Theologe mahnt besseren Schutz für Arbeitsmigranten an

Offener Brief an Landesregierungen

Der Menschenrechtler und Theologe Peter Kossen hat die Landesregierungen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen in einem offenen Brief aufgefordert, Arbeitsmigranten aus Ost- und Südosteuropa besser vor einer Corona-Erkrankung zu schützen.

Mitarbeiter in einem Fleischbetrieb / © Bernd Thissen (dpa)
Mitarbeiter in einem Fleischbetrieb / © Bernd Thissen ( dpa )

Wegen der vielfach unmenschlichen Arbeitsbedingungen etwa in der Fleischindustrie, in Ausstallkolonnen oder in Paketdiensten müsse mit einer Vielzahl schwerer und tödlicher Verläufe bei einer Ansteckung mit dem Coronavirus gerechnet werden, schrieb der katholische Priester vom Bistum Münster am Montag.

Der Brief ist an den nordrheinwestfälischen Arbeits- und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) und den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) gerichtet.

Besonders anfällig

Kossen warnte davor, dass sich das Arbeitspensum der Migranten deutlich erhöht habe. Ohnehin verrichteten viele Schwerstarbeit in Zwölf-Stunden-Schichten an sechs Tagen pro Woche, schrieb der Priester, der sich seit Jahren für die Arbeitsmigranten im Nordwesten Deutschlands einsetzt.

Aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes, ihrer Erschöpfung und des mangelhaften hygienischen Zustands in den Unterkünften seien die Migranten besonders anfällig für das Coronavirus, hieß es.

Mangelnde Sprachkenntnisse verschärften Probleme

Noch immer lebten die Arbeiterinnen und Arbeiter auch mit ihren Familien vielfach in Schrottimmobilien, kritisierte Kossen: "In den oft viel zu kleinen, schlecht belüfteten und mehrfach belegten Zimmern findet man nicht selten ausgeprägte Schimmelbeläge an den Wänden, direkt neben den als Betten dienenden Pritschen."

Die mangelnden Sprachkenntnisse verschärften die Probleme jetzt in der Corona-Krise.


Quelle:
epd