Debatte um Opferentschädigung aus Kirchensteuermitteln
Kirchensteuer

11.05.2020

Kirchen rechnen mit Einbruch bei Kirchensteuern Folgen der Corona-Krise

Die Zahlen sind eindeutig: Es gibt mehr Arbeitslose und Kurzarbeit - die Folgen der Corona-Pandemie treffen auch die beiden großen christlichen Kirchen in NRW. Sie rechnen mit einem deutlichen Rückgang der Kirchensteuern.

Die beiden großen christlichen Kirchen in Nordrhein-Westfalen rechnen mit einem Einbruch bei den Kirchensteuern infolge der Corona-Krise. Die Evangelische Kirche im Rheinland bereitet sich nach eigenen Angaben auf einen Rückgang der Steuereinnahmen von bis zu 15 Prozent vor. Das wären demnach mindestens 75 Millionen Euro.

"Auf landeskirchlicher Ebene sichten wir gerade den Haushalt, um zu prüfen, auf welche geplanten Ausgaben wir zunächst verzichten können, um Liquidität zu sichern", berichtete Sprecher Jens Peter Iven der Deutschen Presse-Agentur.

Zu früh für verlässliche Prognosen

Für verlässliche Prognosen sei es noch zu früh, teilten die katholischen Bistümer Aachen, Essen, Köln, Paderborn und Münster mit. Es gebe auch einen Rückgang der Einnahmen in den Tagungs- und Bildungshäusern.

Das Bistum Essen stellte fest, der erwartete Einbruch der Kirchensteuer könne noch stärker ausfallen als bei der Finanzkrise 2008. "Die steigende Zahl der Arbeitslosen und der Empfänger von Kurzarbeitsgeld sowie die wirtschaftlich angespannte Situation vieler Selbstständiger wird sich bei den Einnahmen spürbar niederschlagen", erklärte Sprecher Ulrich Lota.

Mit Blick auf die weiter zurückgehende Zahl der Katholiken und damit auch der Steuereinnahmen habe das Bistum schon in der Vergangenheit umfassende Veränderungen eingeleitet. Wie es mit der neuen Situation umgehe, müsse dann noch beraten werden.

Die Kirchensteuer sei die wichtigste Finanzierungsquelle der Kirche, teilte das Erzbistum Köln mit. Sobald aussagekräftige Zahlen vorliegen, sollen diese umgehend beraten und dann die entsprechenden Weichen gestellt werden, hieß es.

Auch das Bistum Münster hatte bereits vor der Corona-Krise einen Sparprozess angestoßen - wegen des anhaltenden Mitglieder-Rückgangs. Durch die Pandemie sei dieser Prozess jetzt umso notwendiger, teilte das Bistum mit.

Strike Haushaltsdisziplin

Das Erzbistum Paderborn kündigte angesichts befürchteter sinkender Einnahmen strikte Haushaltsdisziplin an und die Überprüfung aller wichtigen Investitionen. Ein Rückgang der Steuereinnahmen von nur einem Prozent würden Einbußen von etwa vier Millionen Euro bedeuten.

Zusammen mit den finanziellen Ausfällen in Tagungs- und Bildungshäusern und zusätzlichen Investitionen in Heimarbeitsplätze werde sich die Situation bereits im laufenden Jahr niederschlagen: "Dies wird zu einem negativen Ergebnis 2020 im Haushalt des Erzbistums Paderborn führen", teilte Pressesprecher Benjamin Krysmann mit.

Das Bistum Aachen sieht sich gewappnet: Die krisenbedingten Defizite auch für die Folgejahre könnten nach bisheriger Einschätzung durch die Rücklagen aus guten Jahren gedeckt werden. Das Bistum werde seine sozial-caritative Arbeit und Zuweisungen für Kirchengemeinden oder Verbände fortsetzen.

(dpa)

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