Im Traumazentrum Olame in Bukavu, das die katholische Sozialarbeiterin Thérèse Mema Mapenzi aufgebaut hat, nähen Frauen Mund-Nasen-Schutze. Der Erlös aus dem Verkauf kommt den Familien zugute, die am meisten unter den Folgen von Corona leiden.
Im Traumazentrum Olame in Bukavu, das die katholische Sozialarbeiterin Thérèse Mema Mapenzi aufgebaut hat, nähen Frauen Mund-Nasen-Schutze. Der Erlös aus dem Verkauf kommt den Familien zugute, die am meisten unter den Folgen von Corona leiden.
Im rumänischen Satu Mare unterstützt die Kirche arme Familien durch Lebensmittelpakete, aber auch durch gesundheitliche Aufklärung und sozialpädagogische Begleitung.
Im rumänischen Satu Mare unterstützt die Kirche arme Familien durch Lebensmittelpakete, aber auch durch gesundheitliche Aufklärung und sozialpädagogische Begleitung.
Dr. Beena Madhavath aus Mubay, Indien, ist Ordensfrau und Ärztin.
Dr. Beena Madhavath aus Mubay, Indien, ist Ordensfrau und Ärztin.
Trotz Corona nahe bei den Menschen: Schwester Neusa von der Fischerpastoral in Brasilien bringt Masken, Hygieneartikel und Lebensmittel in das Dorf Croatá).
Trotz Corona nahe bei den Menschen: Schwester Neusa von der Fischerpastoral in Brasilien bringt Masken, Hygieneartikel und Lebensmittel in das Dorf Croatá).

05.09.2020

Wie die Kirche den Ärmsten in der Corona-Pandemie hilft Pandemie weltweit begegnen

Das Corona-Virus betrifft alle Menschen. Schutzlos sind sie auch in Lateinamerika, Afrika, Asien oder im Osten Europas der Pandemie ausgeliefert. Corona bedeutet dort nicht allein Krankheit. 

Schlimme Folgen sind Hunger, Arbeitslosigkeit und ein Kampf ums Überleben. Zur Corona-Kollekte am Sonntag und zum Gebet in Solidarität mit den Leidtragenden weltweit rufen die Deutsche Bischofskonferenz, die Bistümer, Hilfswerke und Orden auf. Für deren Partnerorganisationen in der Weltkirche und ihre Corona-Arbeit ist der Erlös bestimmt. Unzählige Freiwillige in den Gemeinden, Ordensleute und Priester geben weltweit ein mutiges Beispiel, wie tätige Nächstenliebe die unmittelbaren Folgen der Pandemie lindert. Wen die Corona-Kollekte unterstützt, illustrieren vier Beispiele aus vier Kontinenten.

Afrika: Masken nähen im Traumazentrum – in der kriegsgeschüttelten Demokratischen Republik Kongo ist Corona eine zweite Katastrophe

Seit 20 Jahren erschüttern bewaffnete Kämpfe um wertvolle Rohstoffe den Osten der Demokratischen Republik Kongo. Jetzt bahnt sich mit der Verbreitung des Corona-Virus eine zusätzliche Katastrophe an. Die Infektionszahlen steigen. Durch die verhängten Einschränkungen verlieren die Mehrzahl der einfachen Menschen ihre Arbeit. Dadurch können sie kaum noch ihre Familien ernähren. In dieser Lage sind die kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort Seelsorger, Sozialarbeiter und Krisenmanager in einer Person. Sie verfügen über ein starkes Netzwerk, das auch in der Corona-Not Hilfe möglich macht.

So wie Thérèse Mema Mapenzi. Die erfahrene katholische Sozialarbeiterin und Therapeutin leitet das Zentrum Olame in Bukavu. Hier finden eigentlich die Opfer des blutigen Konflikts um die Rohstoffe des Landes medizinische und psychologische Hilfe. In der aktuellen Krise aber versorgt sie gemeinsam mit den Frauen und Mädchen des Zentrums die Bevölkerung mit dringend benötigten Hygieneartikeln. Sie nähen Masken, stellen Seife und Desinfektionsgel her. Neben dem Beitrag zur Hygiene hat diese Aktion einen zweiten Effekt: Der Verkaufserlös der Hygienesets kommt den Familien zugute, die wegen Corona am dringendsten finanzielle Hilfe brauchen.

