Norbert Geis (CSU)
Norbert Geis (CSU)

22.05.2013

CSU-Politiker Geis: Kardinal Meisner hat Recht "Hochschätzung der Arbeitsleistung der Mutter"

Wenig Verständnis für die Kritik seiner Polit-Kollegen an Erzbischof Joachim Kardinal Meisner zeigt der CSU-Politiker Norbert Geis. Im domradio.de-Interview stimmt er den Äußerungen des Kardinals zur Familienpolitik zu.

domradio.de: Der Kardinal erteilt Schelte an die aktuelle Familienpolitik – und kritisiert auch die Kanzlerin. Sie sagen, dass Sie dem Kardinal zustimmen – in welchen Punkten genau?
Norbert Geis: Ich stimme dem Kardinal darin zu, dass in der Gesellschaft insgesamt die Hochschätzung der Arbeitsleistung der Mutter, wenn sie daheim bleibt und Kinder erzieht, zu gering ist. Dass die Mutter diese große Leistung erbringt, dass diese große Leistung zu gering geachtet wird. In unserer Gesellschaft gilt nur, wer viel Geld verdient und wer eine möglichst steile Karriere macht. Das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Und das kritisiere ich.

domradio.de: Wie könnte denn die Anerkennung für Frauen, die sich viel mit Kindererziehung beschäftigt haben, aussehen?
Geis: Einmal müsste man versuchen, der Frau, die daheim bleibt, um die Kinder selbst zu erziehen, einen besseren Wiedereinstieg in das Berufsleben zu ermöglichen, und dass der Karrierenachteil ausgeglichen wird, der ihr dadurch entstanden ist, dass andere Kolleginnen und Kollegen, die mit ihr gearbeitet haben, an ihr vorbeigezogen sind. Das könnte die Politik unter Umständen leisten. Aber die Politik gibt sich ja auch viel Mühe, das muss ich dazu sagen. Wir haben wirklich vieles in den vergangenen vier Jahren für die Familienpolitik getan, aber wir sind noch keinen Schritt weiter gekommen, wenn es um Bevölkerungszuwachs geht, wenn es um die Generationenfolge geht. Und da muss man sich vielleicht auch neue Wege überlegen.

domradio.de: Sie haben gesagt, es sei bereits viel für den beruflichen Wiedereinstieg und die Familien getan worden. Wäre es aber nicht auch Aufgabe der Politik, einfach dafür zu sorgen, dass alle Frauen sich ganz frei aussuchen können, ob sie Kinder wollen oder nicht?
Geis: Das tut sowieso jede Frau. Ich meine, dass ist nichts Neues. Aber die Politik kann einen Beitrag dazu leisten, dass Beruf und Familie besser vereinbar sind, als das heute der Fall ist. Obwohl – und das möchte ich schon auch sagen –, die Politik dazu schon viel geleistet hat. Wenn man zum Beispiel den Bau der Kitas sieht usw. Da ist viel Geld investiert worden, damit Frauen beides möglich ist – Familie und Beruf. Das scheint mir ein wichtiger Auftrag an die Politik zu sein.

domradio.de: Im Interview sagt Kardinal Meisner, dass man Frauen dazu anregen sollte, zu Hause zu bleiben und drei bis vier Kinder zu kriegen. Sie selbst haben vier Kinder – ist Ihre Frau zu Hause geblieben?
Geis: Meine Frau war in dieser Zeit immer berufstätig, weil sie für mich – ich bin Anwalt von Beruf – den ganzen finanziellen Haushalt der Anwaltskanzlei erledigt hat. Das konnte sie zum großen Teil auch daheim. Und deswegen war ihr das leichter möglich als vielleicht einer anderen Frau.

domradio.de: Diesen „Luxus“ hat jetzt nicht unbedingt jede Frau in unserem Land. Haben Sie Verständnis dafür, dass zum Beispiel Miriam Gruß, die bayrische FDP-Generalsekretärin, in dieser ganzen Debatte sagt: Deutschlands Familien sind die Moralpredigten von Kirche und Politik langsam leid?
Geis: Dafür habe ich kein Verständnis, das muss ich ganz offen sagen. Wenn der Kardinal sein Stimme erhebt und auf einen wichtigen Punkt unser Familienpolitik hinweist, nämlich auf die fehlende Generationenfolge, dann hält er doch keine Moralpredigt, die man sich nicht anhören kann. Wer sollte das denn sonst noch sagen, wenn nicht die Kirche. Ich bin richtig dankbar dafür, dass der Kardinal hier einmal den Finger in die Wunde gelegt hat.

domradio.de: Sie sitzen im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend – werden da eigentlich solche Aussagen von Menschen wie Kardinal Meisner besprochen? Kann das dem einen oder anderen Rückenwind geben?
Geis: Nein, es ist natürlich so, dass immer konkrete Anliegen besprochen werden. Da wird ein konkreter Gesetzgebungsvorschlag beschlossen. Und der wird durchdiskutiert. Solche Aussagen wie die von Kardinal Meisner werden in einem Ausschuss in der Regel nicht diskutiert. Es kann höchstens sein, dass das einmal ein Thema ist, das sich aus einem anderen Thema heraus ergibt.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

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