Frankfurter Stadtdekan: Corona-Einschränkungen kritisch hinterfragen
Frankfurter Stadtdekan: Corona-Einschränkungen kritisch hinterfragen
Johannes zu Eltz
Johannes zu Eltz

01.04.2020

Frankfurter Stadtdekan über Corona-Einschränkungen Täglich kritisch hinterfragen

Ständig auf den Prüfstand stellen: Der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz fordert, die in der Corona-Krise verordneten Einschränkungen von Grundrechten immer neu abzuwägen und kritisch zu hinterfragen.

Die Interessen der besonders Gefährdeten müssten gewahrt bleiben, sagte zu Eltz der "Frankfurter Rundschau" (Mittwoch). Zugleich sei es wichtig, von den politisch Verantwortlichen zu verlangen, "immer neu abzuwägen, jeden Tag nach neuen Lösungen zu suchen".

Ihn irritiere die "Kritiklosigkeit und Willfährigkeit aufseiten jener, die von den Anordnungen betroffen sind", so der Priester.

Kritik am Gottesdienstverbot

Gehorsam sei richtig, aber nicht ohne den Gebrauch des eigenen Verstandes und ohne immer wieder zu fragen, ob Maßnahmen wirklich in dieser Form nötig seien. "Demokratie lebt doch davon, solche Gedanken zu hegen uns sie öffentlich zu äußern. Wir brauchen das auch in der Corona-Krise, gerade da. Sonst wüsste ich nicht, für was wir eigentlich kämpfen", sagte zu Eltz.

Er wolle keine "Obrigkeit", die "unseres Glückes Schmied" sein wolle. "Ich habe meinen Heiland schon."

Kritik übte er am pauschalen Verbot aller Gottesdienste, das den Kern des Grundrechts auf Religionsausübung treffe. "Ich kann nicht erkennen, dass man auch nur einen Gedanken darauf verschwendet hätte, da die Gläubigen mitzunehmen, statt sie auszusperren."

In den vielfach "großen, leeren Kirchen" hätte der Infektionsschutz eingehalten werden können, so der Stadtdekan. Dabei ziele seine Kritik "nicht nach oben, sondern zur Seite, zu uns hin. Mir wird es ganz schwummrig, wenn ich sehe, wie schnell wir bereit waren, uns generellen Verboten zu unterwerfen".

Diskussionen nehmen zu

Zu Eltz zeigte sich überzeugt, dass die Diskussionen über Alternativen zur Lähmung des gesamten öffentlichen Lebens weiter zunähmen. "Gott sei Dank lebt jetzt, nach einer riesigen Schrecksekunde der Diskurs wieder auf." Wichtig sei, den Bürgern Freiheit zuzutrauen. "Die Menschen sind in ihrer übergroßen Zahl vernünftig und wollen ihren Beitrag leisten. Diese Kräfte sollte man auch in Anspruch nehmen, statt besten Willens rundherum alles lahmzulegen."

Christen seien dabei, betonte zu Eltz, "gewiss nicht tapferer oder gescheiter als andere". Die Gewissheit, dass Gott es gut mit den Menschen meine, könne aber in einer Krise "viel Klugheit und Handlungskraft" frei setzen.

(KNA)

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