Menschen mit Atemschutzmaske
Menschen mit Atemschutzmaske
Die Maske des jungen Protests
Die Maske des jungen Protests
Protest gegen China von Uiguren
Protest gegen China von Uiguren in der Türkei
Trump-Maske
Trump-Maske
Teufelsmaske Art "Hornberger Hörner".
Teufelsmaske Art "Hornberger Hörner".

14.04.2020

Was Cro und Zorro mit Corona zu tun haben Die Maske im Wandel der Zeit

Masken sind in aller Munde - und demnächst wahrscheinlich auch davor. Dabei gibt es nicht nur Schutzmasken. Auch im Ritus, im Theater, im Brauchtum, der Arbeitswelt und der Popkultur sind Masken weit verbreitet.

Kein Scherz: Angesichts so mancher Ungereimtheiten beim Maskenkauf durch Regierungen im Kampf gegen das Coronavirus mutet die Herkunft des Wortes Maske wie ein Witz an: Es leitet sich vom arabischen Mashara her - was Spott bedeutet. Der Mund-Nasen-Schutz, kurz MNS, ist Teil einer großen Familie, deren Mitglieder eines stets gemeinsam haben: Sie verhüllen mindestens einen Teil des Gesichts.

Ihre Funktionen sind jedoch unterschiedlich: Während die einen vor Krankheiten, Staub oder Feuer schützen, dienen die anderen zum Rollenwechsel oder zum Verbergen der eigenen Identität.

Das Tragen von Masken ist so alt wie die Menschheit. Ihre vornehmliche Verwendung war das Rollenspiel, vor allem im Ritus.

Bereits aus der Altsteinzeit sind Felsmalereien bekannt, die Tanzszenen mit Tiermasken, vermutlich von Schamanen, darstellen - zu sehen in der italienischen Grotta di Fumane sowie in den Höhlen von Lascaux und Trois Freres in Frankreich.

Indigene Völker nutzen Masken aus Holz

Auch heute noch nutzen indigene Völker Masken aus Holz, Leder oder Federn für ihre religiösen Kulte. Die Tänze von farbenprächtig maskierten Gruppen beim Sing-Sing-Festival in Papua-Neuguinea ziehen jährlich tausende Besucher an. In der Karwoche, der Semana Santa, streifen vor allem in Andalusien Bruderschaften mit verhüllten Gesichtern und Spitzhauben, die denen des Ku-Klux-Klans ähneln, durch die Gassen. Am Dia de los Muertos, an Allerheiligen, bedecken viele Mexikaner mit Totenkopfmasken ihr Gesicht und feiern die Anwesenheit ihrer Verstorbenen.

Für spirituelle Zwecke, zur Ahnenverehrung oder Erinnerung wurden und werden Totenmasken angefertigt. Zu deren bekanntesten Exemplaren zählt das rund 3.300 Jahre alte Exemplar des ägyptischen Pharaos Tutanchamun sowie die von dem Archäologen Heinrich Schliemann in Mykene ausgegrabene, etwa 300 Jahre ältere Goldmaske des Agamemnon.

Das Deutschen Literaturarchiv in Marbach verwahrt die Totenmasken von Bertolt Brecht und Friedrich Nietzsche.

Das Rollenspiel des Theaters der Antike brachte den Mythos auf die Bühne. Es wurzelt in den Kulten rund um den griechischen Gott Dionysos. Masken, auch Larven genannt, dienten der Typisierung der Figuren. Hiervon zeugt auch die Übersetzung des lateinischen "persona" mit Maske oder Rolle.

Im Stehgreiftheater der Commedia dell'arte im Italien des 16. bis 18. Jahrhunderts lief ebenfalls nichts ohne Gesichtsbedeckung. Der mutmaßliche Schöpfer von dessen bekanntester Figur, des Harlekins oder Arlecchino, stammt aus dem vom Coronavirus besonders stark gebeutelten Bergamo. Auch in der chinesischen Oper und im japanischen No-Theater gehören Masken zum Spiel.

