Diskussion um "Ehe für alle"
Diskussion um "Ehe für alle"

12.09.2017

Australier beginnen Umfrage zur "Homo-Ehe" Katholische Kirche in der Frage gespalten

Die Australier sollen in einer postalischen Umfrage Ja oder Nein zur "Homo-Ehe" sagen. Das Ergebnis soll Mitte November vorliegen. Eines zeigt sich schon jetzt: die Zerrissenheit der katholischen Kirche in dieser Frage.

Auf Druck des rechten Flügels seiner konservativen Regierungskoalition verweigert Premierminister Malcolm Turnbull eine Aufhebung des Fraktionszwangs für eine parlamentarische Abstimmung über die "Homo-Ehe". Die rechtliche Verbindlichkeit der umgerechnet 82 Millionen Euro teuren "postalischen Umfrage": null. Die politische Verbindlichkeit: schwach.

Trotzdem heizt die an diesem Dienstag beginnende Umfrage die Stimmung an. Premierminister Turnbull, Oppositionsführer Bill Shorten sowie Zehntausende Demonstranten in Sydney warben am Sonntag zur Eröffnung des "Homo-Ehe-Wahlkampfes" für ein Ja zur Einführung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare.

Abstimmungsziele unklar

Man weiß allerdings gar nicht so recht, worüber denn eigentlich abgestimmt wird. Fehlanzeige herrscht bei einem konkreten Gesetzentwurf, der klar sagt, worum es geht: Ehe oder Bürgerliche Partnerschaft? Müssen Religionen die gleichgeschlechtliche Ehe akzeptieren? Oder dürfen sie ihrer Lehre treu bleiben, ohne wegen Diskriminierung vor Gericht gezerrt zu werden?

Die "Koalition für die Ehe", zu der sich mehr als 80 religiöse und weltliche Gruppen zusammengeschlossen haben und in der die katholische Bischofskonferenz eine führende Rolle spielt, sieht das Ende von Religions- und Meinungsfreiheit dämmern. Sydneys katholischer Erzbischof Anthony Fisher warnte in einem Exklusivinterview mit der Tageszeitung "The Australian", in Ländern mit Ehegleichstellung würden Verfechter der traditionellen Ehe "schikaniert oder gezwungen, die neue Sicht der Ehe zu übernehmen". Fisher mahnt: "Es ist naiv zu glauben, dass das hier nicht passieren wird."

Bischofskonferenz warnt vor Zustimmung

Denis Hart, Vorsitzender der Bischofskonferenz und Erzbischof von Melbourne, betonte in einem Interview mit der Fairfex-Media-Gruppe, die Kirche erwarte von ihren 180.000 Mitarbeitern in Schulen, Altersheimen, Wohlfahrtseinrichtungen und Krankenhäusern die "totale" Einhaltung der Kirchenlehre und werde gegen Abweichungen "sehr entschieden" vorgehen.

Die Institutionen bewerten die Sache freilich entschieden anders als die Bischöfe. Suzanne Greenwood, Vorstand von Catholic Health Care Australia (CHCA), sagte den Fairfax Media, wie bisher erwarte sie von Ärzten und Pflegepersonal nicht, dass sie sich strikt an die Kirchenlehre halten. CHCA ist der größte private und gemeinnützige Gesundheitsdienstleister Australiens.

Die Direktoren von drei katholischen Eliteschulen in Melbourne und Sydney empfehlen ihrer Kirche mehr Realitätsnähe. Pater Chris Middleton, Rektor des Xavier College in Melbourne, schreibt im Schulrundbrief, nach seiner Erfahrung seien die jungen Leute fast geschlossen für die gleichgeschlechtliche Ehe. Die Kirche müsse sich überlegen, warum das so sei. Der Jesuit weist mit "brutaler Ernsthaftigkeit" darauf hin, dass die Kirche durch den Missbrauchsskandal "zu den kontroversen Themen rund um Sexualität" kaum noch "Glaubwürdigkeit" genieße.

Es geht um die zivilrechtliche Ehe

Pater Frank Brennan, einer der respektiertesten katholischen Intellektuellen des Landes, will "zum Wohl der Gesellschaft" für die "Homo-Ehe" stimmen. Er stehe weiter zur katholischen Lehre über die Ehe als Institution zwischen Mann und Frau, so der Jesuit in Artikeln und Interviews. Die aber müsse von der zivilrechtlichen Ehe, und nur um die gehe es bei der postalischen Abstimmung, getrennt gesehen werden.

Dass er sich mit dieser Position gegen die Bischöfe stellt, ficht den Chef des Verbandes der katholischen Wohlfahrtseinrichtungen nicht an.

Über Erzbischof Hart sagt Brennan, der sei ein "76 Jahre alter Mann", dessen Job es sei, "die formale Kirchenlehre umzusetzen". Die "berechtigte Sorge" über die Religionsfreiheit, so der Jurist Brennan, solle aus der "Kakophonie" der Pro- und Contra-Kampagne herausgehalten werden. Das könne man im Falle eines Ja dem Parlament überlassen. Justizminister George Brandis hat bereits versichert, der "Schutz der Religionsfreiheit" werde in einem Gesetz über die "Homo-Ehe" "sehr stark sein".

Michael Lenz
(KNA)

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