Diakonie (Symbolbild)
Diakonie (Symbolbild)

12.08.2020

Kölner Diakonie Michaelshoven erstattet Anzeige nach Morddrohungen "Ich habe mir wirklich Sorgen gemacht"

"Pädagogische Fachkraft" zur Inobhutnahme von Kindern mit Corona-Verdacht. Auf diese Stellenanzeige hagelt es seit Tagen Kritik und Drohungen, überwiegend von Corona-Leugnern. Die Diakonie Michaelshoven zieht Konsequenzen, gesteht aber auch Fehler ein.

DOMRADIO.DE: Die Kombination Quarantäne, Inobhutnahme und Kinder wird von manchen Menschen so verstanden: Es gibt Pläne, Kinder und Jugendliche zukünftig wegen einer Corona-Quarantäne ihren Eltern zu entziehen. Wie viel Wahrheitsgehalt steckt da drin?

Birgit Heide (Theologischer Vorstand Diakonie Michaelshoven): Es ist natürlich überhaupt nicht so, wie Sie es eben zitierend wiedergegeben haben. Inobhutnahme ist ein gängiger, allerdings auch ein seltener Vorgang in der Jugendhilfe. Man nimmt Kinder, bei denen es in den Familien, so will ich mal sagen, derzeit nicht stimmt, wo es schwierig ist für die Kinder, dort ein gutes Zuhause zu erleben, auf Zeit aus dieser Familie heraus. Das können natürlich in der aktuellen Situation auch Kinder sein, die vielleicht wegen Corona unter Quarantäne gestellt werden müssen.

Wir haben eine solche Gruppe auf Bitten des Jugendamtes der Stadt Köln eingerichtet, haben gesagt: Ja, auch diesen Kindern wollen wir helfen. Wir haben hier ein Angebot. Da nehmen wir Kinder in Obhut, die wegen der häuslichen Situation nicht zu Hause bleiben können und die möglicherweise unter Corona-Quarantäne gestellt werden.

DOMRADIO.DE: Und aufgrund dieses Missverständnisses hat es dann Drohungen gegen die Diakonie gehagelt.

Heide: Wir haben, um mal eine Zahl zu nennen, mehr als 500 E-Mails bekommen und weit über tausend Kommentare in sozialen Netzwerken. Darunter waren auch persönliche Drohungen gegenüber Mitarbeitern, die aufgrund von Aktivitäten in den sozialen Medien identifiziert werden konnten. Ich habe mir wirklich Sorgen um diese Kolleginnen und Kollegen gemacht.

DOMRADIO.DE: Planen Sie denn, diesen Drohungen noch nachzugehen?

Heide: Ja. Da, wo Mitarbeiter so bedroht worden sind, dass sie Angst um Leib und Leben haben müssten, haben wir Anzeige bei der Polizei erstattet.

DOMRADIO.DE: In solchen Situationen kommt häufig auch so ein Druckmittel, dass Leute sagen Ich trete deswegen aus der Kirche aus. Haben Sie das auch erlebt?

Heide: Ja, das habe ich auch erlebt. Es ist tatsächlich so, dass eine deutliche Gruppe unter den verärgerten Kritikern - so will ich mal etwas beschwichtigend nennen - entweder sich bereits aus der Kirche verabschiedet hat und gesagt hat: Jetzt sehe ich mich in meiner Entscheidung bestätigt, oder sagt: Das bringt jetzt das Fass zum überlaufen, ich trete aus der Kirche aus. Unterschiedslos auch, ob evangelisch oder katholisch. Alles egal. Ich glaube, da hatte sich viel Frust aufgestaut. Natürlich werden da Dinge miteinander vermischt, die miteinander gar nichts zu tun haben.

DOMRADIO.DE: Nun werden aus China solche Geschichten tatsächlich berichtet, dass zumindest ältere Kinder von ihren Eltern getrennt in Quarantäne mussten. Haben Sie in Ihrer Stellenanzeige vielleicht die Worte nicht sorgfältig genug abgewogen?

Heide: Ja, das glaube ich auch. Ich glaube, dass wir die Stellenanzeige besser hätten formulieren können. Sie müssen aber auch sehen: Die Stellenanzeige wird von Fachleuten für Fachleute geschrieben, und den Fachleuten in der Jugendhilfe ist natürlich der Begriff Inobhutnahme vollkommen präsent. Die wissen, was das bedeutet und auch, was da vorausgehen muss, damit so eine Inobhutnahme überhaupt stattfindet. Aber wir haben jetzt gelernt: Solche Stellenanzeigen werden nicht nur von Fachleuten gelesen. Wir werden das zukünftig sorgfältiger überlegen.

Das Gespräch führte Tobias Fricke.

(DR)

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