Zentralkomitee der Katholiken: Verbot von Gottesdiensten unnötig

"Das Fest kann Kreativität freisetzen"

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hat sich gegen ein Verbot von Präsenzgottesdiensten an Weihnachten ausgesprochen. "Mit Abstandsgebot, Meldepflicht, Desinfektion und Rücksicht sind Gottesdienste geplant und möglich."

Symboldbild Maske in der Kirche/Gottesdienst in Corona-Zeiten (Bistum Essen)
Symboldbild Maske in der Kirche/Gottesdienst in Corona-Zeiten / ( Bistum Essen )

Das sagte ZdK-Präsident Thomas Sternberg dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Samstag). Denkbar sei aber, den Gesang dabei grundsätzlich zu untersagen. Der Virologe Alexander Kekulé und der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatten für die Weihnachtsfeiertage ein Gesangsverbot in allen Kirchen gefordert.

Weihnachten ohne Kirchgang sei für viele Menschen kaum vorstellbar, sagte Sternberg. "Und doch wird es für besonders Gefährdete und die, die keinen Platz in den Gottesdiensten erhalten, zur Realität." Der Präsident der katholischen Laienorganisation setzt deshalb auf einfallsreiche Alternativen: "Das Fest kann Kreativität freisetzen mit Hausgottesdiensten, Gebeten, Gesang im Freien und anderem mehr."

"Mit hohem Verantwortungbewusstsein stellen"

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte am Freitag angekündigt, die Frage der Gottesdienste werde mit den Religionsgemeinschaften erörtert. Er gehe davon aus, "dass die Kirchen sich dem mit hohem Verantwortungbewusstsein stellen". Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) forderte die Kirchen in der "Rheinischen Post" (Samstag) auf, wegen der Corona-Pandemie für Weihnachten nach Alternativen zu Gottesdiensten zu suchen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hatte sich zuvor offen dafür gezeigt, für Familientreffen und Weihnachtsgottesdienste zur Not andere, digitale Lösungen zu finden. Dagegen sprach sich der evangelische Landesbischof Ralf Meister aus Hannover dafür aus, trotz der Diskussionen um schärfere Maßnahmen zum Schutz vor Corona an den geplanten Gottesdiensten an Heiligabend festzuhalten.

Gottesdienste im Freien

Der Präses der Evangelischen Kriche im Rheinland, Rekowski, wies darauf hin, dass die Kirchengemeinden mit viel Fantasie Gottesdienstformate entwickelt hätten, "die es ermöglichen, Weihnachten unter besonderen Umständen so risikoarm wie möglich zu feiern". Angesichts der aktuellen Entwicklung der Infektionszahlen würden diese sorgfältigen Planungen in den kommenden Tagen immer wieder überprüft und gegebenenfalls verändert. Möglich seien Gottesdienste im Freien, mit wenigen Teilnehmern und kurzer Dauer in Kirchen oder auch als Online-Veranstaltung. Wegen penibel umgesetzter Hygienekonzepte fühle man sich derzeit in einem Gottesdienst verglichen mit den Erfahrungen beim Einkaufen in einer Fußgängerzone "fast wie ein Einsiedler".

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Stäblein, sagte im Berliner RBB-Rundfunk, Weihnachten draußen und nicht in der Kirche zu feiern, sei zwar ungeplant und ungewöhnlich. Die biblische Weihnachtsgeschichte beginne aber auch "draußen auf dem
Feld" mit Hirten, die dort "mit der Härte des Lebens konfrontiert" gewesen seien, betonte er.

Auch der Intensivmediziner Christian Karagiannidis sprach sich für Gottesdienste im Freien aus. Weihnachtsgottesdienst sollten "nur draußen stattfinden und die maximal mögliche Zahl bei Treffen nicht voll ausgereizt werden", sagte der wissenschaftliche Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag).


Thomas Sternberg / © Harald Oppitz (KNA)
Thomas Sternberg / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
epd