Rosenmontag in Düsseldorf
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Rosenmontag in Köln
Rosenmontag in Köln
Fährt nicht: Der Kölner Motivwagen
Fährt nicht: Der Kölner Motivwagen

29.01.2015

Kölner Karnevalisten ziehen "Charlie-Hebdo"-Wagen zurück Kein Zeichen für die Meinungsfreiheit

Der Mut hielt nur wenige Tage: Im Kölner Rosenmontagszug wird nun doch kein Wagen zu "Charlie Hebdo" mitfahren. Die gute Laune soll nicht getrübt werden. Die Reaktionen sind geteilt.

Das Aus kam überraschend: Anders als geplant wird im Kölner Rosenmontagszug nun doch kein Persiflagewagen zu den Pariser Terroranschlägen mitfahren. Die "Freiheit und leichte Art" des närrischen Treibens solle nicht eingeschränkt werden, lautet die Begründung des Festkomitees. Offenbar wurden Sorgen vor einem Anschlag geäußert. Auch in den anderen Karnevalshochburgen in Deutschland herrscht Zurückhaltung, den Terror des "Islamischen Staats" in Syrien und dem Irak oder den Terrorangriff auf die Redaktion der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" zu thematisieren.

In Köln sollte eigentlich ein Motivwagen im Rosenmontagszug mitfahren, der den Pariser Anschlag satirisch aufgreift: Ein Narr mit roter Pappnase zerstört mit seinem Bleistift das todbringende Gewehr eines schwarzgekleideten Islamisten. Eine Friedenstaube ziert die französische Fahne. Auf dem Wagen mit den Porträts getöteter Karikaturisten steht "Ich bin Charlie", "Pressefreiheit" und "Meinungsfreiheit". In einer Internet-Abstimmung hatte sich eine deutliche Mehrheit der Narren für diesen Entwurf ausgesprochen und es wurde mit dem Bau begonnen. Der ist jetzt gestoppt.

Das Festkomitee, das den Rosenmontagszug organisiert, steht zwar nach eigenen Angaben weiter "zur Aussage dieses Wagens". Es sei aber wichtig, "dass alle Besucher, Bürger und Teilnehmer des Kölner Rosenmontagszuges befreit und ohne Sorgen einen fröhlichen Karneval erleben". Trotz verstärkter Sicherheitsvorkehrungen bei den Straßenumzügen ist die Furcht vor möglichem Terror offenbar groß.

Andere Standards in Düsseldorf

Der für seine oft bissigen Darstellungen bekannte Wagenbauer Jacques Tilly in Düsseldorf hält sich derzeit im Hinblick auf die Wagenmotive noch zurück. Ohnehin sickert in der NRW-Landeshauptstadt vor der Aufstellung des närrischen Lindwurms seit Jahren nichts über die Themen der zumeist hochaktuellen Mottowagen an die Öffentlichkeit durch. Der bundesweit bekannte Tilly werde aber den Islamisten-Terror von Paris vermutlich aufgreifen, heißt es im Umfeld des Comitees Düsseldorfer Carneval. Auf Darstellungen des Propheten Mohammed werde Tilly dabei "selbstverständlich verzichten".

Der Umgang mit islamistischem Terror ist für den Karnevalisten nicht neu. So ließ Tilly nach den gewalttätigen Reaktionen auf die Mohammed-Karikaturen in Dänemark im Rosenmontagszug 2007 zwei Narren die Meinungsfreiheit zu Grabe tragen. Im Sargdeckel steckte ein Krummsäbel. Im selben Zug setzte er zwei identische Selbstmordattentäter aus Pappe nebeneinander. Den einen zierte das Wort "Klischee", den anderen das Wort "Wirklichkeit".

Auch 2014 fuhr ein Wagen zum Thema Islamismus im Düsseldorfer Rosenmontagszug mit. Darauf war der salafistische Hassprediger Pierre Vogel vor einem Mikrofon zu sehen, aus dem Kohl herausquillt. "Jetzt haben wir den Salat", hieß der Text dazu. Tilly betonte mit Blick auf den diesjährigen Rosenmontagszug, die Gewaltbedrohung gegen Wagen mit islamistischen Motiven habe es immer schon gegeben. "Damit muss man leben und damit leben wir auch schon sehr lange", sagt der 51-jährige Wagenbauer. Das sei nun mal "Berufsrisiko".

Aachen, Bonn und Mainz auch vorsichtig

In Aachen wird die Sicherheit der Jecken als höher eingestuft als die Narrenfreiheit bei der Kommentierung islamistischer Gewalttaten. Beim Bonner Rosenmontagszug werden die Jecken am Straßenrand ebenfalls keinen Wagen mit Bezug zu den Pariser Terroranschlägen zu sehen bekommen. Die Wagenbauer betonten, sie könnten "so kurzfristig" nicht auf politische Ereignisse reagieren. In Westfalen, wo der Karneval ohnehin etwas anders abläuft, heißt es vor den traditionellen Rosenmontagsumzügen, es sei "geschmacklos", wenn man die mörderischen Anschläge von Paris närrisch aufbausche.

