Berlins Vatikan-Botschafter wirbt für Impfkampagne
Symbolbild Impfung
Impfstoffe gegen Covid-19 von AstraZeneca, BioNTech/Pfizer und Moderna
Impfstoffe gegen Covid-19 von AstraZeneca, BioNTech/Pfizer und Moderna

30.04.2021

Bischöfe und Religionsvertreter rufen zum Impfen auf Ausdruck konkreter Nächstenliebe

Der Appell zur Corona-Impfung kommt von vielen Seiten - auch von Religionsvertretern. Viele Bischöfe werben für den kleinen Pieks, der Leben retten kann. Auch jüdische und muslimische Organisationen rufen dazu auf.

Nach über einem Jahr der Pandemie halten die Debatten um die Corona-Schutzimpfung, mögliche Lockerungen für Geimpfte und die Frage nach einer Aufhebung von Priorisierungen an. Viele hoffen auf eine möglichst schnelle Rückkehr zu einem Stück Normalität. Dazu hat sich die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) bei Bischöfen und anderen Religionsvertretern umgehört.

Gebot der Solidarität

Klare Worte für eine Impfung findet unter anderem der katholische Sozialbischof Franz-Josef Overbeck. Aus seiner Sicht sind "alle Bürgerinnen und Bürger, bei denen keine guten Gründe dagegensprechen, dazu aufgerufen, sich impfen zu lassen". In Ländern mit hohen Impfquoten gingen die Neuinfektionen zurück. Das sei keine statistische Frage, sondern rette Menschenleben.

Eine Impfung schütze nicht nur jeden selbst, sondern auch andere, so der Ruhrbischof. "Impfen ist darum ein Gebot der Solidarität und der einzige Weg, um die Covid-19-Krise langfristig unter Kontrolle zu bekommen." Overbeck warnte zugleich vor einem unsolidarischen "Impfnationalismus". Bei der Bekämpfung der Pandemie müsse - auch angesichts von Mutationen - global gedacht werden.

Der Sozialbischof werde seinen Impftermin "mit Sicherheit wahrnehmen". Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, im Rahmen einer Impfkampagne: "Na klar lass ich mich impfen, weil ich mit der Impfung nicht nur mich, sondern auch andere schütze." Impfen ist aus seiner Sicht ein konkreter Ausdruck von Nächstenliebe.

Wenn man an der Reihe ist

Für den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bayerns Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, steht fest, dass er das Vakzin nimmt, wenn er an der Reihe ist. Zunächst sollten jedoch Menschen versorgt werden, die die Immunisierung dringlicher benötigen: "Wenn es irgendwann eine Situation geben sollte, in der man Menschen motivieren muss, sich impfen zu lassen, wenn mein 'Piks' also nicht nur mir, sondern auch anderen hilft, bin ich jederzeit gern zur Stelle."

Froh über seine Schutzimpfung zeigte sich der Bischof der Diözese Rottenburg Stuttgart, Gebhard Fürst, der als über Siebzigjähriger bereits dran war. Er rufe "alle dazu auf, es genauso zu machen, wenn sie an der Reihe sind". Jeder einzelne trage Verantwortung für die Verhinderung von Infektionen. Auch Bambergs Erzbischof Ludwig Schick betonte, dass die Impfung ein wichtiger Schritt sei, um die Corona-Pandemie zu überwinden.

Geringes Risiko und hoher Nutzen

In Magdeburg hofft Bischof Gerhard Fürst nach eigener Aussage darauf, dass das Vakzin bald nicht mehr nur älteren und besonders gefährdeten Menschen zur Verfügung steht. "Impfen ist - wie schon Papst Franziskus gesagt hat - ein Akt der Nächstenliebe", erklärte er. Es helfe, den Weg in eine von allen ersehnte Normalität zurückzufinden.

Auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx schließt sich dem Papst an, wenn er betont: "Impfen kann eine andere Art der Nächstenliebe sein". Ganz ähnlich sieht es der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode: "Deshalb rufe ich alle dazu auf, sich diesen kleinen Piks geben zu lassen, wenn sie an der Reihe sind." Die Risiken seien gegenüber dem Nutzen nach dem heutigen Wissensstand deutlich geringer.

Schutz für sich und andere

"Jeder, der die Möglichkeit hat, sich impfen zu lassen, sollte mit gutem Beispiel vorangehen", heißt es in einem gemeinsamen Appell des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, und des Präsidenten der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden, Abraham Lehrer. "Denn mit der Impfung schützen wir uns selbst und unsere Umgebung", schreiben sie in der "Jüdische Allgemeine".

Mit Familie und Freunden über das Impfen zu sprechen - dafür wirbt der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD). Imame und Vorstände sollten in ihren Ansprachen "verstärkt für das Impfen gegen Corona werben", heißt es in einem auf der Homepage des ZMD veröffentlichten Rundbrief. Muslime sollten im Kampf gegen die Pandemie nicht nachlassen und sich solidarisch mit ihren Mitmenschen zeigen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stößt also auf viele offene Ohren mit seiner aktuellen Ankündigung, auf alle Religionsgemeinschaften zuzugehen und sie zu bitten, für die Covid-19-Impfung zu werben.

Annika Schmitz
(KNA)

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