Die ersten Gottesdienste werden wieder öffentlich gefeiert
Geöffnete Kirchentür

26.05.2020

Berliner Kirche bietet Muslimen "Corona-Asyl" Freitagsgebet in christlichem Gotteshaus

Muslime feiern das Freitagsgebet in einer Kirche? So geschehen nun in Berlin. Der evangelische und katholische Bischof der Hauptstadt hatten die Idee zu der Aktion. Wie das in der Realität ankommt, erzählt Pfarrerin Monika Matthias.

DOMRADIO.DE: Als Gottesdienste in Berlin wieder zugelassen wurden, haben sich der katholische und der evangelische Bischof von Berlin dafür ausgesprochen, dass man sich gegenseitig mit Räumlichkeiten hilft – aber auch anderen Religionsgemeinschaften, deren Räumlichkeiten zu beengt sind, um die Hygiene einhalten zu können.

Die Evangelische Martha-Gemeinde in Berlin-Kreuzberg hat jetzt den Anfang gemacht und am vergangenen Freitag Muslimen ermöglicht, in der Kirche zu beten, weil deren Räumlichkeiten einfach zu eng sind. Wie lief denn das muslimische Gebet in der Kirche ab?

Monika Matthias (Pfarrerin der Evangelischen Martha-Gemeinde in Berlin-Kreuzberg): Manchmal gibt es eine Predigt auf Arabisch und manchmal auf Deutsch. Beim ersten Gebet, das hier stattfand, war die Predigt auf Deutsch. Da habe ich mich dann gleich entschieden, hinzugehen und teilzunehmen. Eine Kollegin und jemand aus dem Gemeindekirchenrat sind mitgekommen. Wir wurden sehr freundlich empfangen. Wir haben uns mit Mundschutz an die Seite gesetzt. Ein Kopftuch war nicht nötig. Wir konnten uns sozusagen in der gewohnten Weise bewegen.

Mich berührt immer der muslimische Gebetsruf sehr. Der geht bei mir durch die Ohren ins Herz und führt bei mir dazu, mich mit der höchsten und tiefsten Wirklichkeit zu verbinden.

Das Beten findet mit den bekannten Gesten und Verbeugungen statt. Ich kann damit auch sehr viel anfangen. Bei uns im Christentum spielen ja die Bewegungen leider nicht mehr so eine große Rolle, jedenfalls in der protestantischen Kirche. Sich immer wieder vor der weitesten und innigsten Wirklichkeit, die wir Gott oder Allah nennen, zu verneigen und die Hände als Zeichen des Hörens an die Ohren zu legen, ist auch etwas, womit ich innerlich sehr viel anfangen kann.

DOMRADIO.DE: In den Kirchen stehen ja Kirchenbänke. In Moscheen ist hingegen Teppich ausgelegt, auf dem man kniet. Wie war das bei Ihnen in der Kirche? Haben Sie da umgeräumt?

Matthias: Nein. Unsere Martha-Kirche wurde in den 1970er Jahren umgebaut. Wir haben eine horizontale Teilung. Unten befindet sich eine Kinder- und Jugendetage und oben ist der Kirchenraum mit einer freien Bestuhlung. Die Stühle stehen gerade sowieso in zwei- bis zweieinhalb Meter Abstand. Deshalb haben wir die Stühle einfach weggeräumt. Unsere muslimischen Verantwortlichen haben dann Klebestreifen platziert, damit die Abstandsregeln eingehalten werden. An der Seite sind Bänke, auf denen haben wir dann gesessen.

DOMRADIO.DE: Es gibt sicher positive Stimmen, wenn eine Kirche ihre Gottesdiensträume für Muslime öffnet. Aber haben Sie auch kritische Stimmen erreicht?

Matthias: Ich möchte gerne etwas zu beidem sagen. Es hat uns wirklich sehr bewegt, wie viele berührende Anrufe und E-Mails wir aus der ganzen Welt bekommen haben. Es gab auch einen Anruf wie diesen: "Ich komme aus der Türkei. Ich bin Moslem. Ich lebe schon seit 30 Jahren hier und jetzt habe ich das mitbekommen. Jetzt fühle ich mich das erste Mal richtig zuhause hier in Kreuzberg." Das ist sehr bewegend.

Kritische Nachfragen gibt es aber auch, was ja rechtens ist. Manche sind sehr suchend. Manche sind aber eher schon dahingehend wissend, dass das nicht gut sein kann. Also, es gibt sehr unterschiedliche Reaktionen und in der Tat eine breite Palette. Mich berührt aber vor allem, dass so eine kleine Geste so viel Freude, Berührung und Beheimatung hervorruft.

DOMRADIO.DE: Sie haben aus einer Notlage gehandelt. Aber kann aus dieser Aktion mehr werden? Haben Sie das Gefühl, dass von beiden Seiten Interesse aneinander besteht?

Matthias: Wie es konkret weitergeht, weiß ich nicht. Da gibt es auch noch keine Pläne. Ich weiß nur, dass wir jetzt gemeinsam wichtige Erfahrungen machen. Wir haben beide den Eindruck, dass wir Hoffnungsbilder in die Welt hinaus senden. Darüber sind wir sehr glücklich und fühlen uns gesegnet.

Ich bin der tiefen Überzeugung, dass globale Krisen solidarische Antworten brauchen - sei es nun bei Pandemien oder bei der Klimakrise. Ich denke, wir brauchen die Weisheit, die Friedenskraft und die Kraft zur Umkehr aller Religionen, damit wir eine zukunftsfähige und lebenswerte Welt weiterentwickeln.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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