Ein Mann trägt ein Stück Stoff als Gesichtsmaske
Ein Mann trägt ein Stück Stoff als Gesichtsmaske

24.04.2020

Wie Kirche in Kolumbien in der Corona-Krise hilft Wo die Not am größten ist

Als die Staatskrise in Venezuela immer größere Ausmaße annahm, ließ Kolumbien die Grenze für flüchtende Venezolaner offen. Doch wegen der Coronavirus-Pandemie machte Kolumbien diesen Weg dicht. Die Kirche versucht zu helfen.

DOMRADIO.DE: Wegen der Corona-Krise hat Kolumbien vor einiger Zeit seine Grenzen zu Venezuela dicht gemacht. Was heißt das konkret?

Monika Lauer-Pérez (Kolumbien-Referentin bei Adveniat): Kolumbien hat seine Grenzen generell dicht gemacht, nicht nur zu Venezuela. Aber in Venezuela oder an der Grenze zu Venezuela ist die Situation besonders dramatisch. Geflüchtete aus Venezuela versuchen auch auf illegalen Wegen wieder in ihr Land zu kommen.

Der Bischof von Cucúta, das Bistum liegt an der Grenze zu Venezuela, hat gesagt, wenn es den Menschen gelingt, über die Grenze zu gelangen, dann geht es ihnen in Venezuela noch schlechter. Dort werden sie wie Vieh zusammengetrieben, bekommen nichts zu essen und haben keine medizinische Versorgung. Sie werden einfach irgendwo weggesperrt, damit sie die Coronavirus-Pandemie im Land nicht weiterverbreiten.

Geflüchtete beispielsweise aus Ecuador, wo die Coronavirus-Pandemie sehr stark war, versuchen wieder in ihr Land zurückzukommen. Das geht jetzt nicht. So sammeln sie sich jetzt wieder in dieser Grenzregion, aber diesmal auf der kolumbianischen Seite.

DOMRADIO.DE: In dem Grenzgebiet zu Venezuela leben sehr viele Flüchtlinge unter prekären Umständen. Das war vor der Corona-Krise auch schon so. Wie stark hat sich das Virus mittlerweile schon verbreitet?

Lauer-Pérez: Um ehrlich zu sein, weiß man das gar nicht. Es gibt einfach gar nicht die Möglichkeit, diese Menschen zu testen. Möglicherweise gibt es sehr viele mehr, als man weiß. Kolumbien hat offiziell angegeben, dass es momentan 4561 Fälle gibt. Aber das ist keine realistische Zahl. Ich vermute, dass sie um ein Vielfaches höher ist.

DOMRADIO.DE: Bis zum Ausbruch der Pandemie hatte die katholische Kirche an der Grenze zu Venezuela zum Beispiel Essensausgaben und eine ganze Reihe anderer humanitärer Einrichtungen unterhalten. Das geht jetzt alles nicht mehr. Wie versucht die Kirche vor Ort zu helfen?

Lauer-Pérez: Die Kirche hat jetzt Sondergenehmigungen für humanitäre Hilfe bekommen. Die Helfer packen Autos voll und fahren zu den Menschen, von denen sie wissen, dass sie in großer Not leben. Dort liefern sie Hilfsgüter ab, um sie so zu versorgen. Andere Pfarreien haben zum Beispiel Räumlichkeiten hergerichtet und lassen die Menschen dort mit dem gebührenden Sicherheitsabstand Dinge abholen. Die Kirche ist sehr aktiv und versucht zu tun, was sie kann. Aber die Lage ist so unübersichtlich, dass sicherlich viele nicht erreicht werden.

DOMRADIO.DE: Bei uns ist das Thema Schutzmaske in aller Munde. Haben die Menschen dort Schutzmasken, Zugang dazu und sind sie Pflicht?

Lauer-Pérez: Sie ist keine Pflicht. Im Grunde genommen gilt in Kolumbien rigorose Ausgangssperre, die auch mit Polizei und Militär überwacht wird. Man muss eins sagen - und ich sage normalerweise über die kolumbianische Regierung nicht viel Positives, aber in diesem Fall muss ich mal positiv bemerken -, dass sie durch diese rigorose Vorgehensweise wahrscheinlich eine Katastrophe verhindert.

Es ist für die Menschen nicht möglich, sich die Masken zu besorgen. Man kann sich vorstellen, wenn die bei uns schon fehlen, dass sie dort natürlich erst recht nicht vorhanden sind. Und die Menge der Menschen, die sich solche Masken gar nicht leisten können, kann man einfach nicht erreichen.

DOMRADIO.DE: Welche Rolle spielt die kolumbianische Kirche überhaupt in der Corona-Krise?

Lauer-Pérez: Wir haben viele Nothilfe-Anträge aus den verschiedenen kolumbianischen Bistümern. In jeder Diözese versucht man den Umständen angemessen zu helfen. Die sind ja sehr unterschiedlich.

Zum Beispiel sagen die Bischöfe aus dem Amazonasgebiet, dass - sofern überhaupt staatliche Hilfe komme - sie erst gar nicht zu ihnen gebracht werden soll. Denn das erhöht die Infektionsgefahr für die Indigenen, die ja überhaupt keine Abwehrkräfte dagegen haben. Sie versuchen alles regional zu organisieren und sich noch mehr abzuschotten.

In anderen Diözesen, wo vielleicht mehrheitlich eine ältere Bevölkerung lebt, wird anders geholfen als jetzt in den großen Städten wie Bogotá, Cali oder Medellín. Man muss sagen, die Kirche, die ja eine sehr genaue Ortskenntnis hat, hilft überall sehr ausgewogen und adäquat.

DOMRADIO.DE: Adveniat versucht der Kirche vor Ort dabei zu helfen. Wie genau verteilen Sie die Hilfe?

Lauer-Pérez: Wir haben Höchstgrenzen für die einzelnen Zuwendungen beschlossen. Wir müssen erreichen, dass das Geld so lange wie möglich reicht, und wir überall da helfen können, wo es notwendig ist. Das können wir sicher nicht, aber wir versuchen es so gut, wie es geht.

Durch unsere Ortskenntnis ist ganz klar, wo Hilfe notwendiger gebraucht wird. In manchen Regionen sind die Hilfsgüter nur deshalb so teuer, weil die Transportkosten so hoch sind, weil es keine Straßen gibt. Wir tun wirklich, was wir können. Und unsere Partner sind uns ungemein dankbar dafür, danken auch explizit den Deutschen und sagen: Wie schön, dass ihr in der Krise auch noch an uns denkt.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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