Generalvikar Stefan Heße
Generalvikar Stefan Heße

26.01.2015

Kölner Generalvikar Stefan Heße wird Hamburger Erzbischof "Ne kölsche Jung" für die Hanseaten

Stefan Heße ist noch kein Bischof - weiß aber sehr wohl, worauf es in der Leitung eines großen Bistums ankommt. Nicht nur als Generalvikar der mitglieder- und finanzstarken Erzdiözese Köln hat der katholische Geistliche Führungserfahrung gesammelt.

Nach dem Rücktritt von Kardinal Joachim Meisner als Kölner Erzbischof wählte das Domkapitel ihn zum Übergangsverwalter. Nun hat Heße erneut eine Wahl getroffen: Papst Franziskus ernannte den 48-Jährigen am Montag zum Hamburger Erzbischof und damit zum Nachfolger von Werner Thissen (76), der im März vorigen Jahres in den Ruhestand trat. Heße wird Deutschlands jüngster Diözesanbischof, wenn er am 14. März die Weihe empfängt und in sein Amt eingeführt wird.    

Seit knapp drei Jahren steht der Geistliche mit Dreitagebart als Nachfolger des heutigen Weihbischofs Dominikus Schwaderlapp an der Spitze der Kölner Bistumsverwaltung. Davor war er bereits sechs Jahre lang stellvertretender Generalvikar und Personal-Chef. Nicht zuletzt in dieser Zeit hat er tiefe Einblicke in das Innenleben eines Bistums bekommen. Nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle fiel es in seine Verantwortung, die Präventionsarbeit aufzubauen. So richtete er eine neue Stabsstelle für dieses Thema ein, sorgte für Informationsbroschüren und verpflichtende Schulungen für Haupt- und Ehrenamtliche.

Von Köln nach Bergheim und Bonn

Heße kann nicht nur wie ein "kölsche Jung" sprechen, er ist auch einer. Er wurde am 7. August 1966 in der Domstadt geboren. Damit hat er auch ein gepflegtes Verhältnis zum Karneval und kann in den tollen Tagen auch schon mal in die Rolle einer Putzfrau schlüpfen. Heße, der 1993 die Priesterweihe empfing, war zunächst Kaplan in Bergheim und in der Ausbildung am Bonner Theologenkonvikt Collegium Albertinum tätig, bevor er wieder in seine Heimatstadt wechselte. Seit 2003 arbeitete der promovierte Geistliche im dortigen Generalvikariat in der Personalabteilung, deren Leitung er 2006 übernahm.

Der künftige Hamburger Erzbischof war schon in seiner alten Funktion alles andere als ein trockener Verwaltungsmensch und pflegt einen kooperativen Führungsstil. Nach seinem Amtsantritt als Generalvikar nannte er es die größte Herausforderung für die Kirche, missionarisch zu wirken. Längst nicht allen Menschen seien die christlichen Inhalte klar. Notwendig sei deshalb "eine inhaltliche Zurüstung". Zudem müsse eine Sprachfähigkeit erreicht werden, damit andere den Glauben auch verstehen könnten. "Wie verhindere ich zum Beispiel, dass Ostern auf ein Hasenfest reduziert wird?", so Heße.

Offen für Facebook und Co.

Gerade in der Medienarbeit und im Web 2.0 sieht der Geistliche eine besondere Aufgabe für die Kirche. "Wenn ich höre, wie viele Jugendliche über Facebook kommunizieren, dann müssen wir als Kirche sie auch dort abholen." Der heilige Paulus sei damals mit Schiffen gefahren, um die christliche Botschaft zu verbreiten. "Heute wäre Paulus sicherlich bei Facebook unterwegs."

In der Krise um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst bedauerte der Generalvikar die Kirchenaustritte. Diese seien ein "ernster Anruf" an die Kirche, mit ihren Finanzen transparent und verantwortlich umzugehen. Unter Heße legte das Erzbistum Köln deshalb bereits seinen Immobilienbesitz offen; die stets gehüteten Zahlen über das gesamte Vermögen sollen in den nächsten Wochen folgen.

Geplant: Entlastung für die Pfarrer

Aufhorchen lässt ein weiteres Projekt des Verwaltungschefs. Er möchte die gestressten Pfarrer von Verwaltungsaufgaben entlasten. Eine Umfrage hatte ergeben, dass leitende Pfarrer in der Erzdiözese im Schnitt 25 Wochenstunden mit Verwaltungsarbeiten beschäftigt sind - für Heße "eindeutig zu viel". Nun sollen nach US-amerikanischem Vorbild hauptamtliche Geschäftsführer die Geistlichen von der Überlastung befreien. Die Pilotphase des Projektes startet in diesem Jahr.

"Ich hoffe, dass die Mitbrüder auch zu dieser Veränderung bereit sind", meint Heße mit einer gewissen Skepsis. Aber um die Menschen in ihren Lebenswelten zu erreichen, brauche es neue Wege. Dies gilt nicht nur für die immer noch volkskirchlich geprägte Kölner Erzdiözese, sondern erst recht für den künftigen Wirkungskreis im Norden mit seinen gerade mal 7 Prozent Katholiken.

Andreas Otto
(KNA)

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