10.04.2013

Unicef-Bericht über deutsche Kinder Leistungsstark, aber unglücklich

Kinder in Deutschland zeigen im Vergleich der Industrienationen gute Schulleistungen, leben gesundheitsbewusst und sind seltener gewalttätig. Viele fühlten sich laut einer Studie jedoch ausgeschlossen.

Das Lebensumfeld habe sich für Kinder in Deutschland seit 2007 deutlich verbessert, heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten Unicef-Vergleichsstudie zur Lage der Kinder in Industrieländern 2013. Dennoch ist jeder siebte Jugendliche in Deutschland mit sich und seiner persönlichen Lebenssituation unzufrieden.

Soziologe: Perspektiven geben

„Die deutschen Mädchen und Jungen stellen damit sich und ihrer Umgebung ein erschreckendes Zeugnis aus, das uns nachdenklich machen muss“, erklärte der Berliner Soziologe Hans Bertram, Professor an der Berliner Humboldt-Universität, vom Deutschen Komitee für UNICEF. Die einseitige Konzentration auf Leistung und Erfolg führe dazu, dass sich viele Kinder und Jugendliche ausgeschlossen fühlten. „Unsere an Ressourcen reiche Gesellschaft versagt offensichtlich dabei, allen Mädchen und Jungen Hoffnung und Perspektiven auf gerechte Teilhabe zu geben.“

Während deutsche Kinder und Jugendliche in der Studie bezüglich relativer Armut, Gesundheit und Bildung auf Platz sechs liegen, stehen sie bei der Selbsteinschätzung ihrer Lebenszufriedenheit auf Platz 22. In ihrer Untersuchung hat Unicef das Wohlergehen von Kindern in 29 Staaten analysiert. Dabei wurden die materielle Situation, Gesundheit und Sicherheit, Verhalten und Risiken, Bildung sowie Wohnen und Umwelt in den vergangenen sechs Jahren untersucht.

Niederländer belegen ersten Platz

In allen fünf Dimensionen belegten die Niederlande den ersten Platz. Die gute Situation spiegele sich auch in der Selbsteinschätzung von Kindern und Jugendlichen wider, hieß es. Auch die skandinavischen Länder Norwegen, Island, Finnland und Schweden schneiden im Durchschnitt aller Dimensionen besser als Deutschland ab. Rumänien bildet in allen Dimensionen das Schlusslicht der Ranglisten.

Während Deutschland bei der Bildung auf Platz drei vorrücken konnte, hinter den Niederlanden und Belgien, kam es beim Wohnen und Umwelt nur auf Platz 13. Allerdings habe sich in keinem der untersuchten 29 Länder der Anteil der Jugendlichen, die rauchen, in den vergangen Jahren so deutlich reduziert wie in Deutschland, hieß es. Sie konsumieren auch Alkohol und Cannabis deutlich seltener.

Vorbildlich sei zudem die besonders niedrige Gewaltbereitschaft von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, hieß es.

Grundlage der Unicef-Analyse waren die neuesten erhältlichen Daten von Eurostat, OECD, PISA, Weltgesundheitsorganisation und Weltbank. Sie beziehen sich auf die Jahre 2009/2010. Die neue Studie knüpft an frühere Untersuchungen aus dem Jahr 2007 an. Dort schnitt Deutschland insgesamt nur mittelmäßig ab.

 

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