Es wird nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus geforscht
Es wird nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus geforscht
Rainer Löb Malteser Bundesarzt
Rainer Löb Malteser Bundesarzt

11.11.2020

Corona-Impfstoff von BioNTech vor der Zulassung "100prozentigen Schutz gibt es nicht"

Der Corona-Impfstoff des Mainzer Pharmaunternehmen BioNTech soll Anfang 2021 erhältlich sein. Doch wie sicher und wirksam kann er sein? Der Malteser Bundesarzt Rainer Löb wagt einen Ausblick.

DOMRADIO: Wie sicher kann ein Impfstoff sein, der in so schneller Zeit entwickelt wurde? 

Dr. Rainer Löb (Ärztlicher Leiter der St. Barbara Klinik in Hamm und Bundesarzt des Malteser Hilfsdienstes): Das ist die Frage, die wir uns alle momentan stellen. Wichtig dafür ist, sich tatsächlich anzuschauen, auf welcher Methodik der Impfstoff basiert.

Wir haben im Wesentlichen fünf verschiedene Herangehensweisen, die zum Ziel führen sollen. Der Impfstoff, um den es jetzt geht, ist einer, bei dem genetische Information in die Zellen eingeschleust wird, um dort Bestandteile dieses Corona-Virus zu bilden. Der Körper könnte also bei wenigen Nebenwirkungen gezielt Antikörper produzieren. Das klingt zunächst einmal sehr gut.

Aber ganz sicher kann man das natürlich erst sagen, wenn man Menschen, die geimpft worden sind, über längere Zeit beobachtet hat. 

DOMRADIO: Jetzt ist die Rede von einem mehr als 90prozentigen Schutz vor Covid 19. Wie gut sind 90 Prozent in der Medizin? 100 wäre besser, oder?

Löb: Ja, aber 100 Prozent, das wissen wir alle, gibt es in der Medizin nicht. Wir geben auch nie Heilsversprechen, sondern immer nur Behandlungsversprechen. Aus gutem Grund.

Aber 90 Prozent wäre sensationell für einen Impfstoff. Selbst der gut erprobte, wirksame Grippeimpfstoff hat nur eine Wirksamkeit von rund 75 bis 77 Prozent. Und 90 Prozent wäre deshalb wirklich eine absolute Sensation.

Derzeit gibt es nur Zwischenergebnisse, welche die Medien veröffentlichen, bevor sie von Experten wirklich analysiert worden sind. Aber wenn es zuträfe, wäre das gigantisch, weil es wirklich Schutz bietet. 

DOMRADIO: Wie lange kann so ein Impfstoff den Menschen denn schützen? Die Grippeimpfung muss ja jährlich erneuert werden. 

Löb: Ja, aktuell gehen wir davon aus, dass das Impfen bei einem solchen Wirkstoff auch regelmäßig sein muss. Ob jährlich oder alle zwei bis drei Jahre, wissen wir nicht. Wir müssen ja fast alle Impfungen wiederholen. Die gegen Keuchhusten beispielsweise alle zehn Jahre. 

DOMRADIO: Wie groß ist das Risiko von unvorhersehbaren Nebenwirkungen nach der Zulassung? 

Löb: Das Risiko besteht. Und langfristige Effekte lassen sich erst erkennen, nachdem man die Menschen, die den Impfstoff bekommen haben, über Jahre beobachtet hat. Die Methodik spricht dafür, dass es relativ wenig schlimme Nebenwirkungen geben könnte. Aber da es ein völlig neues Verfahren ist, wissen wir auch das nicht genau. 

DOMRADIO: Wie viele Menschen müssten geimpft werden, damit wir wirklich geschützt sind?  

Löb: 75 Prozent der Bevölkerung. 

DOMRADIO: Also sehr viele. Würden Sie sich auch selber impfen lassen?. 

Löb: Ja, wir sind im Gesundheitswesen ganz vorne mit dabei. Allerdings würde ich mir vorher die Methodik ansehen und auch die Daten, die in der Studie publiziert werden.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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