Bischof Stefan Oster
Bischof Stefan Oster

09.12.2015

Bischof Oster: Homosexualität ist nicht zwingend angeboren Folgt aus Orientierung eine Norm?

Der katholische Passauer Bischof Stefan Oster betonte, die Kirche wolle die Menschen in allen Lebenslagen begleiten, "egal welcher Orientierung". Eine Norm solle daraus nicht werden.

Der katholische Passauer Bischof Stefan Oster bezweifelt, dass Homosexualität angeboren ist. Dies sei seiner Ansicht nach "keine gesicherte naturwissenschaftliche Erkenntnis", sagte Oster in einem Interview der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" am Donnerstag.

Sexualität sei nicht einfach nur da. "Sie wird, sie entfaltet sich mit der ganzen Person, von Anfang an", so der Bischof. "Wenn ich mir den ganzen Tag Pornos reinziehe, dann verwahrlost meine Sexualität. Wenn ich versuche, Treue zu leben, dann reift meine Sexualität als Liebesfähigkeit."

Zugleich räumte Oster ein, dass Homosexualität eine Orientierung sei, die sich "in der Regel" niemand aussuche. "Aber folgt daraus schon die Norm, das Muss, dass sie 'gelebt werden darf'?", so der Bischof.

Diese Frage könne sich beispielsweise auch im Zusammenhang mit Bisexualität oder Pädophilie stellen. "Ich will das auf keinen Fall alles als gleichwertig oder vergleichbar in einen Topf werfen, aber es gibt Menschen, die sich auch in diesen Orientierungen finden. Was sagt man denen?"

Sexualität habe ihren "genuinen Ort in der Ehe zwischen Mann und Frau", so Oster.

Die Kirche wolle die Menschen in allen Lebenslagen begleiten, "egal welcher Orientierung", betonte Oster. Wer jedoch etwa eine Segnung von schwulen und lesbischen Paaren fordere, kehre die geltende Lehre um. Sexualität habe ihren "genuinen Ort in der Ehe zwischen Mann und Frau".

Jesus selbst habe den Wert dieser Beziehung und ihren unauflöslichen Charakter immer wieder betont, so der Bischof unter Verweis auf eine Stelle aus dem Markusevangelium. "Als Jesus gefragt wird, warum Mose Scheidebriefe erlaubt hat, sagt er: Er hat das nur wegen eurer Hartherzigkeit getan. Die Menschen sind hartherzig, das führt laut Jesus zur Scheidung. Aber wenn Gott wirklich bei der Eheschließung mit im Bunde war, besteht diese Ehe über eine solche materielle Trennung hinaus."

Die Sexuallehre des Evangeliums sei "wuchtig", unterstrich der Bischof. "Wenn aber die Begegnung mit Jesus selbst lebensverändernde Qualität hat, dann ist diese Erfahrung so tiefgreifend, dass sie mir hilft, meine Sexualität gemäß dem Willen Gottes zu leben. Das heißt: entweder Sex nur in der Ehe oder gar kein Sex."

(KNA)

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