13.12.2013

Kölner Seelsorgeleiter über die Ergebnisse der Synoden-Umfrage "Werden unsere Arbeit überprüfen"

Das Erzbistum Köln sieht eine starke Differenz zwischen kirchlicher Lehre und dem Leben der Katholiken. Der Leiter der Abteilung Seelsorge Msgr. Markus Bosbach, spricht im domradio.de über den Umgang der Kirche mit den neuen Erkenntnissen.

domradio.de: Das Erzbistum Köln hat sich in Windeseile darum bemüht, die Fragebögen weiterzuleiten und auch auszuwerten. Wie kam es zu dieser Schnelligkeit?

Msgr. Markus Bosbach: Wir wollten gerne die Ergebnisse der Umfrage, um die ja der Vatikan gebeten hat, in einem richtigen Beratungsgremium mit dem Kardinal noch besprechen. Und da gab es schon einen Termin, und deshalb brauchten wir die Rückantworten so schnell innerhalb von drei Wochen. Aber wir haben ganz viel bekommen. So hatten wir auch ganz viel Material, das wir in einer Zusammenschau zusammenstellen konnten. Daraus ist jetzt die Stellungnahme des Erzbischofs von Köln geworden, die er an die Bischofskonferenz weiterleitet.

domradio.de: Dieses Ergebnis ist ja keine eigene Umfrage, sondern mehr so ein Pool verschiedener Parameter. Wie setzen die sich zusammen?

Bosbach: Wir haben die Stadt- und Kreis-Katholikenräte über die Stadt- und Kreis-Dechanten mit der Umfrage versorgt und dort gebeten, vor Ort zu gucken, wie es am besten beantwortet werden kann. Das ist sehr unterschiedlich geschehen. Düsseldorf mit einem großen Konvent der Verantwortlichen aus der katholischen Stadtkirche – da waren 70 Laien und Seelsorger zusammen. Oder Bonn: Die haben direkt eine eigene Online-Umfrage durchgeführt – ganz toll – mit über 2.300 Beteiligten. In anderen Fällen war die Rückmeldebasis etwas kleiner. Wir haben darüber hinaus den Diözesanrat eingeladen und darüber auch noch die Verbände, z.B. die Frauengemeinschaft Deutschlands KFG oder das Kolpingwerk oder den Bund Neudeutschland.

domradio.de: Nun ist das Ergebnis relativ eindeutig, gerade auch hinsichtlich von Ehe, Familie, Moral etc. Ist das Ergebnis überraschend?

Bosbach: Ich war lange Pastor, 17 Jahre in der Seelsorge, von daher überrascht mich das nicht, dass eben es auch bei den kirchlich Gebundenen eine Diskrepanz gibt zwischen der Lehre der Kirche und dem tatsächlichen Leben. Die hat es eigentlich schon immer gegeben. Nur heute ist sie vielleicht breiter, als sie jemals zuvor war. Das ist ja aber nicht die einzige Wahrnehmung in Hinblick auf die Bindung von Menschen an die Kirche, dass es jetzt über die Moral geht, sondern es gibt da Wichtigeres, nämlich den Glauben an Jesus Christus – der bindet Menschen und lässt sie gern bei der Kirche sein, auch wenn sie vielleicht in dem einen oder anderen Punkt mit der Lehre der Kirche nicht übereinstimmen, dezidiert andere Auffassungen vertreten oder auch anders leben.

domradio.de: Es ist ja auch von Barmherzigkeit und Toleranz die Rede, die allerdings nicht in jedem Fall mit Zustimmung verwechselt werden darf. Wie wird denn jetzt eigentlich genau Barmherzigkeit definiert? Ich drücke bei der Sakramentenspendung noch mal ein Auge zu? Oder geht es hier wirklich um einen Paradigmenwechsel in der Moraltheologie?

Bosbach: Das ist eine spannende Frage. Ich glaube, das wird die Weltbischofssynode zeigen. Papst Franziskus bringt mit dem Begriff der Barmherzigkeit, den er ja selbst in den Vordergrund stellt, einen Begriff, der ja tatsächlich eine weite und tiefe Bedeutung hat, der aber auch in einem Spannungsverhältnis steht, etwa zur Gerechtigkeit oder zur Wahrhaftigkeit und Wahrheit. Das wird die spannende Aufgabe der Weltbischofssynode sein auch in einer Verantwortung vor der Theologie, vor der göttlichen Offenbarung, vor der Tradition dieses Verhältnis so auszuloten, dass es auch zu guten Ergebnissen kommt. Barmherzigkeit allein ist natürlich ein Schlagwort, mit dem ich sehr schnell alles irgendwie rechtfertigen kann. So verwendet es der Papst auch nicht. Aber es wird häufig so verstanden. Das ist jetzt die große Herausforderung, diesen Begriff jetzt auch im Kontext der anderen relevanten Begriffe zu sehen.

domradio.de: Köln hat ja jetzt die Auswertung vorgenommen und gibt es weiter. Damit könnte man sagen, ist die Arbeit getan. Was für Konsequenzen für die Seelsorge im Erzbistum Köln gibt es aus diesen Umfragen?

Bosbach: In Düsseldorf war die Rückmeldung, dass selbst wenn nichts dabei herauskommen würde, es doch schon wertvoll ist für Mitglieder der katholischen Kirche in Düsseldorf, weil sie eben dort ganz viele Anregungen finden können für Themen, für Gespräche innerhalb der Seelsorge vor Ort. Das ist die erste Hoffnung, dass man wirklich vor Ort in den Gemeinden Gespräche anregt: Was ist Ehe und Familie? Was können wir dafür tun? Wie können wir auch aufzeigen, dass das gelingen kann? Dem wollen wir als Erzbistum Köln jetzt hier im Generalvikariat auch dienen durch die Impulse, die wir aus der Hauptabteilung Seelsorge geben. Da werden wir auch noch einmal unsere Arbeit überprüfen und versuchen, in einem Dialog mit denen vor Ort, anzupassen, damit das, was wir liefern, auch hilfreich ist, für die Arbeit vor Ort.

Das Interview führte Jan Hendrik Stens.

(DR)

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