Podcast: Himmelklar - Fürchtet Euch nicht
Podcast: Himmelklar - Fürchtet Euch nicht
Julia Braband (2. v.r.) auf der Corona-Station
Julia Braband (2. v.r.) auf der Corona-Station

07.04.2020

Katholischer Podcast: "Himmelklar – Fürchtet Euch nicht!" Julia Braband: "Wir helfen Euch, aber bitte reizt es auch nicht aus"

Alle versuchen Kontakt zu Corona-Infizierten zu vermeiden. Für Julia Braband ist das unmöglich. Die Theologiestudentin hat sich als Krankenschwester freiwillig gemeldet für den Einsatz auf der Corona-Station.

DOMRADIO.DE: Du bist seit letzter Woche auf der Corona-Station. Du bist Krankenschwester und hast Dich bewusst für diese Station entschieden. Wie kam das zustande?

Julia Braband (Krankenschwester und Theologiestudentin): Genau, eigentlich arbeite ich nur 25 Prozent, weil ich ja studiere. Im ganzen Krankenhaus ist gefragt worden, wer sich vorstellen könnte auf die neue Station zu gehen. Es war schnell klar, dass sich nicht viele freiwillig für die Corona-Station melden werden. Alle Bibliotheken sind zur Zeit geschlossen, alles steht still und ich kann nicht studieren gehen, deshalb habe ich mich freiwillig für die Corona-Station gemeldet.

DOMRADIO.DE: Wie unterscheidet sich der Alltag auf der Corona-Station von dem auf anderen Stationen?

Braband: Wir haben einen höheren Standard an Selbstschutz als gewöhnlich. Wenn wir die Zimmer betreten, tragen wir immer Masken, Handschuhe und Kittel. Das tun wir auch, wenn wir nicht sicher wissen, ob die Patienten Corona haben oder nicht.

DOMRADIO.DE: Die Virologen sagen ja, dass es nicht unbedingt etwas bringt, sich selbst mit einer Maske zu schützen.

Braband: Einerseits haben wir noch einige FFP2-Masken. Das ist ja ein großes Problem in Deutschland. Andererseits tragen alle Patienten, mit denen man gut zusammenarbeiten kann, auch eine Maske. Im Krankenhaus wurde uns gesagt, dass ein ganz enger Kontakt von 15 Minuten ein großes Problem darstellt. Also versuchen wir einen engen Kontakt zum Patienten zu vermeiden. Wenn wir Pflegepatienten behandeln, ist eine FFP2-Maske Pflicht.

DOMRADIO.DE: Ihr habt jetzt auch erste Patienten, die tatsächlich positiv getestet sind, nicht wahr?

Braband: Ja, wir haben drei positiv getestete Patienten. Einer liegt auf der Intensivstation und zwei bei uns. Wir warten teilweise sehr lange auf die Testergebnisse, weswegen unsere Station mittlerweile komplett voll ist.

DOMRADIO.DE: Wie geht es den Patienten denn psychisch? Ich kann mir vorstellen, dass das sehr belastend ist, wenn man das Virus hat, worüber ganz Deutschland spricht.  

Braband: Das spannende ist, dass beide Patienten nicht wissen, wo sie sich hätten anstecken können. Auf unserer Station liegen ein mittelalter Mann und eine alte Frau. Die ältere Dame war nur mal einkaufen und kann sich nicht erklären, wo sie das Virus bekommen hat. Als der Mann die Symptome bemerkte, hatte er sich schon gedacht, dass es sich dabei um Corona handelt, aber er hat auch keine Ahnung, wo er sich angesteckt haben könnte.

DOMRADIO.DE: Du bist Theologiestudentin. Wir als Christen haben ja den Grundsatz andere Menschen nicht nach solchen Äußerlichkeiten zu beurteilen.

Braband: Ja, das finde ich ganz schwierig, was gerade passiert. Ich erlebe es auch selbst, dass man denunziert wird. Entweder weil man auf einer Corona-Station arbeitet oder weil man Geschwister hat, die zum Beispiel in Bayern leben und man zu ihnen Kontakt hatte. Da wird gleich gesagt: Oh, Bayern ist Risikogebiet und wir wollen keinen Kontakt mehr mit Euch haben. Ich finde es ganz schwierig, dass vor allem Personen, die mit Corona infiziert sind, so denunziert werden. Das wiederspricht meinem Verständnis von Miteinander und Nächstenliebe komplett, denn es kann niemand etwas dafür, dass er oder sie sich mit Corona infiziert hat.

DOMRADIO.DE: Du hast ja durch Deine Arbeit nun viel Kontakt mit infizierten Personen. Musst Du im Privatleben besondere Quarantäneregeln befolgen?

Braband: Nein, das muss ich nicht, weil wir durch das Tragen der Schutzkleidung nicht als direkte Kontaktpersonen gelten. Selbst wenn wir unwissentlich und ohne Schutzkleidung Kontakt zu infizierten Personen gehabt hätten, müssen wir nur noch sieben Tage in Quarantäne und nicht mehr vierzehn.

DOMRADIO.DE: Von Eurer Station gibt es ein Bild im Internet, wo Ihr Krankenschwestern in voller OP-Montur mit zwei Schildern zu sehen seid.  Darauf steht "Bleibt für uns zu Hause." Und "Wir bleiben für Euch hier." Wie wichtig findest Du solche Aktionen?

Braband: Es erregt auf jeden Fall Aufmerksamkeit und ist ein Punkt Menschen zu erreichen. Es zeigt, dass die Mitarbeiter in den Kliniken und Krankenhäusern täglich um das Leben der Menschen kämpfen und man es deshalb nicht aufs Spiel setzen sollte. Wir sagen: "Wir helfen Euch, aber bitte reizt es auch nicht aus." Es gibt ganz klar die Richtlinie, dass wir uns nicht zu acht im Park treffen und eine Grillparty veranstalten dürfen. Das muss man akzeptieren. Ich hoffe, dass das noch mehr Menschen begreifen. Wir sehen die Bilder aus anderen Ländern, wo die Pflegekräfte am Rande der Erschöpfung sind und ich finde, dass wir das nicht brauchen. Es reicht jetzt schon.

DOMRADIO.DE: Was gibt Dir im Moment Hoffnung?

Braband: Wenn ein Patient negativ getestet worden ist und nach Hause gehen darf. Die aufblühende Natur und das Gefühl, dass Gott sich im Moment seine Schöpfung zurückholt. Und immer noch mein Konfirmationsspruch. Das ist der Spruch, mit dem ich durchs Leben gehe. Das ist der Psalm 73: "Dennoch bleibe ich stets an Dir; denn Du hältst mich bei meiner rechten Hand,  Du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende in Ehren an."

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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