Im Karneval verwendet

Bis heute heißt eine der einflussreichsten Zeitschriften der Theaterwissenschaft "Maske und Kothurn", und bis heute stehen eine weinende und eine lachende Maske für Tragödie und Komödie und damit für das Theater schlechthin. Jedoch maskieren sich die Schauspieler heutzutage äußerst selten, von einzelnen Stücken moderner Dramatiker wie Alfred Jarry und Luigi Pirandello einmal abgesehen. Stattdessen gehen die Darsteller zum Maskenbildner "in die Maske" - und werden dort geschminkt.

Gesichtsbemalung, aber auch Bedeckungen von Mund und Nase helfen im Brauchtum wie dem alpenländischen Perchtenlauf zum Winteraustreiben und vor allem im Karneval beim Spiel mit den Identitäten. Davon zeugen etwa Masken- oder Kostümbälle, Mummenschanz, die hölzernen Larven der schwäbisch-alemannischen Fastnacht, die Verkleidungen im venezianischen Karneval wie der vogelartige Medico della peste sowie die Gruselmasken von Halloween oder in der Geisterbahn auf dem Rummelplatz.

Darüber hinaus erfreuen sich Maskierungen in erotischen Rollenspielen großer Beliebtheit - wie auch in der Popkultur, zelebriert vom Rapper Cro mit seiner Pandamaske und natürlich den modernen Helden Zorro, Batman oder Spiderman. Darsteller des Bösen, wie der Kannibale aus "Das Schweigen der Lämmer", Hannibal Lecter, und nicht zuletzt der tiefschwarze Darth Vader aus Star Wars, treten verhüllt auf.

Einbrecher ohne Maske?

Dunkle Gesellen benutzen Masken zur Vermummung. Einbrecher oder Bankräuber setzen gerne auf eine Sturmhaube, um unerkannt ihrer Tätigkeit nachzugehen. Demonstranten der kapitalismuskritischen "Occupy Wall Street"- Bewegung tragen trotz des in Deutschland geltenden Vermummungsverbots Masken. Auf ihnen ist das Konterfei des katholischen Fanatikers Guy Fawkes abgebildet, das zugleich das Zeichen des Internetkollektivs "Anonymous" ist.

Auch die Gesichter von Henkern oder Hinzurichtenden sind oft verhüllt - um inkognito zu bleiben oder kein Mitleid zu erregen. So wundert es nicht, dass in der Renaissance- und Barockkunst die Maske in Allegorien für Täuschung und Simulation steht, was heute noch in der Metapher der Maskerade Verwendung findet.

Wenn die Ordnungsmacht Unehrlichen die Maske vom Gesicht gezogen und Kriminelle ent-larvt hatte, konnte sie im Mittelalter und der frühen Neuzeit als Strafe das Aufsetzen von grotesken Schandmasken verhängen. Sie sollen ihren Träger nicht vermummen, sondern sie im Gegenteil als Verbrecher kenntlichmachen und der Lächerlichkeit preisgegeben. Stattdessen werden heute Delinquenten von besonderer Güte wie Attentäter mit Sturmhauben in der Öffentlichkeit vor Blicken und Kameras geschützt - wie auch ihr Gegenüber, die Polizisten oder Soldaten.

Sportler nutzen auch Masken

Auch bei bestimmten Sportarten wie Tauchen, Fechten, Motorsport oder Eishockey sind Masken nicht wegzudenken. Sie gehören ebenso zum Alltag von Berufsgruppen wie Schweißern, Lackierern und Feuerwehrleuten, wobei deren Exemplare vor allem für den Atemschutz konzipiert sind. Das trifft auch auf Gasmasken zu, die nicht das Inhalieren von Staub, sondern von chemischen Kampfstoffen unterbinden sollen.

Das können die aktuell zu Berühmtheiten gewordenen FFP-Masken nicht leisten. Die Halbmasken sind mit einem Filter versehen und schützen vor Feinstaub, Aerosolen, Partikeln - und dem Coronavirus. Der einfache Mund-Nasen-Schutz hingegen, aus der Apotheke oder selbst genäht, hilft hauptsächlich dabei, eine Infektion anderer zu verhindern. Wenn man sich trotz aller Vorsicht nicht hat schützen können und Covid 19 einen schweren Verlauf nimmt, kommt in den Intensivstationen der Krankenhäuser wieder eine Maske ins Spiel: die für Beatmung.

Silke Uertz
(KNA)

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