Karl Rahner Akademie
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Kommunionausteilung mit Handschuhen
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Öffentlicher Gottesdienst in Zeiten von Corona – hier in Bonn
Öffentlicher Gottesdienst in Zeiten von Corona – hier in Bonn

15.05.2020

Wie geht Gottesdienst in Corona-Zeiten? Gottesdienst auf dem Friedhof und Messe im Dom

Gottesdienst mit Anmeldung, Abstand und ohne Gesang. Viele Gemeinden sind auf der Suche nach einer Form für den Gottesdienst in Corona-Zeiten. Die Karl Rahner Akademie machte das zum Thema ihrer ersten Veranstaltung nach dem Lockdown.

Sich treffen, zuhören, mit engagierten Christen reden. "Wein und Wahrheit" heißt die Diskussionsreihe, mit der die Karl Rahner Akademie in Köln nach der Lockdown Pause wieder ins Programm eingestiegen ist. Natürlich mit allen Abstandsregeln, da wird keine Weinflasche von Hand zu Hand weitergereicht. Akademieleiter Norbert Bauer geht herum und schenkt auf Nachfrage persönlich ein. Dass der Wein gut ist, da sind sich alle einig. Auf der Suche nach der Wahrheit für den angemessenen Gottesdienst in Corona-Zeiten wird hingegen heftig diskutiert.

Endlich wieder öffentliche Gottesdienste

Wie funktionieren die Corona-Gottesdienste, wie klappt die Eucharistiefeier? Wie erleben die Gläubigen in den Gemeinden die Situation? Darum geht es zunächst. 25 Besucher sind gekommen. Mehr dürfen nicht - wegen der Abstandsregeln, bedauert Norbert Bauer, denn das Interesse an diesem Abend sei groß gewesen.

"Endlich wieder ein Gottesdienst in der Gemeinde", schildert eine Frau ihre Gefühle, nachdem sie vor einer Woche wieder eine Messfeier besuchen konnte: "Sie glauben gar nicht, wie mir das gefehlt hat." Der erste Gottesdienst sei wie ein nachgeholter Ostermorgen gewesen.

Hostie mit Pinzette

Aber unter diesen Bedingungen? Sie habe die rechte Andacht nicht aufbringen können, so die ganz andere Erfahrung einer Teilnehmerin der Runde. Die Hostie sei ihr mit der Pinzette gereicht worden. Kommunion mit Kleenex hinter einer Plexiglaswand. Ständig habe sie die Hygienevorschriften im Kopf gehabt und werde dann auch noch streng ermahnt, falls man zur Risikogruppe gehöre, unbedingt zuhause zu bleiben. Das sei doch nicht einladend, für sie keine frohe Mahlgemeinschaft.

Welchen Stellenwert hat der Kirchgang?

"Es hat aber doch immer Zeiten gegeben, wo unter unglaublichsten Umständen Eucharistie gefeiert worden sei. Im Krieg, in der Gefangenschaft", entgegnet eine Gottesdienstbesucherin. Und auch wenn sie nicht habe mitsingen dürfen, das gemeinsame Sprechen der Gebete sei doch auch Gemeinschaft. So geht es hin und her – in der Diskussion. Immer wieder taucht die Frage auf, was bedeutet die Eucharistiefeier für mich? Welchen Stellenwert hat der Kirchgang denn? Wichtige Fragen, die alle Christen in Zeiten der sich wandelnden Glaubenspraxis beschäftigen, und die jetzt unter der Corona-Lupe viel schärfer sichtbar werden.

Das Erzbistum Köln ein Flickenteppich

Obwohl der Abend "Wein und Wahrheit" heißt, wird allen schnell klar, dass es hier die eine Wahrheit nicht geben kann, das hat Akademieleiter Bauer gleich zu Anfang betont. Verständlich ist deshalb auch, dass die Gemeinden im Erzbistum Köln in der Corona Krise sehr unterschiedlich nach Antworten für die Gottesdienstpraxis suchen. Wer aus Brühl komme, der müsse zum Beispiel bis Pfingsten auf Gottesdienste verzichten, das habe der Pfarrer beschlossen, erzählt eine Frau. Man kann ihn verstehen, diesen Pfarrer, der gute Gründe hat, noch abzuwarten.

In anderen Pfarreien wiederum gibt es wieder Gottesdienste aber noch keine Eucharistiefeiern. Die werden zum Beispiel in der Kölner Innenstadt in vielen Kirchen angeboten. Das Erzbistum Köln - ein Flickenteppich. Jede Gemeinde sucht ihren eigenen Weg. "Was gehört denn zu einem Gottesdienst?", fragt eine Frau. Am Ostersonntag, als es noch das flächendeckende Verbot für öffentliche Gottesdienste gab, sei sie auf den Friedhof gegangen, mit einer Freundin, die sie ansonsten in der Osternacht getroffen hätte. Am Grab ihres Mannes habe man am frühen Ostermorgen mit einem ganz persönlichen Gottesdienst Auferstehung gefeiert und nachher auf dem Friedhof gefrühstückt – mit Brot und Sekt.

Die Ostermesse mit dem Kardinal im Dom, an der auf DOMRADIO.DE viele Christen teilnehmen konnten und das Halleluja am Ostermorgen auf dem Friedhof – beides, das wird in der Diskussion deutlich, ist wahrhaftig gelebtes Christentum.

Dispens von der Sonntagspflicht

"Phantasie ist der neue Name für Liebe", zitiert daraufhin eine der Veranstaltungsteilnehmerinnen Dorothee Sölle. Ihr gefällt diese Gottesdienstfeier auf dem Friedhof. Aufgeregt habe sie allerdings mit welcher Entschlossenheit ihr als Katholikin der Dispens von der Sonntagspflicht hinterhergeworfen worden sei. Gestern noch "Todsünde", heute in null-komma-nix weg mit dem Kirchengebot. Oder das Gedächtnis an die Toten in der Liturgie, das sei in der Corona-Krise einfach mal eben gestrichen worden. Ohne Lamento und ohne die Liturgen an den Universitäten zu fragen, krempele man hier Teile der Messe um.

"Und wenn wir sonntags Wortgottesdienste feiern wollen, wird das vom Erzbischof verboten". Beschwert sich eine engagierte Christin, die diese Erfahrung in ihrer Gemeinde gemacht hat. Dabei müsse es doch gerade jetzt auch für die, die mit der Eucharistiefeier unter verschärften hygienischen Bedingungen nicht zurecht kämen, andere Angebote geben.

Die Corona-Lupe zeigt vieles klarer

Es ist anregend, der engagierten Diskussion um die Messfeier und den Gottesdienst in Corona-Zeiten zu folgen. Eine Diskussion, in der engagierte Christen sich die Frage stellen, was ihnen der Gottesdienst eigentlich bedeutet. Die Glaubenswelt und die Glaubenspraxis ändern sich. Welche großen Herausforderungen damit auf die Kirchen zukommen, wird jetzt in der Corona-Krise und der damit verbundenen Diskussion um die Gottesdienste noch viel konzentrierter sichtbar.

Das hat auch dieser Abend in der Karl Rahner Akademie in Köln gezeigt, wo von Angesicht zu Angesicht, mit Abstand und Respekt und einem guten Glas Wein die neuen Corona-Gottesdienst-Erfahrungen geteilt wurden. Oder wie zitierte eine Teilnehmerin die alte kölsche Weisheit: "Es ist nichts so schlecht, dass es nicht für irgendetwas gut ist."

Johannes Schröer
(DR)

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Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

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