Stillende Mutter
Stillende Mutter

29.03.2017

Katholischer Verein in Hongkong verteidigt stillende Mütter Böse Blicke in der Öffentlichkeit

Chinesinnen, die ihrem Baby unterwegs die Brust geben, haben es schwer. Denn für viele Passanten verstößt ihre Entblößung gegen die guten Sitten. Die Milchpulverindustrie freut's – doch Katholiken wehren sich dagegen.

Eine Frau besteigt in Hongkong ein Taxi und bittet den Fahrer, eine halbe Stunde durch die Straßen zu fahren. Sie müsse Milch für ihr Baby abpumpen, berichtet die Online-Zeitung Apple Daily. Ein anderer Taxifahrer fotografiert eine Frau, die ihr Kind während der Fahrt stillt, heimlich mit seinem Handy und stellt das Foto anschließend ins Internet. Die Vorfälle lösen einen Sturm der Entrüstung aus; der Taxifahrer, der die Fotos gemacht hat, wird später festgenommen.

Stillende Mütter sind in asiatischen Städten selten zu sehen - weil die Bevölkerung auf den Anblick mit großer Ablehnung reagiert. Selbst wenn die Frauen ein Stilltuch über sich und das Baby breiten, ernten sie von Passanten missbilligende Blicke. In einer aktuellen Umfrage des Hongkonger Unicef-Komitees berichten 40 Prozent der Frauen von unangenehmen Erfahrungen, wenn sie ihrem Kind in der Öffentlichkeit die Brust gaben.

Katholischer Verein mischt sich ein

Nun hat sich ein katholischer Verein für stillende Mütter des Themas angenommen. Zusammen mit der Familienkommission der Diözese Hongkong brachte er eine Broschüre heraus, die die Vorzüge des Stillens biblisch begründet. "Stillen ist nicht leicht. Mütter müssen wie Jesus den Geist der Opferbereitschaft lernen, denn das ist unsere Pflicht. Brustmilch ist ein besonderes Geschenk Gottes, das hilft, die Verbindung zwischen Mutter und Kind aufzubauen", sagt Connie Chan, Vize-Präsidentin des Katholischen Still-Vereins.

Außerdem will der Verein erreichen, dass die Hongkonger Regierung die Werbung für Milchpulver, speziell für Kinder unter drei Jahren, verbietet. "Mehr als 90 Prozent der australischen Mütter stillen", benennt Chan ein aus ihrer Sicht positives Beispiel. Säuglingsnahrung werde von Ärzten nur verschrieben, wenn Mütter ernsthaft krank sind.

Milchpulver mit hohem Stellenwert

"Aber hier in Asien hat Milchpulver einen viel höheren Stellenwert", sagt Chan, deren erste Tochter in Australien geboren wurde.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, mindestens bis zum sechsten Lebensmonat ausschließlich zu stillen. In Hongkong fällt die Stillrate, die nach der Entlassung aus dem Krankenhaus bei immerhin 87 Prozent liegt, auf 25 Prozent nach zwölf Monaten. Nur jede dritte Mutter stillt ihr Neugeborenes, ohne noch nebenher mit dem Fläschchen zuzufüttern; In China werden nur 16 Prozent der Babys unter sechs Monaten ausschließlich gestillt. 2019 wird die Hälfte des weltweit produzierten Milchpulvers Schätzungen zufolge in China verkauft werden.

Mangelndes Wissen über die Vorteile des Stillens und unzureichende Unterstützung in den Krankenhäusern nach der Geburt sind die Hauptgründe für die niedrigen Raten. In einer Umfrage eines Sozialpolitikinstituts in Hongkong gaben vier von fünf Befragten an, dass es nicht genug Informationen über das Stillen gebe.

Fehlen geeigneter Orte zum Stillen

Ein anderer Grund neben den abschätzigen Blicken in der Öffentlichkeit ist das Fehlen geeigneter Orte zum Stillen in Einkaufszentren oder Unternehmen. "Wenn es Stillräume gibt, sind sie so klein, dass nur eine Mutter Platz findet. Die anderen Frauen müssen dann lange warten, ehe sie an der Reihe sind. Aber wie kann ein Baby warten?", kritisiert Ärztin Ruby Lau. Eine junge Lehrerin berichtet in einem Zeitungsartikel, sie habe in der Besenkammer gestillt, weil es in ihrer Schule keinen anderen Raum gegeben habe.

In Hongkong können Frauen einen bezahlten Mutterschutz für maximal zehn Wochen nehmen, danach kehren sie in der Regel in ihren Job zurück.

Auch in den Kirchen sind junge Mütter nicht immer willkommen, berichtet der katholische Still-Verein. "Eine Frau ist in Tränen ausgebrochen, nachdem sie zwei Mal während des Gottesdienstes des Platzes verwiesen wurde", erzählt Vize-Präsidentin Chan. Und das, obwohl Papst Franziskus in Rom immer wieder Gottesdienstbesucherinnen ermutigt hat, ihre hungrigen Kinder zu stillen. Immerhin konnten inzwischen drei der 87 Kirchengemeinden Hongkongs davon überzeugt werden, Stillräume für junge Mütter einzurichten. Der Verein verteilt auch Bilder der stillenden Mutter Gottes. "Wenn ich das Bild sehe, kann ich mich beim Stillen entspannen", erzählt eine Frau.

Stefanie Ball
(KNA)

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