Symbolbild Impfstoff
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13.05.2021

Hassmails nach Impf-Plädoyer beim "Wort zum Sonntag" Pfarrerin lässt sich nicht einschüchtern

Weil sie sich in der ARD-Sendung "Wort zum Sonntag" für das Impfen aussprach, hat die Mannheimer Pfarrerin Ilka Sobottke hunderte Hassmails erhalten. Inhalt: Sie arbeite für die Pharmaindustrie und den Leibhaftigen.

Weil sie sich in der ARD-Sendung "Wort zum Sonntag" für das Impfen aussprach, hat die Mannheimer Pfarrerin Ilka Sobottke hunderte Hass- und Schmähkommentare erhalten. Allein in den ersten drei Tagen nach der Ausstrahlung des Beitrags am 1. Mai habe sie rund 600 Mails bekommen, sagte Sobottke dem Evangelischen Pressedienst (epd). Davon seien zwei Drittel negativ gewesen. Sie habe zwar mit Widerspruch und Ablehnung gerechnet, sei aber erschüttert von der Vehemenz.

Nicht nur per Mail und in Telefonanrufen, sondern auch im Internet bei Facebook und Twitter wurde der evangelischen Theologin ein unkritischer Umgang mit dem Impfen oder Propaganda unterstellt.

"Wir sehen uns in der Hölle"

Vorgeworfen wurde ihr etwa, dass sie Gläubige verspotte und "für den Teufel" arbeite: "Wir sehen uns in der Hölle", schrieb jemand. Auch als Lobbyistin für Pharma-Unternehmen wurde sie beschimpft. Ein Zuschauer kündigte seinen Kirchenaustritt an.

Trotz solcher Einschüchterungsversuche und der "sprachlichen Gewalt" mancher Texte werde sie sich weiter äußern, bekräftigte Sobottke. Sie gehe davon aus, dass dies eine von Rechten und Querdenkern gesteuerte Kampagne sei, und verwies auf entsprechende Videos im Netz.

Kein Wille zur Diskussion erkennbar

Bei den meisten Verfassern solcher Hasskommentare sei kein Wille nach Antworten oder einer ernsthaften Diskussion erkennbar, sagte der Medienbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Markus Bräuer, nach Lektüre der Mails. Offenbar fühlten sie sich unterdrückt und nähmen allein schon die Ausstrahlung eines "Wortes zum Sonntag" als Meinungsdiktatur wahr. Ziel sei augenscheinlich die Einschüchterung.

Strafrechtliche Relevanz wird geprüft

Auf Beleidigungen werde die Redaktion nicht antworten. Bei persönlichen Drohungen prüfe sie immer auch eine strafrechtliche Relevanz. "Wir werden alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen", sagte Bräuer dem epd. Hasserfüllte Kommentare erreichten die Redaktion nicht nur beim Thema Impfen, sondern etwa auch dann, wenn es um Flüchtlinge, Muslime, Gender oder Homosexualität gehe.

In der vierminütigen Sendung hatte die evangelische Theologin fürs Impfen geworben. Sie hatte darauf hingewiesen, dass es dabei nicht nur um die eigene Gesundheit gehe, sondern auch um die der Mitmenschen. Dies könne viel Leid vermeiden und sei "etwas fundamental Christliches".

"Wort zum Sonntag" hat rund 1,5 Mio Zuschauer

Mit ihrem Beitrag habe sie niemanden diskreditieren wollte, betonte die Pfarrerin. Die Bedenken der Impfgegner nehme sie ernst und wolle mit ihnen weiter im Gespräch bleiben. Unterstützung erhielt sie von anderen Zuschauern, mehreren Kolleginnen und Kollegen sowie dem Bischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Jochen Cornelius-Bundschuh.

"Impfen kann Menschenleben schützen und ist deshalb ein Ausdruck der Nächstenliebe", sagte Cornelius-Bundschuh dem epd. Das sei in der evangelischen Kirche Konsens.

Damit sei die Diskussion über Sinn und Nutzen einer Corona-Impfung aber nicht beendet. Jeder sei gefragt, sich seine Meinung zu bilden. Wer jedoch Hass säe, die andere Meinung rücksichtslos angreife oder gar die Person bedrohe, überschreite eine Grenze. Das sei inakzeptabel, so Cornelius-Bundschuh.

Das "Wort zum Sonntag" am Samstagabend erreicht wöchentlich etwa 1,5 Millionen Zuschauer und versteht sich als "aktueller Kommentar aus christlicher Sicht" auf die Ereignisse der Woche.

Christine Süß-Demuth
(epd)

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