Die Fastnachts-Narren in Mainz sind mit ihren Späßen zum Thema Islam und Extremismus ebenfalls zurückhaltend, wie es zweieinhalb Wochen vor dem Höhepunkt der "fünften Jahreszeit" heißt. Da geht es in Köln etwa bei der legendären "Stunksitzung" anders zu. Auf der von Kabarettisten gestalteten Sitzung tritt eine verschleierte "Burka-Band" auf, die derbe Witze über islamische Fundamentalisten reißt.

Kritik und Verständnis für Verzicht

Der Verzicht auf den "Charlie Hebdo"-Wagen stößt auf ein geteiltes Echo. Der Grünen-Innenexperte Volker Beck und die Kölner Bundestagsabgeordnete der Partei, Katharina Dröge, zeigten sich enttäuscht. "Hier wurde die Chance vergeben, ein starkes Signal für die Meinungs- und Pressefreiheit zu senden", erklärten sie in Berlin.

Der nordrhein-westfälische Landeschef Sven Lehmann betonte in Düsseldorf: "Wenn Angst den Karneval überkommt, hat der Terror gewonnen." Der Sprecher des Mainzer-Carneval-Vereins, Michael Bonewitz, bekundete dagegen gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) Verständnis für den Verzicht auf den Wagen zum "Charlie Hebdo"-Attentat. "Die Kölner haben eine große Verantwortung", sagte er und verwies auf die hohen Besucherzahlen. Dies unterscheide das Festkomitee von einem Satiriker, der für seine individuelle Entscheidung allein die Konsequenzen trage.

Auf der Facebookseite des Kölner Festkomitees ist viel Kritik zu finden: "Traurig", "peinlich", "schwach" war dort am Donnerstag zu lesen, und "Düsseldorf, bitte übernehmen Sie". Als Französin, die als Zuschauerin dabei sein werde, habe sie sich sehr über die Kölner Aktion gefreut, mit einem Wagen die Meinungs- und Pressefreiheit zu verteidigen, schreibt eine Frau: "Und jetzt das! Enttäuschend. Aber ich komme trotzdem und feiere mit." Die Verantwortlichen werden als "Leichenbestatter des Kölner Karnevals" tituliert; ihr Beschluss sei "ein Sargnagel für die Meinungsfreiheit in Deutschland".

Eine andere Kommentatorin meinte in Anspielung auf das Dreigestirn aus Prinz, Bauer und Jungfrau: "Dann lasst doch der Jungfrau direkt eine Burka überziehen." Vereinzelt gab es aber auch Zustimmung zum Entschluss, den Terror von Paris nicht zum Thema im Rosenmontagszug zu machen: "Ich glaube da gibt es andere Plattformen als den Karneval" hieß es, und "war sicher keine leichte Entscheidung". "Baut einen Wagen gegen Fremdenhass", lautete ein Alternativvorschlag.

Islamverband begrüßt Verzicht

Unions-Innenexperte Wolfgang Bosbach sieht keine andere Chance als den Verzicht auf den Wagen. "Natürlich ist das ein Einknicken vor extremistischen, radikalen Kräften", räumt er ein. "Aber wir alle wollen Rosenmontag als großes Volksfest unbeschwert erleben." NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) positioniert sich irgendwie dazwischen. Es sei "Teil der Meinungsfreiheit, etwas nicht zu tun", meint er zur Kölner Entscheidung. Zugleich betont er: "Wir dürfen jetzt nicht in Angst und Furcht erstarren."

Auch der Islamverband Ditib begrüßt den Rückzug. "Ich finde es sehr positiv, dass diese Entscheidung getroffen wurde", sagte der Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib), Nevzat Yasar Asikoglu, am Donnerstag in Köln. Genauso wie die muslimische Gemeinschaft in Deutschland die Werte anderer Menschen respektiere, so erwarte er auch, "dass man unseren Werten Respekt" erweise.

Mit Blick auf die islamkritischen Karikaturen von "Charlie Hebdo" bekräftigte Asikoglu, man erwarte zwar Respekt, respektiere aber gleichzeitig das Recht auf freie Meinungsäußerung. Zugleich kritisierte der Ditib-Vorsitzende, dass in einem Kölner Gymnasium im Stadtteil Deutz islamkritische Karikaturen ausgestellt seien. Dies finde er nicht richtig. Es handle sich dort um junge Menschen, deren Überzeugungen und Werte noch nicht ausgereift seien.

Asikoglu zeigt sich zudem beunruhigt über eine wachsende Islamfeindlichkeit in Deutschland. Im vergangenen Jahr habe es 31 Übergriffe auf Ditib-Moscheen in Deutschland gegeben: "Und allein im Januar 2015 gab es bislang acht Anschläge", sagte der Hochschulprofessor für islamische Theologie.

(epd, KNA, dpa)

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