Den Herbst kann man sich auch in diesem Jahr gemütlich gestalten
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Erinnerungen an 2020
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Wegen der begrenzten Besucherzahl bilden sich Warteschlangen vor dem Dom
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Senior mit Schutzmaske
Senior mit Schutzmaske

27.09.2020

Der Herbst lädt in Corona-Zeiten zum Nostalgie-Trip ein Revival des guten alten Dia-Abend

"Tipps für einen kuscheligen Corona-Herbst" - solche Schlagzeilen wecken eher gemischte Gefühle. Neben der Sorge vor steigenden Zahlen könnte der Herbst aber tatsächlich eine Chance für Gemütlichkeit bieten.

Zu Beginn der Corona-Krise scherzten die Menschen darüber, was das Hamstern über die einzelnen Nationen aussage: Als etwa die Deutschen vor allem Nudeln und Toilettenpapier horteten, die Franzosen angeblich Rotwein und Kondome. Über den Sommer hat sich vieles entspannt, doch neuerlich steigende Zahlen und bisweilen verwirrende Regelungen sorgen dafür, dass die Pandemie kaum jemals in Vergessenheit gerät. In dieser Lage kann sich glücklich schätzen, wer etwas ganz anderes gesammelt hat: Erinnerungen.

Erinnerungen für die dunkle und kalte Jahreszeit sammeln

Manchem ergeht es wie der Feldmaus Frederick aus dem Kinderbuch von Leo Lionni. Im Spätsommer sammeln alle eifrig Vorräte für den Winter - nur Frederick nicht. Warum bloß sitzt er die ganze Zeit herum? Eine Zeitlang schaut sich die Familie das an - dann stellt sie ihn zur Rede. Verträumt antwortet Frederick, er sammele Sonnenstrahlen, Farben und Wörter für kalte, graue und lange Wintertage.

Auch wenn der Dauer-Ausnahmezustand bislang als Dauer-Sommer daherkam - Experten raten zur kalten Jahreszeit dazu, sich auf manches zu besinnen, was schon in der Kindheit gutgetan hat. Alte Spielfilme ansehen, einen Spieleabend machen, in Fotoalben blättern. Für Andreas Mäckler hat das Schwelgen in Erinnerungen nichts damit zu tun, in der Vergangenheit zu leben oder sich gar in ihr zu verlieren. Im Gegenteil: "Erinnerung ist Gegenwart", betont der Leiter der Vereinigung deutschsprachiger Biografinnen und Biografen.

Wohltat für die Seele

Es sei ein Grundbedürfnis vieler Menschen, ihre Familien- und Individualgeschichte zu dokumentieren. Wer dies schriftlich oder bastelnd tue, fühle sich zwar in eine bestimmte Zeit zurückversetzt, erklärt Mäckler: "Aber er handelt im Hier und Jetzt. Eine Wohltat für die Seele!"

Um den Wert von Erinnerungsstücken wissen auch Museen. Mehrere Ausstellungshäuser sammeln Fotos, Videos oder Texte, mit denen sich die Corona-Zeit künftig dokumentieren lassen könnte. Denkbar seien Aufnahmen von Nachbarschaftshilfen, Mundschutzmasken oder neuen Schutzvorkehrungen am Arbeitsplatz.

Auch die Museen des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) sammeln solche Eindrücke. Katrin Bauer ist Volkskundlerin am Bonner LVR-Institut für Landeskunde und forscht zu Fotoalben als "Archiv des Alltags". Ihr zufolge sind die Alben untrennbar mit den Geschichten verbunden, die Menschen über sie erzählen.

"In Fotoalben selbst finden sich nur die schönen Seiten des Lebens", erklärt die Expertin. Familienfeiern etwa oder Reisen - dagegen kommen Krankheiten oder der Tod nur in Ausnahmefällen vor.

Auszeit vom Alltag

"Allerdings erzählen die Menschen oft traurige Geschichten, wenn sie ihre Alben zeigen. 'Ach, guck mal, bei dieser Feier war Onkel Heinz noch dabei, und kurz danach ist er gestorben', solche Sätze fallen häufig." Wer in einem Fotoalbum blättere, arbeite damit immer auch einen Teil der eigenen Biografie auf.

In Krisenzeiten könne das eine Stütze sein, sagt Bauer. "Wenn Routinen auf den Kopf gestellt sind, besinnen sich viele Menschen auf etwas, das ihnen Sicherheit gibt." In Fotoalben oder auf Dias seien die "guten alten Zeiten" festgehalten - und noch dazu liebe Menschen, die man derzeit vielleicht nicht persönlich treffen könne. "Diese Aufnahmen ermöglichen eine Auszeit vom Alltag, ähnlich wie ein gutes Buch oder Musik", erklärt die Forscherin.

Welche Bilder und Erinnerungen aus der Corona-Zeit eines Tages tatsächlich museumsreif sein werden, sei noch schwer abzuschätzen.

2020 wird als Jahr der Corona-Pandemie in Erinnerung bleiben

"Aber es ist interessant zu sehen, was den Menschen momentan wichtig ist", sagt Bauer. Viele bemerkten, was im Alltag fehle. "So wie jeder weiß, was er am 11. September 2001 oder beim Mauerfall gemacht hat, werden sich auch viele bewusst an diese Zeit erinnern", vermutet die Wissenschaftlerin. "Solche einschneidenden Ereignisse sind nicht nur für die historisch-politische Entwicklung wichtig, sondern auch für persönliche Biografien."

Einstweilen erfahren Diaprojektor und Fotoalbum ein Revival - denn ähnlich wie die Mäuse um Frederick lebt auch der Mensch nicht von Nudeln allein. Als die Vorräte im Kinderbuch knapp werden, rettet die vermeintlich faule Maus die Moral: Die gesammelten Sonnenstrahlen sorgen für Wärme, die Farben für weniger Tristesse.

(KNA)

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