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22.12.2020

Über Weihnachtsgottesdienste wird individuell entschieden Flickenteppich zum Fest?

Über Gottesdienste an Weihnachten unter Corona-Bedingungen ist aus Sicht des Bundesinnenministeriums weiterhin vor Ort zu entscheiden. Die von Bund und Ländern beschlossenen und mit Religionsvertretern besprochenen Regeln gelten weiterhin.

Das sagte ein Ministeriumssprecher am Montag in Berlin. Dazu gehören ausreichend Abstand, Maskenpflicht und das Verbot von Gemeindegesang. Auf Bundesebene seien bislang keine weiteren Gespräche geplant.

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf verteidigte Weihnachtsgottesdienste gegen Kritik. "Viele haben in den derzeitigen Debatten die üblichen übervollen Kirchen am Heiligabend im Kopf. Das wird nicht der Fall sein", schrieb Kohlgraf am Montag bei Facebook.

Die Christmetten würden klein sein und streng alle Hygienevorschriften beachten. Dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach, der am Wochenende mehr Einsatz sowie das Verteilen von FFP2-Masken der Kirchen forderte, entgegnete der Bischof: "Die Versorgung mit Masken scheint mir immer noch die Aufgabe der Regierung zu sein."

Katholische Kirche in NRW hält an Gottesdiensten fest

Am Wochenende hatte sich auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) skeptisch gezeigt, ob Gottesdienste tatsächlich in der bisher geplanten Form stattfinden können. Er kündigte an, noch einmal Gespräche mit den Kirchen führen zu wollen.

Während fast alle evangelische Gemeinden in Nordrhein-Westfalen wegen der Corona-Pandemie auf öffentliche Weihnachtsgottesdienste verzichten, hält die katholische Kirche weiterhin an den Feiern fest.

Die Staatskanzlei habe versichert, dass Laschet öffentliche Gottesdienste nicht insgesamt in Frage stelle, hieß es am Montag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) aus dem Katholischen Büro in Düsseldorf. Er gehe davon aus, dass es in allen fünf NRW-Bistümern neben alternativen Angeboten, wie etwa Onlinegottesdiensten, auch Präsenzgottesdienste geben werde, sagte Leiter Antonius Hamers gegenüber DOMRADIO.DE. Die Menschen könnten in Eigenverantwortung zwischen den Formaten wählen.

Bistümer in NRW uneins

Unter den katholischen NRW-Bischöfen hat bislang allein Essens Oberhirte Franz-Josef Overbeck seinen Pfarreien freigestellt, auf Präsenzgottesdienste zu verzichten. Nach Informationen des "Neuen Ruhr-Wort" (Sonntag) haben bereits mehr als die Hälfte der 42 Pfarreien zwischen Duisburg, Bochum und dem märkischen Sauerland ihre Feiern abgesagt. Die übrigen Bistümer Köln, Aachen, Paderborn und Münster wollen Feiern mit Besuchern anbieten.

Insgesamt rieten die katholischen Bischöfe unterdessen zu vorsichtigen und "besonnenen Weihnachten" in Familien und Kirchen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, bezeichnete die coronabedingten Einschränkungen als vernünftig. "Wer sich dagegen wehrt, der sollte mal auf die Intensivstationen unserer Krankenhäuser und in die Pflegeeinrichtungen schauen, da sieht man die Spitze des Eisbergs", sagte Bätzing in einem Interview des Bistums Limburg.

Die Kirchen müssten sich in der Pandemie einschränken und Verantwortung übernehmen. "Wir als Kirche wollen niemanden durch Gottesdienste gefährden", sagte Bätzing. Deshalb sei es wichtig, etwa Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln einzuhalten. Jeder müsse "klug und verantwortungsvoll" entscheiden, "ob er oder sie zuhause mitfeiert oder persönlich zum Gottesdienst geht".

Fulda: Nach der Messe auf "Grüppchen" verzichten

Das Bistum Fulda mahnte dazu, auch nach den Messen die sonst so beliebte "Grüppchenbildung" zu unterlassen. Solche Treffen mit Freunden und Bekannten auf dem Kirchvorplatz seien an Weihnachten 2020 mit Infektionsrisiken verbunden, betonte die Diözese. Es gelte, Distanz zu halten und Kontakte zu vermeiden - "auch nach der Messe" -, und sich direkt auf den Heimweg zu begeben.

Der katholische Familienbischof Heiner Koch rief auf zu "Solidarität, Selbstdisziplin, Verzicht und Bereitschaft, in Sorge und Verantwortung füreinander in diesem Jahr das Weihnachtsfest anders zu feiern, als wir es gewohnt sind." Der Schutz des Menschen und seines Lebens stünden "vor allem".

Paula Konersmann und Rainer Nolte
(KNA)

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