Dr. Wunibald Müller
Dr. Wunibald Müller

Dr. Wunibald Müller ist katholischer Theologe, Autor, Psychologe und Leiter des Recollectio-Hauses der Abtei Münsterschwarzach. Er hat unter anderem über das Verhältnis der katholischen Kirche gegenüber Homosexuellen promoviert.

23.10.2015

Theologe Müller lobt Entschuldigung deutscher Synoden-Bischöfe "Wichtiges Zeichen für Homosexuelle"

Eine Erklärung mit Nachhall: Die deutschen Synoden-Bischöfe entschuldigen sich bei verschiedenen Gesellschaftsgruppen - so auch Homosexuellen - für das Verhalten der Kirche. Der Theologe Dr. Wunibald Müller sieht darin ein wichtiges Zeichen.

domradio.de: Wie bewerten Sie diese Entschuldigung der Bischöfe?

Dr. Wunibald Müller: Ich finde das wunderbar. Das sind ganz neue Töne. Grundsätzlich finde ich, es war auch höchste Zeit dafür.

domradio.de: Welche Konsequenzen erwachsen daraus? Hat diese Entschuldigung eine größere Bedeutung als nur schöne Worte?

Dr. Wunibald Müller: Ich hoffe, dass das Konsequenzen hat und es nicht nur bei den schönen Worten bleibt. Man sollte auch noch einmal schauen, worin die tieferen Gründe liegen, dass homosexuellen Menschen Leid zugefügt worden ist. Damit es nicht nur schöne Worte bleiben, ist es wichtig, dass sich das niederschlägt. Zum Beispiel auch in der Lehre der Kirche gegenüber homosexuellen Menschen. Ich finde es schön, zu sagen, dass man Homosexuellen mit Erbarmen und Barmherzigkeit begegnet und wir sie um Verzeihung bittet. Aber ich kenne sehr viele homosexuelle Menschen, die sagen, dass man das Mitleid und Erbarmen nicht braucht. Vielmehr brauchen sie Anerkennung und möchten uns auf Augenhöhe begegnen. Sie wollen, dass man ihr Leben nicht als sündhaften Zustand bezeichnet. Sie möchten hören, dass wir ihre homosexuelle Liebe anerkennen und zugeben, dass es eine echte Liebe ist.

domradio.de: Was bedeutet die Entschuldigung an sich für die Betroffenen?

Dr. Wunibald Müller: Das ist unterschiedlich. Ich glaube, sehr viele werden sagen, dass es ihnen zu spät und zu billig ist und dass sie es auch nicht richtig glauben. Es gibt sicher einige wenige, die sagen, dass endlich ein Versöhnungsprozess beginnen kann. Aber ich glaube, das wird nur noch ganz wenige ansprechen, weil sich inzwischen zu viele homosexuelle Menschen von der Kirche abgewendet haben. Das muss man an dieser Stelle auch den Betroffenen zugestehen - so wie es immer beim Beginn eines Versöhnungsprozesses ist. Wir müssen das erst einmal verdauen. Die homosexuellen Menschen werden sicher nicht sagen, dass alles wunderbar ist und es schön finden, dass man ihnen verzeiht. Alles das, was man ihnen zugefügt hat, ist damit nicht vergessen. Es ist, wie gesagt, der Beginn eines Prozesses, der dann weitergehen kann. Dabei muss man den Betroffenen aber Zeit lassen. 

domradio.de: Meinen Sie, dass die Bischofssynode insgesamt ein Erfolg für das Verständnis zwischen Basis und Geistlichen wird?

Dr. Wunibald Müller: Was die konkrete Seelsorge, die Pastoral angeht, da ist es oft schon der Fall, dass die Pastoren in der Seelsorge den Menschen entsprechend begegnen. Wenn diese Erklärung eine gewisse Außenwirkung hat, dann wird es auch die Menschen, die eigentlich nicht mehr viel mit der Gemeinde zu tun haben, vielleicht auch ein wenig mehr gegenüber der Kirche öffnen. Das kann ihnen unter Umständen wieder einen Zugang zur Kirche ermöglichen. Ansonsten erwarte ich mir von der Synode gerade was Homosexuelle angeht, ehrlich gesagt, wenig Neues. Wenn es nur bei diesem Anstrich und schönen Worten bleibt, ist es auch zu wenig, wird verpuffen und wird letztlich nichts bewirken.

domradio.de: Es hat sich ja schon gezeigt, dass diese Erklärung in den Medien kaum einen Wiederhall gefunden hat. Ist das auch ein Zeichen, dass zumindest in der deutschen Öffentlichkeit die Meinung vorherrscht, die Entschuldigung werde nicht gebraucht und als Kirche hinke man eh der Zeit hinterher?

Dr. Wunibald Müller: Ich glaube schon, dass das so gewertet wird. Wenn, dann werden nur ganz wenige davon angesprochen. Falls die Kirche hier nicht weitergeht, dann ist es für die Leute im Grunde nur Makulatur und bedeutet ihnen nichts.

Das Interview führte Dr. Christian Schlegel

(dr)

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