Lebensmittelausgabe in den USA
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Lebensmittelspende an Obdachlosen in den USA
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Autoschlange vor Lebensmittelausgabe in den USA
Autoschlange vor Lebensmittelausgabe in den USA

10.09.2020

Corona-Pandemie führt zu Ernährungskrise in den USA Wenn die Mittelschicht die Tafeln abklappert

In der Corona-Krise ist Hunger ein Problem für viele US-Amerikaner geworden; rund 54 Millionen könnten bald von Lebensmittelhilfen abhängig sein. Die Auto-Schlangen vor den "Tafeln" sind zum Symbol der Krise geworden.

Alexis Frost Cazimeros Einkaufsroutine ist nicht mehr dieselbe wie vor Ausbruch der Pandemie. Vorbei die Zeiten, in denen die 40-Jährige den nahe gelegenen Supermarkt ansteuerte. Nun geht sie in ihrem Minivan ausgerüstet mit einer Liste von Adressen und Öffnungszeiten im Großraum San Diego auf "Tafel-Tour".

Die Kinder freuen sich immer auf die Station bei "Mary's Donuts" in Lakeside, wo es süßes Gebäck gibt. 16 Meilen weiter beim "Jewish Daily Service" holt Alexis frische Mangos, Käse und hartgekochte Eier gratis. Danach besorgt sie im "Ocean Discovery Institute" Babywindeln, Hefte und Stifte. Wasser und Haferflocken spendiert die Heilsarmee. Eine Rundfahrt, die nichts kostet - außer ein paar Stunden ihrer Zeit und Sprit. Danach beginnt die Tauschbörse via Facebook: "Habe Toilettenpapier, brauche Waschpulver."

Autoschlagen als Symbolbild der Krise

Die Cazimeros sind nur ein Beispiel für die neue Armut im Land, seitdem Millionen Amerikaner in der Pandemie ihre Jobs verloren haben. Die Angst vor dem sozialen Abstieg und die Scham erleben derzeit Millionen Amerikaner, ausführlich dokumentiert vom Journalisten Tim Arango und Fotografin Brenda Ann Kenneally für das "New York Times Magazin".

Wenn Historiker später auf die Corona-Zeit zurückblicken, werden die "endlosen Autoschlangen mit hungrigen Amerikanern" als symbolisches Bild der Krise in Erinnerung bleiben, ist sich Arango sicher. Den neuen Hunger in den USA verglich der katholische Pressedienst CNS schon im April mit einem "Tsunami".

Kraftakt für Hilfsorganisationen

"Feeding America", das größte Netzwerk von Lebensmittelbanken, prognostiziert bis Jahresende rund 54 Millionen US-Bürger, die auf Lebensmittelhilfe zurückgreifen müssten; fast eine Verdopplung im Vergleich zu Vor-Coronazeiten. Vier von zehn der gut 330 Millionen US-Amerikaner benötigen zum ersten Mal in ihrem Leben Nahrungsmittelhilfe.

Eine Herausforderung auch für die "Catholic Charities", die schon vor Ausbruch der Pandemie pro Jahr mehr als zwölf Millionen Menschen Hilfe leisteten. Für den größten katholischen Wohlfahrtsverband der USA war die Speisung der Hungrigen schon immer eine Kernaufgabe. Allein zwischen April und Juli flossen rund 400 Millionen US-Dollar in die Corona-Nothilfe, vor allem für Nahrungsmittel.

Ein Kraftakt mit großem Engagement der Spender, so die Präsidentin der Hilfsorganisation, Schwester Donna Markham. "Die Großzügigkeit von Unternehmern, Stiftungen und Einzelpersonen ist überwältigend", erklärte sie vor wenigen Wochen. Und die Nachfrage wird voraussichtlich zunehmen, meint der Erzbischof von Oklahoma City, Paul Coakley, der in der US-Bischofskonferenz für das Thema zuständig ist.

Höchststand seit 20 Jahren

30 Millionen US-Amerikaner gaben Ende Juli in einer offiziellen Erhebung an, nicht genügend zu essen zu haben. Jeder Dritte davon lebt in Haushalten mit Kindern. Der höchste Stand seit 20 Jahren, so Lauren Bauer, eine Expertin für Ernährungsunsicherheit, die für die gemeinnützige "Brookings Institution" in Washington arbeitet.

Allein eine einzige Tafel in Memphis im US-Bundesstaat Tennessee, versorgte zwischen März und August mehr als 18.000 Menschen mit Essen - zehnmal so viel wie im gesamten Vorjahr.

Lichtblick in der Krise

Alexis Frost Cazimero musste auf ihrer neuen Einkaufsroute lernen, mit dem zu leben, was im Angebot ist. "Im reichsten Land der Welt ist es so leicht, sich ungesund zu ernähren", reflektiert sie eine Sorge, die vor allem auch von Medizinern geäußert wird. Obwohl viele Tafeln frische Produkte lokaler Bauern im Angebot haben, überwiegen doch Lebensmittelpakete mit fett- und zuckerreicher und nährstoffarmer Nahrung. Die Folge sind Fettleibigkeit und Diabetes, was die Betroffenen noch anfälliger für das Virus macht.

Trotz allem kann Alexis ihrer privaten Krise etwas Gutes abgewinnen. Ohne Job fühlt sie sich nicht mehr so getrieben. "Ich kann mit weniger auskommen, und wir haben als Familie so viel mehr wertvolle Zeit verbracht."

Thomas Spang
(KNA)

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