Spieler des FC Bayern München
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Bruder Paulus Terwitte
Bruder Paulus Terwitte

18.02.2021

Impf- und Reisebevorzugung von Profi-Fußballern? Vorbildfunktion verfehlt

Profifußballer werden laufend auf Corona getestet. Nun fordert FC-Bayern-Chef Karl Heinz-Rummenigge auch noch, dass Profifußballer früh geimpft werden sollen: als Impf-Vorbilder. Vorbildfunktion geht anders, sagt der Kapuziner Paulus Terwitte.

DOMRADIO.DE: Warum werden Profifußballer laufend getestet, wenn Krankenpfleger und Kitaerzieherinnen warten müssen?

Bruder Paulus Terwitte OFMCap (Kapuzinerbruder und Medienexperte): Wenn es um Fragen der Gesundheit geht, muss man erst einmal feststellen, dass alle Menschen gleich wertvoll und von gleicher Würde sind. Das müssen wir erstmal so in den Blick nehmen.

Der zweite Blick ist natürlich: Wem dienen welche Menschen? Und da entzündet sich die Debatte, weil die Profi-Fußballer für sich in Anspruch nehmen, dass sie der ganzen Gesellschaft dienen. Wenn Millionen von Zuschauern, die sich entspannen und freuen, das Spiel der Bundesliga zu sehen, dann habe man eine gesellschaftliche Relevanz.

Dagegen möchte ich aber auch halten, dass die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Altenheimen und Kindertagesstätten, die im Verborgenen arbeiten und die eine gesellschaftliche Relevanz haben, die oft übersehen wird, genauso wertvoll sind.

Hier müssen wir als Gesellschaft sagen: Wir möchten zuerst, dass diejenigen, die sich vor Ort und mit ihrem ganzen Leben für Einzelne einsetzen, in den Blick genommen werden. Deswegen müssen sich die Profi-Fußballer bitte schön einreihen. Nur weil sie das Geld haben, ist es kein Grund, dass sie dann auch diese Tests haben dürfen.

DOMRADIO.DE: FC Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge hat vor ein paar Tagen den Vorschlag gemacht, Fußballprofis könnten als Vorbilder zuerst gegen Corona geimpft werden. Was halten Sie von der Idee?

Bruder Paulus: Ich glaube, Sie könnten besser Vorbilder sein, indem sie sich zurückhalten und sagen: Wir sind so erwachsen, dass wir uns schützen können. Wir sind so gut finanziell ausgestattet, dass wir uns tatsächlich in unserem beruflichen Alltag bewegen können, dass wir geschützt sind. Selbstverständlich lassen wir denen den Vortritt, die all diese Möglichkeiten nicht haben. Ich hätte mir da sehr gewünscht, Vorbilder im Verzicht zu sehen und in der klaren Stimme für die Schwächeren.

DOMRADIO.DE: Sind die Diskussionen ein Zeichen dafür, dass die Nerven blank liegen?

Bruder Paulus: Natürlich liegen die Nerven blank. Es ist eine seelische Herausforderung, dass niemand weiß, wie diese Pandemie wirklich weitergeht. Niemand weiß, wie die Impfstoffe wirklich wirken. Es gibt auch Veröffentlichungen, die durchaus kritischer sind als das, was man in den Zeitungen liest. In dieser Unsicherheit müssen trotzdem Entscheidungen getroffen werden.

Wenn man sich vorstellt – das möchte ich allen Fußballfans sagen –, dass nur, weil Profifußballer da schneller drankommen, das Geld haben, getestet werden können, weil sie ein Millionenpublikum bedienen, die Pflegerin ihrer Großmutter im Altenheim aber nicht getestet wird, dann spürt man einfach, dass da wirklich etwas nicht stimmt. Wir müssen da als Gesellschaft aufpassen, dass wir den Zusammenhalt nicht aufs Spiel setzen.

DOMRADIO.DE: Die Politik hatte sich ja entschieden. Auch im Lockdown soll Fußball weiter stattfinden. Müsste man da nochmal drüber nachdenken?

Bruder Paulus: Es ist schon ein alter römischer Grundsatz, dass man dem Volk "Brot und Spiele" geben muss. Ich verstehe die Bevorzugung des Fußballs nicht. Es gibt andere Sportarten, die genauso anzuschauen wären. Das verstehen auch viele dieser Sportvereine nicht, die diese anderen Sportarten machen. Dass "Brot und Spiele" das Volk ruhig halten, ist die Erfahrung aller Regierenden. Ich zweifle daran, dass diese Rechnung weiter aufgeht.

Ich hätte mir gewünscht, dass wir einen Lockdown haben, der auch die Bundesliga betrifft. Restaurantinhaber und Einzelhändler leiden darunter und wir müssen uns alle zusammenraufen. Es hätte auch in dieser Sparte der Gesellschaft gut angestanden, aus Solidarität mitzuziehen. Das ist nicht passiert und jetzt steht die Politik da und muss das irgendwie begründen.

Dann kommen noch die Reisebewegungen zu einer, wie ich finde, doch unbedeutenden Club-Weltmeisterschaft hinzu, während alle anderen nicht reisen sollen. Da nehmen sich Leute was raus, was andere sich nicht rausnehmen dürfen.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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