge-Referent zur Situation alter Menschen in Pflegeheimen "Eine Bereicherung für alle"

Die Vernachlässigung der Eltern ist laut Papst Franziskus eine Todsünde. Über die Situation alter Menschen in Pflegeheimen spricht Peter Bromkamp, Referent für Altenheimseelsorge im Erzbistum Köln.

domradio.de: Franziskus hat gestern von seinen Besuchen in Altenheimen in Buenos Aires erzählt, wo er mit der großen Einsamkeit von alten Menschen konfrontiert wurde, die ganz lange keinen Besuch von ihren Kindern bekamen. Wie erleben Sie die Situation in den deutschen Altenheimen - ist das hier bei uns auch ein großes Problem?

Bromkamp: Es gibt sicherlich alte Menschen, die wenig oder keinen Kontakt mehr zu ihren Angehörigen, Kindern und Nachbarn haben. Ich warne aber vor zu großer Pauschalisierung. Viele Angehörige haben weiterhin einen Kontakt zu ihren Eltern. Ich halte auch wenig von der Formulierung, dass Menschen ins Altenheim "abgeschoben" werden. Es gibt Situationen, gesellschaftliche Entwicklungen und auch berufliche Tätigkeiten, die zu manchen Lösungen oder Wegen zwingen, die vielleicht so nicht gewünscht sind, aber die gar nicht anders möglich sind. Ich erlebe in Gesprächen mit Mitarbeitern in Altenheimen, Angehörigen und Bewohnern, dass viele unter der Situation leiden und sich Sorgen machen. Sie bemühen sich darum, den Kontakt nicht abreißen zu lassen.

domradio.de: Was wissen Sie von den seelischen Nöten alter Menschen in Heimen?

Bromkamp: Eine zentrale Schwierigkeit ist immer wieder das Abschiednehmen: Abschied von seiner vertrauten Umgebung, Abschied von vertrauten Menschen, die gestorben sind, Abschied von Fähigkeiten und Perspektiven, die man nicht mehr hat und Abschied von einem selbstständigen Leben. Ich erlebe auch viele Fragen im religiösen Bereich, in dem alte Menschen Ansprechpartner suchen. Wenn sie mit einem Gottesbild zum Beispiel des strafenden Gottes groß geworden sind und jetzt dem Ende ihres Lebens entgegen gehen, kann es sein, dass sie Angst bekommen, diesem Gott nachher zu begegnen und von ihm gefragt zu werden: Was hast du Gutes unterlassen und was hast du Böses gemacht? Da gibt es dann auch die Angst nicht in den Himmel, sondern in die Hölle zu kommen. Ich glaube, dass in diesem Bereich alte Menschen unbedingt Ansprechpartner brauchen, die nicht eine fertige Antwort geben, sondern die diese Fragen, Sorgen und Gedanken ernst nehmen.

domradio.de: Haben Sie auch Verständnis für die Situation gestresster Berufstätiger, die es neben Job und Familie kaum ins Altenheim schaffen?

Bromkamp: Häufig gibt es eben diese beruflichen Belastungen in der Familie. Hinzu kommt noch die Entfernungen zwischen den Pflegebedürftigen und den Angehörigen. Sie ist manchmal so groß, dass sich das so leicht gar nicht mehr realisieren lässt, obwohl es wünschenswert und nötig wäre. Andererseits belastet Familien die Situation von Pflege- und Hilfsbedürfigkeit. Wenn alte Menschen in Familien leben, gibt es auch Situationen, in denen es letzlich für alle Beteiligten besser wäre, wenn zum Beispiel Menschen, die an Demenz erkrankt sind, in einer Umgebung leben, die nicht so belastend für sie ist. Ich erlebe stationäre Einrichtungen auch als eine Chance und als einen Ort, um diese Menschen angemessen zu betreuen, zu pflegen und zu begleiten .

domradio.de: Was könnte Erleichterung bringen - was halten Sie davon, wenn zum Beispiel Freiwillige alte Leute besuchen gehen?

Bromkamp: Das ist keine neue Idee. Es gibt zunehmend viele Ehrenamtliche, die im Sinne von Nachbarschaftsdiensten und ehrenamtlichen Besuchsdiensten von den Einrichtungen, Gemeinden und Wohlfahrtsverbänden viel in Altenheimen sind. Sie begleiten die alten Menschen zum Beispiel bei Spaziergängen und bei Kirchgängen. Sie gehen mit ihnen zum Friedhof, sprechen mit ihnen, lesen ihnen etwas vor oder sitzen einfach bei ihnen am Bett. Da wäre sicherlich noch eine Menge mehr möglich und erwünscht, aber ich glaube es passiert schon ganz viel in diesem Bereich. Dennoch will ich damit nicht sagen, dass es ein Ersatz für fehlende Angehörige sein kann. Das kann und soll es auch nicht sein. Es ist ein zusätzliches Angebot, was inzwischen immer selbstverständlicher wird.

domradio.de: Erhoffen Sie sich denn Impulse von den Äußerungen des Papstes - glauben Sie, dass dieser Appell das Gewissen betroffener Kinder und Angehöriger anspricht und bei ihnen auf offene Ohren trifft?

Bromkamp: Ich freue mich darüber, dass der Papst mit seinen Äußerungen die alten Menschen wieder mehr in den Blick der Kirche und der Gesellschaft nimmt. Er weist uns darauf hin, dass alte Menschen genauso wie junge Menschen selbstverständlich zur Gesellschaft und zur Kirche gehören. Der Wert eines Menschen hängt nicht von seinen Leistungen, sondern von seiner Einmaligkeit ab. Mit moralischen Appellen, im Sinne von -das müsste man tun-, bin ich etwas vorsichtiger. Ich bin fasziniert von alten Menschen. Wenn man mit alten Menschen zu tun hat, sie erlebt und sich ihnen öffnet, ist das immer eine Bereicherung für alle und ich würde eher auf diese Einladung setzen.

Das Gespräch führte Hilde Regeniter.

(dr)

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