Bischof verurteilt Gewalt in Kolumbien
Ein Soldat in Kolumbien während der wegen des Coronavirus verhängten Ausgangssperre
Bischöfe in Kolumbien warnen vor Gefährdung der Demokratie
Symbolbild Kolumbien

18.06.2020

Caritas International zur Corona-Lage in Kolumbien "Schutzlos ausgeliefert"

Menschenrechtsverletzungen im Schatten der Corona-Krise? In den vergangenen Monaten wurden über 20 Friedensaktivisten in Kolumbien ermordet, beklagt Caritas International. Die Probleme des Landes liegen aber tiefer.

DOMRADIO.DE: Seit Ende März herrschen in Kolumbien schon Ausgangsbeschränkungen, wie kann es denn dann überhaupt zu so vielen Übergriffen kommen?

Jonas Brenner (Länderreferent Caritas International): Das liegt vor allem daran, dass der Staat in ländlichen Regionen sehr wenig präsent ist und die betroffenen Personen jetzt dazu gezwungen sind, in ihren Häusern zu bleiben und da ein einfaches Ziel für bewaffnete Gruppen sind.

DOMRADIO.DE: Im Fokus der Übergriffe stehen vor allen Dingen Friedensaktivisten. Warum ist das so?

Brenner: Das sind Menschen, die sich für die Umsetzung des Friedensabkommens einsetzen, die für Landrechte eintreten. Und das sind meistens Personen, die den Interessen von bewaffneten Akteuren entgegenstehen.

DOMRADIO.DE: Und die Regierung? Die schaut einfach tatenlos zu oder lässt das möglicherweise sogar bewusst zu?

Brenner: Ich glaube, es ist eine Mischung dazwischen. Es ist auf jeden Fall so, das glaube ich, kann man sagen, dass die Regierung derzeit, und auch schon seit Beginn des Friedensprozesses, zu wenig tut, um die betroffenen Menschenrechtsaktivisten zu schützen.

DOMRADIO.DE: Sie haben jetzt den Friedensprozess angesprochen. In Kolumbien ist 2016 einer der längsten Bürgerkriege der Welt zu Ende gegangen. Dafür gab es sogar den Friedensnobelpreis für die Beteiligten. Tatsächlich kann man aber sagen, dass die Lage heute dort schlechter ist als vor der Unterzeichnung des Friedensvertrages. Wie ist so etwas möglich?

Brenner: Ich glaube, dass das zu einfach ist. Man kann nach einem so langen Bürgerkrieg nicht erwarten, dass sich die Situation in wenigen Jahren verändert. Zu Beginn gab es wirklich gute Fortschritte. Die ehemaligen Kämpfer haben ihre Waffen abgegeben, aber es ist in den letzten Jahren zu beobachten, dass die Regierung zu wenig tut, um ihre Versprechen einzuhalten. Und daher ist es leider in einigen Bereichen so, dass es Rückschritte gibt.

DOMRADIO.DE: Wie hart trifft die Pandemie die Menschen in Kolumbien, medizinisch und auch wirtschaftlich?

Brenner: Kolumbien verfügt nicht über ein ähnliches Gesundheitssystem wie Deutschland. Insbesondere in ländlichen Regionen gibt es nur eine rudimentäre medizinische Versorgung, geschweige denn Intensivbetten oder Beatmungsgeräte. Das heißt, vor allem in den ländlichen Regionen sind die Menschen in den Gemeinden ohne Gesundheitsversorgung.

Und gleichzeitig ist es so, dass die Corona-Krise die ohnehin schon große soziale Ungleichheit und Marginalisierung in Kolumbien dramatisch verschärft, weil insbesondere Personen, die im informellen Sektor arbeiten, jetzt von diesen Ausgeh-Beschränkungen natürlich sehr stark betroffen sind, weil sie über keinerlei Einkommen verfügen.

DOMRADIO.DE: Vielleicht noch ein Wort zu den Flüchtlingen aus dem gebeutelten Nachbarland Venezuela. Wie wirkt sich da Corona aus?

Brenner: Für die gilt eine ähnliche Situation. Die Flüchtlinge oder Migranten aus Venezuela sind letztendlich der Corona-Krise schutzlos ausgeliefert. Sie verfügen teilweise über keine Unterkünfte, nicht ausreichend Nahrungsmittel und haben natürlich auch keine Möglichkeiten, die strengen Auflagen der Regierung zu befolgen.

DOMRADIO.DE: Die Not ist wirklich groß. Wie versuchen Sie von Caritas International, die Menschen in Kolumbien zu unterstützen?

Brenner: Wir haben erstmal versucht, alle unsere Hilfsprojekte, die wir in Kolumbien haben, mit Corona-Maßnahmen auszustatten. Das ist jetzt eine große Komponente, die wir in vielen Projekten haben. Das geht von Hygiene-Aufklärung, Gesundheitsschutz über die Verteilung von Schutzausrüstung. Aber wir versuchen natürlich auch, die Gemeinde-Kapazitäten zur Gesundheitsversorgung selbst zu stärken. Es geht einmal um elementare medizinische Versorgung, aber auch um den Schutz von besonders risikogefährdeten Personen.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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