Symbolbild: US-Katholiken
Symbolbild: US-Katholiken

10.06.2021

Warum weiße US-Katholiken kaum Impf-Skepsis zeigen Glaube, Bildung, Impfung

Etwa sieben von zehn weißen US-Katholiken machen ohne Vorbehalte den Oberarm für den Impfschutz gegen Covid-19 frei. Unter allen Glaubensgruppen ist das die zweithöchste Akzeptanz nach den Juden.

Impfen oder nicht - die Einstellung zu dieser Frage lässt sich in den USA anhand von Religionszugehörigkeit und Glaubensrichtung ablesen. Das jedenfalls legt eine Studie des "Public Religion Research Instituts" (PRRI) nahe, die im Auftrag des Interfaith Youth Core den Impfwillen gläubiger US-Amerikaner unter die Lupe nahm. Die Daten stammen von Ende April, dürften sich aber nach Einschätzung von Experten nicht wesentlich geändert haben.

Demnach haben Juden und Katholiken die geringsten Vorbehalte, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen, während bei den Evangelikalen Skepsis und teils offene Ablehnung dominieren. Mehr als zwei Drittel der römisch-katholischen US-Amerikaner haben bereits eine Corona-Impfung erhalten oder wollen sich noch impfen lassen. Nimmt man nur die weißen Katholiken, ist die Bereitschaft noch höher. Eine größere Akzeptanz erreicht die Impfung nur unter den Juden, die zu 85 Prozent bereit sind, sich und damit andere auf diese Weise vor der Infektion zu schützen.

Weiße US-Katholiken höher gebildet

Da weiße US-Katholiken im Schnitt höher gebildet sind als die Angehörigen aller anderen religiösen Gruppen, wirft das bei Demoskopen die Frage auf, ob die Impftbereitschaft auf den Glauben oder die Bildung zurückzuführen ist. Rund 70 Prozent der impfbereiten katholischen Befragten haben einen vierjährigen College-Abschluss vorzuweisen. Deutlich weniger als die Hälfte ist bereit, sich impfen zu lassen, wenn ihr Bildungsniveau nicht über einen High-School-Abschluss hinausgeht.

Weiße Evangelikale lehnen zu rund 40 Prozent den Stich in den Oberarm ab. Das Misstrauen gründet sich auf Vorbehalte gegenüber Forschung, Medizin und Eliten, beobachtet Monique Deal Barlow von der Georgia State University. Christlicher Nationalismus sei "ein führender Prädiktor für das Ignorieren von Corona-Vorsichtsmaßnahmen". Naturwissenschaften seien in weiten Teilen dieser Gruppe diskreditiert.

Evangelikale sind Schlüssel bei Pandemiebekämpfung

Das war vor 50 Jahren noch ganz anders - auch politisch. Da vertrauten konservative Republikaner noch eher der Forschung und weniger der Religion. Unter Demokraten war das genau umgekehrt. Doch entlang der parteipolitischen Linien hat sich das heute ins Gegenteil verkehrt, wie auch Curtis Chang weiß. "Der Weg zur Beendigung der Pandemie führt über die evangelikalen Gemeinden", so der Mitbegründer der Initiative "ChristiansAndTheVaccine.com". Evangelikale machen rund 20 Prozent der US-Bevölkerung aus. Wenn nur die Hälfte von ihnen sich nicht impfen ließe, wäre die Herdenimmunität ernsthaft gefährdet.

Gefordert sind die Glaubensführer, die laut PRRI-Umfrage großen Einfluss auf die Impfbereitschaft in ihren Gemeinden haben. 44 Prozent der Befragten, die nur gelegentlich in die Kirche gehen, gaben an, aktives Werben ihrer Pfarrer ließe sie über ihre Impfbereitschaft nachdenken.

Umgekehrt haben konservative Evangelikale von der Kanzel herab gegen das Impfen gepredigt. So zum Beispiel Tony Spell, Pastor der "Life Tabernacle Church" in Baton Rouge in Louisiana. Selbst als US-Bürger in Massen am Virus starben, erklärte er: "Wir sind gegen Masken, gegen soziale Distanzierung und gegen Impfungen."

Um den Zusammenhang zwischen Impfakzeptanz und religiöser Überzeugung genauer zu unterscheiden, stellte PRRI mehr als 5.000 erwachsenen US-Amerikanern eine Zusatzfrage. Ob der Gang zur Impfung vom christlichen Ideal der Nächstenliebe geleitet werde, fragten die Interviewer. Dem stimmten etwas mehr als die Hälfte der Befragten unter weißen, schwarzen und hispanischen Katholiken und Mainstream-Protestanten zu - was die "Catholic Health Association" dazu motiviert, das religiöse Prinzip der Nächstenliebe offensiv für ihre Impfkampagne zu nutzen. Unter dem Slogan #LoveThyNeighbor appelliert sie ausdrücklich an das christliche Gewissen von Gläubigen.

Thomas Spang
(KNA)

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