Lateinamerika: "Der Tod klopft an unsere Türen“ – in Brasilien gibt es schlicht keine Intensivmedizin für alle

Schwester Neusa de Nascimento von der Fischerpastoral in Nordostbrasilien hatte früh reagiert, als das Corona-Virus begann, sich in ihrem Heimatland rasend schnell zu verbreiten. Sie sorgte mit Hilfe aus Deutschland für Masken, Desinfektionsmittel und vor allem für Nahrungsmittel. Der Lockdown, so die Ordensfrau, habe den Menschen ihre Arbeit und den Broterwerb geraubt: Wer nicht aus dem Haus gehen darf, verdient kein Geld. Bauern konnten ihre Ernte nicht mehr verkaufen. Dem Corona-Virus folgte der Corona-Hunger.

Brasilien zählt mit fast vier Millionen bestätigten Corona-Fällen und weit über 100.000 Toten zu den am schwersten von der Pandemie betroffenen Ländern. Das Virus, das sich zunächst in den Städten verbreitete, gelangt jetzt in die ländlichen Regionen: Viele glauben sich bei Familiengehörigen auf dem Land sicherer – und bringen das Virus mit.

"Die Dörfer unserer ärmlichen Region am Rio São Francisco hatten schon vor der Corona-Krise eine unzureichende medizinische Versorgung“, berichtet Schwester Neusa. Intensivmedizin sei schichtweg nicht vorhanden, eine Versorgung gebe es nur für den, der direkt dafür bezahle: "Heute klopft der Tod an unsere Türen.“

Asien: Eine Schwestern-Ärztin in Indien lässt die Freude durchhalten, Leiden lindern zu können

"Als ich im Februar von den ersten Corona-Fällen in Indien hörte, packte mich die Sorge“, erinnert sich Dr. Beena Madhavath. "Angesichts des fragilen Gesundheitssystems in Indien war mir schleierhaft, wie wir diese Krise bewältigen können.“ Sie gehört der Ursulinen-Kongregation an, ist eine der so genannten Schwestern-Ärztinnen, die von Deutschland aus unterstützt werden. Außerdem ist sie stellvertretende Direktorin des "Heilige-Familie“-Krankenhauses in Mumbai.

Der Krankenhausleitung war schnell klar, dass sie vor einer Pandemie standen, die Indien auf extreme Weise herausfordern würde. Ein Notfallplan wurde entwickelt und sofort mit der Umsetzung begonnen. „Wir waren eines der ersten Krankenhäuser, das Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus umsetzte.“ Die Zeit seit dem Ausbruch des Virus beschreibt Dr. Beena Madhavath als sehr herausfordernd.

Was lässt sie durchhalten? "Die Freude, Leiden lindern zu können“, sagt sie schlicht und erzählt von einem 71-jährigen Patienten, der reanimiert werden musste. Bei seiner Entlassung kam er zu ihr und flüsterte Dankesworte. "Ich war von seiner Geste tief bewegt“, sagt die Schwesternärztin. "Das war ein erfüllender Moment für das gesamte medizinische Team.“

Osteuropa: Notwendige Hilfe für die Tagelöhner in Rumänien

Auch in Rumänien waren arme Familien stark von den Corona-Maßnahmen betroffen. Pfarrer Ioan-Laurențiu Roman, Caritasdirektor im Bistum Satu Mare, berichtet: "Über den Winter hatten die Familien ihre Ressourcen aufgebraucht. Im Frühjahr hätten sie nun dringend wieder Beschäftigung finden müssen, zum Beispiel als Tagelöhner. Doch die Beschränkungen ließen dies nicht zu – und ohne feste Arbeitsstelle hatten die Familien keinen Anspruch auf staatliche Hilfen.“

Weil auch die kirchlichen Tageszentren geschlossen werden mussten, entfiel obendrein das warme Mittagessen für die Kinder. Um die größte Not zu lindern, hat eine kirchliche Organisation in Satu Mare schnelle Hilfe organisiert und alleine in den ersten Wochen mit vielen Freiwilligen rund 400 Lebensmittelpakete verteilt – und ebenso wichtig: den Menschen zugehört. Pfarrer Roman: "Immer wieder sprachen sie von den gleichen Sorgen: verlorene Arbeitsplätze, die Unmöglichkeit, Arbeit zu finden das schwierige Zusammenleben in den engen Wohnungen, oft mit nur einem Zimmer.“ Dank der Hilfe der Freiwilligen und der finanziellen Unterstützung auch aus Deutschland konnten die Familien die schwierigen Wochen des Lockdowns besser überstehen.

(DBK)

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