Ingo Brüggenjürgen
Ingo Brüggenjürgen

19.02.2015

Ein Kommentar zu den Kölner Kirchenfinanzen Arm dran?

Ja, das Erzbistum Köln ist eine der reichsten Diözesen der Welt. Ja, es wurden 2013 viele Millionen Euro Überschuss gemacht. Trotzdem aber ist das Kölner Erzbistum auch arm dran. Meint Ingo Brüggenjürgen, Chefredakteur von domradio.de.

Arm dran ist die katholische Kirche in Köln, gerade weil sie so reich ist und alle irgendwie noch im Ohr haben, dass Papst Franziskus sich eigentlich doch eine "arme Kirche" wünscht. Arm dran ist das altehrwürdige Erzbistum Köln, gerade weil im frisch veröffentlichten Finanz- und Vermögensbericht die Summe von 3,35 Milliarden Euro ausgewiesen wird und sich bei dieser Zahl nicht nur die alleinerziehende Kassiererin im Supermarkt, sondern auch die Anwaltsfamilie mit eigenem Häuschen im Grünen und zwei Autos vor der Tür verwundert fragt, wie viele Nullen eigentlich drei Milliarden haben und ob so ein Etat für ihre Kirche nicht doch eine Nummer zu groß sei.

Besonders arm dran sind die Verantwortlichen im Erzbistum Köln, denn obwohl sie ganz offen ihre Karten auf den Tisch legen und ihre Bilanz nach Regeln des Handelsgesetzbuchs - von unabhängigen Wirtschaftsprüfern nach härtesten Kriterien geprüft - veröffentlichen, fehlt jeder vernünftige Vergleichsmaßstab. Denn Kirche ist eben kein Unternehmen, dessen Finanzdaten mal soeben mit einem Wirtschaftsunternehmen verglichen werden können. Auch nicht mit einer städtischen Kommune, einer Großpartei - vielleicht bestenfalls noch mit einer Non-Profit-Organisation.

Für das kirchliche Handeln gelten nun mal eigene Regeln. Die sind in Zeiten, wo christliche Wertemaßstäbe zunehmend aus dem Blick geraten, auch nicht unbedingt einfacher zu vermitteln. Aber vielleicht hilft doch ein Blick in die Bibel: Durch die Offenlegung des Vermögens und der Finanzen hält sich die Kirche in Köln ans biblisch vorgegebene Motto "Wahrheit und Klarheit". Gerade nach dem selbstherrlichen Finanzgebaren rund um den Limburger Bischofsberg gewinnt man so Vertrauen. Nachlesen kann man in der Bibel auch, dass es gut ist, Vorsorge zu treffen, und dass man in guten Jahren Vorsorge treffen soll für die zu erwartenden mageren Jahre. Die Finanzverantwortlichen im Erzbistum Köln handeln nach bestem Wissen und Gewissen danach.

In der Bibel steht nirgendwo geschrieben, dass ein Reicher nicht ins Himmelreich kommt - wohl aber, dass es für ihn ungleich schwerer ist. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Oft hat die Kölner Kirche ihren sprichwörtlichen Reichtum im Sinne des Evangeliums eingesetzt. Heute unverzichtbare Hilfswerke wie Misereor und Adveniat wurden auch aus Köln erfolgreich auf den Weg gebracht. Auch aktuell zeigt ein Blick in die Ausgaben: Das Erzbistum Köln gibt zwei Millionen täglich für die Seelsorge, für Beratung, Caritas und Hilfe aus – und oft eben nicht nur für die eigenen Katholiken.

Wer starke Schultern hat, der muss nach den Lehren der christlichen Soziallehre mehr tragen als der Schwache. Hier gilt es auch in Zukunft, die Weichen richtig zu stellen. Kardinal Woelki hat gleich zu Beginn seiner Kölner Amtszeit mit seinen 12 Millionen Euro spontaner Hilfe für Flüchtlinge ein wichtiges und richtiges Signal gesetzt. Er hat damals weder den Weg als Bischof ins "arme" Erzbistum Berlin gescheut, noch sich dem Ruf zurück ins "reiche" Erzbistum Köln widersetzt. Wer Woelki einmal auf seinem halbverrosteten alten Drahtesel durch Köln hat radeln sehen, der weiß sowieso, dass es ihm nicht um Äußerlichkeiten und Eitelkeiten geht. Aber jener Weg, auf dem er die Christen in seinem Erzbistum jetzt mitnehmen muss, wird wahrlich kein leichter sein. Denn die reiche Kirche in Köln ist arm dran, gerade weil auf ihr besonders hohe Erwartungen ruhen und sie viele Gestaltungsmöglichkeiten hat. Und weil viele andere Bistümer nicht nur wegen der guten Finanzen gerne Richtung Dom am Rhein schauen.

Einer muss ja mutig voraus gehen. Mit der schonungslosen transparenten Offenlegung der Finanzen und dem Engagement für Flüchtlinge setzt Woelki als erster Steuermann richtige und wichtige Signale, die andere Bistümer nicht übersehen können. Mut und Kraft und Gottes Segen wird das arme, reiche Erzbistum Köln aber auch in Zukunft brauchen. Denn wenn der Herr selber am Ende der Zeiten wiederkommt, wird eine rein finanziell gute Bilanz nicht ausreichen.

(dr)

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