Europaflagge vor dem Europäischen Parlament in Brüssel
Europaflagge vor dem Europäischen Parlament in Brüssel

11.04.2020

Belgien seit vier Wochen im Homeoffice - EU-Viertel ausgestorben Mein grenzenloses Europa gibt es gerade nicht mehr!

Korrespondenten schreiben in Zeiten der Corona-Krise an die Zentrale: Persönliches und Politisches, Trauriges und Tröstliches von den Mitarbeitern der Katholischen Nachrichten-Agentur. Diesmal: eine E-Mail aus Brüssel.

Für die Belgier ist mit der Karwoche die vierte Woche im Homeoffice angebrochen. Mitte März ordnete die neue Regierung eine Schließung aller nicht lebensnotwendigen Geschäfte und Restaurants an und empfahl Arbeiten zuhause. Seitdem ist es ruhig geworden, in der Stadt, in der sich morgens sonst meterlange Autos stauen, immer eine Sirene heult oder ein Helikopter einen Staatschef vorbeibringt.

Treffen im Netz

Besonders das EU-Viertel ist ausgestorben - keine geschäftigen Anzugmenschen, hupenden Autos oder überfüllten Busse. Doch obwohl es ruhig wirkt, hat die EU nicht aufgehört zu arbeiten. Ein Großteil der Treffen und Veranstaltungen wurden ins Internet verlegt.

Minister tagen per Videokonferenz, Journalisten werden über den Onlinedienst "Zoom" gebrieft. Fragen beim täglichen Midday-Briefing der EU-Kommission können nur noch per E-Mail eingereicht werden. Die Pressesprecher der EU-Kommission werden aus dem Homeoffice zugeschaltet, und wir Korrespondenten lernen diverse Bücherregale und Wandbilder kennen.

Mikro einschalten

Generell war die EU auch vor Corona bereits weit, wenn es darum ging, Pressekonferenzen, Ausschusssitzungen des EU-Parlaments und andere wichtige Konferenzen per Live-Stream zu verbreiten. Kleinere Pannen gibt es zwar - wenn etwa EU-Abgeordnete per se nicht verstehen, wie sie ihr Mikro bei der Videokonferenz anschalten - aber insgesamt läuft es. Ins Internet sind auch die Abendempfänge umgezogen. Die hessische Landesvertretung bietet mittlerweile ihre Veranstaltungen im Live-Stream an. Doch anders wie vorher finden sie nicht mehr abends, sondern mittags statt.

Auch mein Privatleben hat sich ins Netz verlagert. Mit Studien- und Schulfreunden treffe ich mich regelmäßig zum digitalen Apero, und auch mein Spanischkurs läuft über "Zoom" weiter.

Jogger im Stadtwald

Die Ausgangssperre in Belgien kommt mir aus der Ferne im Vergleich zu Deutschland etwas strenger vor. Das könnte aber auch daran liegen, dass ich mich mitten in der Stadt befinde. Die Polizei fährt alle zwei Stunden an meiner Wohnung vorbei und macht Menschen darauf aufmerksam, nicht in Gruppen unterwegs zu sein. Der große Stadtwald von Brüssel, der Bois de la Cambre, wurde für Autos gesperrt. Insgesamt ist es verboten, mit dem Auto irgendwohin zu fahren, um spazieren zu gehen. Inliner, Radfahrer und Jogger haben die Straßen im Stadtwald erobert.

Die neue Regierungschefin der Belgier, Sophie Wilmes, hält sogar dazu an, Zeit draußen zu verbringen und Sport zu treiben. Doch dabei sollten sie in Bewegung bleiben; das Sitzen auf Parkbänken ist verboten und kann mit Geldstrafe geahndet werden. Am schlimmsten finde ich das Einkaufen im Supermarkt. Seit Mitte März wird nur noch eine bestimmte Zahl von Kunden reingelassen. Das zieht lange Schlangen nach sich und hat etwas Beklemmendes.

Klatschen am Fenster

Der schönste Moment am Tag beginnt pünktlich zur Tagesschau. Dann öffnen sich in Brüssel die Fenster: Wie in vielen anderen EU-Ländern wird für das Pflegepersonal, Mediziner und Kassierer geklatscht und musiziert. Ich habe das Gefühl, das Klatschen wird jeden Tag lauter. Seit ein paar Tagen mischt es sich mit kurzen Fensterkonzerten in unserer Nachbarstraße.

Mein Bild von Europa hat diese Krise schon jetzt geändert. Seit 2008 wohne ich mit einer Unterbrechung im EU-Ausland. Egal ob Frankreich, die Niederlande oder Belgien - in meinen Ohren hörte es sich immer komisch an, wenn jemand sagte, ich wohne im "Ausland". Mit dem "Ausland" verband ich fremde Kulturen, weite Anreisen und ein komplett anderes Klima. Nichts traf auf die Orte zu, wo ich lebte.

Begrenztes Europa

Als ich in München studierte, war ein Wochenendbesuch im Rheinland eher schwierig; aus Brüssel oder Maastricht dagegen kein Problem. Ich weiß nicht, wie oft ich den Grenzübergang Aachen-Lichtenbusch schon am Sonntagabend überquert habe, aber es waren viele Male. Nun ist es zwar nicht unmöglich geworden, aber schwieriger; Belgier und Deutsche werden bei der Überfahrt kontrolliert. Mein grenzenloses Europa, in dem ich 2008 wie selbstverständlich das Studium auf der anderen Seite der Grenze begann, gibt es gerade nicht mehr.

Franziska Broich
(KNA)

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